Auf diesem Rasen kicken auch die Profis

Wo sonst saftiges Grün sprießt, herrscht zurzeit staubige Ödnis. Derzeit wird der Rasenplatz im Herrenberger Volksbankstadion saniert. Aus dem bisher extrem holperigen Geläuf soll ein hochwertiges Spielfeld werden.

Bald sollen die Herrenberger Fußballer auf einem formidablen Rasen kicken dürfen GB-Foto: Vecsey

Bald sollen die Herrenberger Fußballer auf einem formidablen Rasen kicken dürfen GB-Foto: Vecsey

Wenn der Filz herrscht, ist es niemals gut. Das gilt für die Wirtschaft, das gilt für die Politik. Das gilt aber auch für einen Rasenplatz beim Fußball. Wenn dieser verfilzt ist, gelangen Nährstoffe und Wasser nicht mehr in ausreichender Form an die Graswurzeln. Das ist eins der Probleme, unter dem die Spielfläche im Herrenberger Fußballstadion gelitten hat. Ein Grund dafür war der Einsatz eines Mähroboters. Diese Geräte sind in heimischen Gärten zunehmend vertreten, selbstständig kürzen sie das Gras. In Herrenberg war eine besonders große Maschine im Einsatz. Sie mähte eifrig, das Mähgut blieb aber auf dem Rasen liegen und wurde nicht entfernt, dadurch verdichtete sich der Rasen zunehmend. „Eine Durchlüftung hat auch keine Abhilfe mehr geschafft“, erklärt Jürgen Baumer vom Amt für Technik, Umwelt und Grün der Stadt Herrenberg, er ist seitens der Verwaltung für die Sanierung des Platzes der Ansprechpartner. „Der Platz hatte mehr Unkraut und weniger Rasen.“

Eine Sanierung des Spielfelds war unumgänglich, beauftragt wurde damit die Firma Garten Moser aus Reutlingen, der Sportstättenbau ist einer ihrer Tätigkeitsfelder. Im Vorfeld der Maßnahmen wurden Proben des Spielfelds genommen, um dessen Beschaffenheit festzustellen. Dabei zeigte sich, dass der Boden noch zu nutzen ist, dass dieser nicht komplett abgetragen werden muss. Somit wird der Sportplatz im sogenannten „Koro-Renovations-Verfahren“ saniert. Dabei wird die oberste Tragschicht des Rasens abgefräst. „Wir haben fünf Zentimeter des Rasens abgeschnitten“, erklärt Marc Eiberger, Bauleiter der Firma Moser. In einem zweiten Schritt wurde der Boden lasergesteuert planiert, zudem wurden 110 Tonnen Sand eingearbeitet. „Das dient dazu, um den Platz abzumagern“, sagt Eiberger, damit soll den Organismen, die noch im Boden liegen, entgegengewirkt werden. Mit einem Schleppbalken oder einem Schlepprahmen wird dann das Feinplanum hergestellt. In diese Schicht wird das Gras eingesät. Die abgenommene Schicht wird zwischengelagert, sie kann nach einer gewissen Zeit wieder genutzt werden für Arbeiten im Außenbereich.

Die zu sanierende Fläche beläuft sich laut Eiberger auf gut 7000 Quadratmeter. Pro Quadratmeter werden etwa 40 Gramm Saatgut verwendet. Dabei kommt eine besondere Mischung zum Einsatz. Sie besteht aus Gräsern, die besonders strapazierfähig sind, zudem sind sie mit einem Keimbeschleuniger behandelt, dadurch wachsen sie schneller. Diese Saat werde vom FC Bayern München genutzt, aber auch von der TSG Hoffenheim und anderen Proficlubs. „Das vorbehandelte Saatgut ist schneller strapazierfähig“, sagt Eiberger.

Die Verlegung eines Rollrasens war aus Kostengründen kein Thema. Zwar könnte das Spielfeld schneller benutzt werden, pro Quadratmeter würden aber etwa zehn Euro zu bezahlen sein. Die Kosten bei der nun gewählten Sanierung betragen 65000 Euro, vom Amt für Technik, Umwelt und Grün werden Leistungen im Wert von
20 000 Euro erbracht.

Wasser marsch ist das Stichwort nach der Einsaat. Regelmäßiges Gießen ist unabdingbar für den Aufwuchs, dreimal täglich bei trockener Witterung ist eine Faustregel. In einer ersten Düngung werden Stickstoff und Kalium zugegeben, der Stickstoff sorgt für das Wachstum, Kalium für die Widerstandsfähigkeit der Pflanze. Nach drei bis vier Wochen wird der Rasen erstmals gemäht. „Wir nutzen zunächst einen leichten Mäher, danach wird der Rasen zweimal in der Woche gemäht, damit er sich schließt“, erklärt Eiberger. Die Wässerung des Felds wird von täglichem Gießen zurückgeführt auf etwa zwei großzügige Gaben in der Woche, damit die Wurzeln gezwungen sind, nach unten in den Boden zu wachsen.

Eiberger rechnet damit, dass der Platz ab Mitte Oktober, spätestens im November wieder genutzt werden kann, wobei er empfiehlt, anfangs Jugendmannschaften darauf trainieren und spielen zu lassen. Für die Fußballer des VfL Herrenberg ist die Sanierung des Rasenspielfeldes ein Segen, sie bedeutet aber auch Planungsaufwand.

Dem VfL steht bis in den Herbst ein Feld weniger zur Verfügung, dementsprechend müssen Trainingszeiten geändert und angepasst werden. Zudem wirkt ich diese Maßnahme auf die Pflichtspiele aus. „Ich hoffe, dass wir nicht zeitgleich mit dem Türk. SV Herrenberg in der Bezirksliga ein Heimspiel haben“, sagt Harald Kennke, stellvertretender Sprecher der Abteilungsleitung der Herrenberger Fußballer. Die Mannschaften seien zudem angewiesen, wenn möglich die Testspiele auswärts zu bestreiten. „Wir freuen uns auf den neuen Platz. Ich bin seit 40 Jahren in verschiedenen Funktionen im Verein, es ist das erste Mal, dass der Rasen erneuert wird“, sagt Kennke, „es war bitter nötig, dass etwas gemacht wird.“ Das Stadion werde durch den Rasen und durch den Bau des Sportvereinszentrums enorm aufgewertet.

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Erstellt:
16. Juli 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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