Bald läuft der Schweiß in Strömen

„Gäubote-Weihnachtsaktion“: Beim Wohltätigkeitsmarathon im „Gym-24“ radeln Firmen und Vereine für den guten Zweck. Das Fitnessstudio überreicht letztlich einen Spendenscheck über 4291 Euro.

Für den guten Zweck wurde im „Gym-24“ auch in diesem Jahr wieder in die Pedale getreten. GB-Foto: Schmidt

Für den guten Zweck wurde im „Gym-24“ auch in diesem Jahr wieder in die Pedale getreten. GB-Foto: Schmidt

„Hände an den Lenker und das Quatschen einstellen“, raten die beiden Kurstrainer Steffen Kübler und Isabel Marquardt. Dann geht es auch schon los: Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung treten die Vereinsmitglieder und Mitarbeiter örtlicher Firmen kräftig in die Pedale. Buntes Licht, treibende Musik und die anspornenden Worte der Kurstrainer motivieren zum Durchhalten. Schon bald läuft der Schweiß in Strömen und nach zwei Stunden intensiver Beinarbeit können die Teilnehmer am diesjährigen Wohltätigkeitsmarathon stolz auf sich sein: Insgesamt 1782 Kilometer haben sie gemeinsam erradelt. 34 Räder, erzählt Organisator Adrian Beggers, seien in diesem Jahr von Firmen und Vereinen angemietet worden – zum Preis von je 99 Euro. So kam man bereits auf einen Fixbetrag von 3 400 Euro, die der diesjährigen „Gäubote“-Weihnachtsaktion zugutekommen. Doch damit noch nicht genug: Pro geradeltem Kilometer legte das Fitness-Studio „Gym- 24“ noch 50 Cent drauf, so dass sich ein Gesamtbetrag von 4 291 Euro ergab.

„Wir sind total dankbar und geflasht, wie groß die Spende ist“, freute sich Dr. Ulrike Altherr vom Arbeitskreis „Miteinander – Füreinander“ bei der Scheckübergabe. Für die Pastoralreferentin der katholischen Kirchengemeinde Herrenberg, die Pfarrer Ulrich Behrendts vertrat, war der Besuch im Fitnessstudio eine ganz neue Erfahrung: „Ich war bisher eher bei der Kreissparkasse oder beim Mauerwerk.“ Vom sozialen Engagement des Studios, der Firmen und Vereine ist Altherr ganz begeistert: „Hier ist ein Zusammenhalt spürbar. Man sagt nicht nur: Wir sind jung und fit und uns gehört die Welt. Dass es so unterschiedliche, bunte Aktionen gibt, ist total klasse.“

Dieses Jahr werde man die Spenden verwenden, um Einzelfallhilfe zu leisten – und zwar mit dem Schwerpunkt Wohnungsnot: „Das kann zum Beispiel Hilfe bei der Nebenkosten-Nachzahlung sein – oder der Klassiker: eine Familie mit Kindern, bei der die Waschmaschine oder der Herd kaputt geht. Manchmal zahlen wir auch einen Teil der Miete.“ Die komplette Miete, betonte die Pastoralreferentin, übernehme man in der Regel aber nicht, da man Wert darauf lege, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Zudem unterstütze man nur dort, wo keine staatlichen Hilfen greifen. „Die Fälle sind so bunt wie das Leben“, erzählte Altherr. Manche Menschen kämen aufgrund einer Krankheit in prekäre Situationen, andere verlören ihre Arbeit – „und wenn man gar kein Geld auf der Seite hat, ist die Not groß“.

Diese Not zu verringern, ist auch ein Anliegen von Georg Hofer, Senior der Firma Hofer Elektrotechnik GmbH. „Wir spenden immer wieder, zum Beispiel für krebskranke Kinder“, sagte er. Beim Wohltätigkeitsmarathon gefällt ihm der Gedanke, sich im sozialen Bereich zu engagieren: „Und es ist auch eine Möglichkeit, innerhalb der Firma gemeinsam etwas zu tun, die Mitarbeiter mit einzubeziehen.“ Vier Räder hatte Hofer daher gemietet und war mit acht Personen angetreten. „Leute im Handwerk“, weiß er, „sind ja oft sportlich. Wir haben ein paar Profis, die jung und kräftig sind. Einer macht Langlauf, einer spielt American Football.“ Er selbst habe für das Event extra trainiert, generell zähle ja aber auch der olympische Gedanke. Im Hinblick auf die gefahrenen Kilometer, sagte Hofer, habe sich sein Team kein Ziel gesetzt: „Mal gucken, wie es später aussieht. Es macht auf jeden Fall allen Spaß.“ Viele Vereine, sagte Adrian Beggers, seien diesmal wieder dabei, wie etwa der TV Gültstein, der fünf Räder gemietet habe. Was die teilnehmenden Firmen angehe, so fänden sich darunter viele „Gym- 24“-Partner im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Daher kannte Beggers am Freitag bereits so manches Gesicht. Ein Teil der Firmen, erklärte er, beteiligte sich bereits mehrmals am Wohltätigkeitsmarathon, andere seien noch Neulinge, wie etwa die Firma Hofer. Das Event erfreue sich jedenfalls eines gleichbleibenden Zuspruchs: Die Zahl der gemieteten Bikes entspreche in etwa jener im vergangenen Jahr. Und auch „Gym-24“ liegt daran, „die Tradition aufrechtzuerhalten“, wie Beggers unterstrich: „Wir wollen etwas zurückgeben für die Region. Da bietet sich die Weihnachtszeit an.“ Diese Haltung zog sich offenbar durchs ganze Team, denn das Studio versilberte nicht nur die gefahrenen Kilometer – auch die beiden Kurstrainer arbeiteten am Freitag unentgeltlich.

Wenn man gar kein Geld auf der Seite hat, ist die Not groß Dr. Ulrike Altherr