Anlage verfügt über eine Leistungsreserve

Lesedauer: ca. 3min 06sec
Schule mit innovativem Energiekonzept: Gretel Rauscher von der Gemeinde, Marcus Haischt und Alexander Ebinger (von unten nach oben) freuen sich darüberGB-Foto: Bäuerle

Schule mit innovativem Energiekonzept: Gretel Rauscher von der Gemeinde, Marcus Haischt und Alexander Ebinger (von unten nach oben) freuen sich darüberGB-Foto: Bäuerle

Klimaprojekt des Monats: Nahwärmeleitung verbindet Gemeinschaftsschule Ammerbuch und Lindenhof

Im neuen Entringer Schulzentrum sorgt ein innovatives und praktisches Heizkonzept für angenehme Temperaturen mit einem geringen CO2-Abdruck: Vom Lindenhof – einem Aussiedlerhof mit Landwirtschaft, Schweinemast und Bag-in-Box-Saftproduktion – verläuft eine 750 Meter lange, bestens isolierte Rohrleitung bis in die Heizzentrale der GMS Ammerbuch, die das Schulgebäude, die danebenliegende Mehrzweckhalle und später auch die dort entstehende Kindertagesstätte mit Wärme versorgt.

Landwirt Marcus Haischt betreibt auf seinem Hof eine Biogasanlage, die wiede-
rum zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) mit Energie speist, die mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme erzeugen. Der Strom wird direkt auf dem Hof verbraucht und Überschüsse ins öffentliche Netz eingespeist, die Wärme heizt Wohnhaus und Stall – und seit Inbetriebnahme des Nahwärmenetzes im März 2018 auch die Gemeinschaftsschule. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, von der auch das Klima profitiert. Denn durch das Nahwärmenetz bleiben der Umwelt pro Jahr rund 108 Tonnen Kohlendioxid erspart.

Investition soll sich
in zehn Jahren amortisieren

„Schon als der Entschluss fiel, die Schule an diesem Standort zu bauen, habe ich überlegt, ob wir sie von unserem Hof aus mit Wärme beliefern könnten“, erklärt Marcus Haischt. Ein beträchtlicher Teil der in den beiden BHKWs, die zusammen 300 Kilowattstunden (kWh) elektrische und 250 kWh Wärme produzieren, erzeugten Abwärme blieb damals ungenutzt. In den Stadtwerken Tübingen (swt) fand er einen probaten Partner. Gemeinsam erarbeiteten sie ein Konzept, mit dem sie sich in der europaweiten Ausschreibung gegen mehrere Mitbewerber durchsetzten. „Beim Preis lagen wir zwar nur im Mittelfeld, aber wir konnten mit einem guten Primärenergie-faktor und langfristiger Laufzeit punkten“, erinnert sich Alexander Ebinger, der das Projekt für die Stadtwerke betreut. Das Nahwärmeprojekt erhielt den Zuschlag und Marcus Haischt ging in Vorleistung und machte sich daran, die 750 Meter Rohrleitung in Eigenleistung zu verlegen – eine Investition, die sich voraussichtlich innerhalb von zehn Jahren amortisieren wird. Über die Rohrleitung wird das durch die BHKWs erhitzte Wasser zur Heizzen-
trale in der Schule transportiert, wo es in einem 5000 Liter fassenden Pufferspeicher gelagert wird, bis Bedarf an Wärme oder Warmwasser besteht. Damit werden rund 80 Prozent des Wärmebedarfs von Schule und Halle, der bei 558 000 kWh jährlich liegt, abgedeckt. Für Spitzenlasten steht ein Erdgaskessel zur Verfügung, der die restlichen 20 Prozent liefert. „Die Anlage ist mit einer Leistungsreserve ausgelegt, die es ermöglicht, auch die Kita mitzuversorgen. Das ist für uns toll, da wir damit eine eigene Heizungsanlage für die Kita sparen können“, erklärt Ammerbuchs Hauptamtsleiterin Gretel Rauscher.

Bereits seit 2011 betreibt Marcus Haischt auf dem Lindenhof eine Biogasanlage, die überwiegend mit Schweinemist, Apfeltrester, Silage, Mais und Gras gespeist wird. 2014 hat er ein zweites BHKW errichtet, das es ihm ermöglicht, relativ flexibel Energie zu produzieren und damit dem schwankenden Bedarf auf dem Strommarkt gerecht zu werden. Diesem Bedarf hat er die BHKW-Laufzeiten weitgehend angepasst. Im Winter sind sie öfter in Betrieb als im Sommer – zum einen, weil dann der Wärmebedarf höher ist, zum anderen, weil bei Sonnenschein oder Wind auch mehr nachhaltig produzierter Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird, so dass der Bedarf sinkt. Wird dagegen wenig Solar- oder Windstrom erzeugt, kann er mit dem beständig vorhandenen, Biogas Energie ins öffentliche Netz einspeisen. „Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien lässt sich Biogas speichern und wir können dann produzieren, wenn der Strom auch benötigt wird“, erklärt Haischt.

Je kleiner der Primärenergiefaktor, desto effizienter

Durch den Einsatz von Biogas ist es möglich, fossile Brennstoffe einzusparen, was wiederum zu dem niedrigen Primärenergiefaktor von 0,21 führt. Der Primärenergiefaktor ist ein Indikator für die eingesetzte Energiemenge von der Energiequelle bis zur Verbrauchsstelle. Je kleiner der Primärenergiefaktor, desto effizienter ist die entsprechende Energieform beziehungsweise Erzeugungstechnologie. Dabei werden auch Werte mit einbezogen, die anzeigen, wie effizient die Energie bereitgestellt wird und wie klimafreundlich sie ist, wie hoch etwa die CO2-Emissionen sind. Betrachtet wird die gesamte Energiemenge, die notwendig ist, um eine nutzbare Energieform herzustellen (Primärenergiebedarf), wobei auch die Verluste durch Förderung, Transport und Umwandlung der Energie einbezogen werden.

JUTTA KRAUSE

Zum Artikel

Erstellt:
25.06.2019, 00:00 Uhr