Alle helfen mit
Wer klettern will, muss die Schaufel schwingen. Die Schüler der Gärtringer Ludwig-Uhland-Schule tun das gern. Der Förderverein ihrer Schule hat lange gespart, um ein sportliches Gerüst in ihren Pausenhof zu bringen; noch vor der Installation werden die Lernenden in die Pflicht genommen. Manche finden das fast besser als den Unterricht. Die Schubkarrenräder knirschen, die Schaufelblätter fliegen.
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Schüler, Eltern und Lehrer verteilen die Hackschnitzel GB-Foto: Holom
Gärtringen: Uhland-Schule bekommt Klettergerüst
Einige Gerüstteile stehen schon – Metallsäulen, die aus dem Erdbecken ragen, das sich hinter der Gärtringer Ludwig-Uhland-Schule auftut, flache Hocker, die bald zu Plateaus werden sollen. Um sie her: das Loch, das gefüllt werden muss. Gut geschätzt sechs Meter breit, 20 Meter lang, von geringer Tiefe, ausgeschlagen mit schwarzer Folie. Dieses Rechteck soll voll werden – mit Hackschnitzeln, grob gehäckselten Teilen hellen weichen Holzes, deren Aufgabe darin bestehen wird, den Fall junger Menschen, so er denn unerwartet eintritt, federnd abzufangen und somit böse Verletzungen zu verhindern.
Der Förderverein holt
Spendengeld und Hilfe herbei
Es ist der Förderverein der Ludwig-Uhland-Schule, der schon 2017 den Plan fasste, Gelegenheit zu Spiel und Kletterei aufs Gelände zu schaffen. Drei Jahre vergingen bis zur Umsetzung des Planes – der Förderverein musste sammeln, 20 000 Euro zusammentragen. Mittelständische Firmen und Industriebtriebe waren ihm dabei behilflich, auch die Gemeinde Gärtringen unterstützte, nicht nur indem sie Bauhofleistungen stellte, die Tüv-Abnahme organisierte, die Holzschnitzel spendete. Die Eltern der Gärtringer Schüler, organisiert im Förderverein, wurden selbst aktiv – Michael Messer, ein Vater, trieb das Projekt mit großem Engagement voran, verhandelte mit den Herstellern des Spiel- und Klettergeräts, kommunizierte mit der Gärtringer Verwaltung. Dr. Barbara Schüpp-Niewa, eine Ehemaligen-Mutter der Uhland-Schule, wurde zur großen geldersammelnden Kraft, tagt sich rührig nach Sponsoren um. Im August war es so weit: Die Ludwig-Uhland-Schule konnte einen Auftrag vergeben.
Eltern sind es auch, die sich am kommenden Samstag mit Aspekten der Installation des neuen Spielgerätes befassen, zum Beispiel Kletterseile spannen werden. Der Donnerstag jedoch ist jener Tag, an dem die Schüler, die späteren Nutzer, dran sind: Insgesamt fünf Klassen dürfen schaufeln. Am Vormittag sind es die rund 41 Schüler der neunten Klassen, 14 bis 16 Jahre alt, am Nachmittag dann Schüler der siebten und achten Klassen.
Und sie haben zu tun, alle. Geschätzt rund 60 Kubikmeter Holzschnitzel wollen in die Grube; die Berge, die daliegen, sind groß und was auf eine Schaufel passt, wirkt wie ein Tropfen für die Badewanne. Etliche Schubkarren sind im Einsatz, kippen ihren Inhalt in die flache Tiefe, etliche Schüler stehen da und werfen Füllung: ein Job für echte Windmühlen. Allerdings: die Schüler schaufeln nur an einem Tag. Viel zu kurz ist dieser Zeitraum, um den Überdruss anzulocken. Ganz anders: die harte Arbeit macht den Schülern Spaß.
„Ich find’s schon cool“, sagt Dominique Schwebel, 16 Jahre alt. „Manchmal denke ich, Unterricht wäre besser, aber wenn es Mathe-Unterricht wäre, dann fände ich das Schaufeln schon viel cooler.“ Madelaine, Cecilia und Vanisa sind drei Mädchen, die das ähnlich sehen: „Es macht mehr Spaß als der Unterricht“, sagen sie – nur: „Mit Musik wäre es besser.“
Steffen Wörner, der im Oktober als neuer Konrektor der Ludwig-Uhland-Schule eingesetzt wird, ist bei den Schülern, koordiniert sie, hat einen eigenen Hänger mitgebracht. Und die Arbeit geht voran: gegen 14 Uhr meldet Schulleiterin Christine Hallgarten: „Wir sind fast fertig!“ Das heißt so viel wie: Bald schon ist es wieder Zeit, das Mathebuch aufzuschlagen.