Abiturienten feiern das „Ende des Schmerzes“
„Ich bin stolz auf euch, lebt wohl!“ Die Leiterin des Herrenberger Schickhardt-Gymnasiums, Heike Bertsch-Nödinger, verabschiedete 59 Abiturienten aus dem Schulleben. Die beeindruckenden Zahlen: Alle Schüler zusammen haben 2,3 im Abi-Schnitt, 16 von ihnen hatten bei ihrem Schnitt sogar eine „1“ vor dem Komma. Gute Voraussetzungen für den weiteren Lebensweg. Anlass genug, tüchtig zu feiern.
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Feierlicher Moment: Einmarsch der Abiturienten in der Stadthalle GB-Foto: Holom
Herrenberg: 59 SGH-Abiturienten begehen Abschluss ihrer Schulzeit mit einem großen Ball in der Stadthalle
Wenn junge Damen ihr Abitur feiern, dann tun sie das gerne in High Heels und im rauschenden Ballkleid. Gerne bodenlang mit viel Tüll und Spitze, alternativ im Mini, zu dem auch schon mal Sneakers getragen werden. Auch die jungen Männer ließen sich nicht lumpen. Schicker Anzug mit Krawatte oder Fliege. Das ein oder andere Einstecktuch rundete das Ensemble ab. Der Einzug der Abiturienten in die bis unters Dach gefüllte Stadthalle zu getragener Musik hatte etwas von Saisoneröffnung beim Wiener Opernball.
Organisiert hatten die Schüler den Ball in der Zeit nach der schriftlichen Abitur-Prüfung, ohne zu wissen, ob sie überhaupt bestanden hatten, wie ihr Sprecher erläuterte. Da war dann wohl auch Zeit, lustige Filmchen zu drehen. Die Schüler des Englisch-Kurses karikierten liebevoll die Angewohnheiten ihrer Lehrer, die Absolventen des Chemiekurses probten eine Reise auf den Mars. Höhepunkt ihres Videos war der beeindruckende Start einer Plastik-Colaflaschen-Rakete, die mittels Pressluft in eine Erdumlaufbahn geschickt wurde. Chemie kann auch Spaß machen. Die Deutsch-Kursler maßen sich mit ihren (Nicht-Deutsch-) Lehrern im Quiz, bei dem es am Ende ein Unentschieden gab. Die Lehrer erhielten Schokoladeherzen unter dem Slogan „Gut, dass es euch gibt.“
Auch Schulleiterin Heike Bertsch-
Nödinger musste angesichts der sich gerade zum 50. Mal jährenden Mondlandung nicht lange nach einem Gedanken für ihre Abschiedsrede suchen. Als Junge, erzählte sie, habe er Flugzeugmodelle gebastelt, mit 14 habe er in einer Apotheke gearbeitet und Zeitung ausgetragen, um sich Flugstunden leisten zu können. Das habe gedauert, angesichts von 49 Cent Stundenlohn und neun Dollar für eine Flugstunde. Doch mit 16 hatte er seine Piloten-Lizenz in den Händen, später wurde er Kampfflieger. Mit 39 Jahren war Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond. Der Ratschlag, den Bertsch-Nödinger ihren nun Ex-Schülern folglich mitgab: „Überlegt, was euch Spaß macht, sucht euch ein Ziel.“ Das wirke dann wie ein Magnet und mache vieles möglich. Aber eben nicht an einem Tag. Wenn die Schüler sich auf den Weg machten, sollten sie zunächst versuchen, sich auf die notwendigen Dinge zu konzentrieren. Anschließend könnten sie sich dann um die möglichen Dinge kümmern. Am Ende würden dann die unmöglich erscheinenden, aber wünschbaren Dinge erreichbar. Heike Bertsch-Nödinger: „Ich habe euch als junge Persönlichkeiten erlebt, die sich für die SMV oder für die Fridays-for-Future-Bewegung engagierten. Und ihr habt diesen wunderschönen Ball ermöglicht.“ Sie wünschte allen, ein großes übergeordnetes Ziel zu finden, das sie anstreben könnten, ohne Angst, zu scheitern. Falls es schwierig werde, müsse man sich fragen, ob möglicherweise die Zielauffassung falsch sei. „Ist das vielleicht gar nicht mein Ziel?“ Und manchmal sei es auch nur der mangelnde Glauben an sich selbst.
„Mama-Hotel“ wird künftig
eher zum B&B-Betrieb werden
Der Vorsitzende des Freundeskreises des Schickhardt-Gymnasiums, Siegfried Dierberger, hieb in die gleiche Kerbe. „Macht alles richtig, fangt aber endlich an damit.“ Für die Eltern hatte Bertsch-Nödinger auch noch einen Tipp: Das Mama-Hotel bleibe wohl weiterbestehen, werde in Zukunft aber eher zu einem B&B-Betrieb werden. Das sei schon richtig so, „lassen Sie Ihre Kinder ziehen.“
Schülersprecher Philipp Karges fand angesichts des Mottos des Jahrgangs „Abicetamol, der Schmerz hat ein Ende“, dass mit acht respektive neun Jahren die Dosis, die einem Schüler zugemutet werden könne, ausgereizt sei. Und mit einem Augenzwinkern ermahnte er seine Kollegen: „Denkt dran, Tabletten immer nur mit Wasser runterspülen!“ Angesichts der Tatsache, dass der über 1000 Mitglieder zählende Freundeskreis des Schickhardt-Gymnasiums in die ausgeteilten Abi-Zeugnisse nicht nur ein Beitrittsformular, sondern auch einen Gutschein für ein Glas Sekt eingelegt hatte, ist anzunehmen, dass der eine oder andere sich eher nicht an den Rat gehalten hat.