Daniel Heckel: „Der Sport muss weitergehen“

Für Handballvereine wie die SG Nebringen/Reusten stellt die Austragung eines Heimspieltags angesichts der Corona-Verordnungen eine Mammutaufgabe dar. Finanziell lohnt sich das nicht, aber der Gäuverein will den Sportbetrieb auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten.

SG-Leiter Daniel Heckel und sein Team betreiben einen großen Aufwand GB-Foto: Cakir

SG-Leiter Daniel Heckel und sein Team betreiben einen großen Aufwand GB-Foto: Cakir

Daniel Heckel schlüpft schon mal in die gelbe Ordnerweste. In wenigen Minuten beginnt der zweite Heimspieltag für die zweite Mannschaft der SG Nebringen/
Reusten. Die Spieler machen sich bereits in der Hermann-Wolf-Halle warm, als die ersten Zuschauer am Eingang erscheinen, ihre Daten auf einem kleinen Zettel niederschreiben und sich dann in den Tribünenbereich begeben. Dort fällt als Erstes das weiß-rote Absperrband auf, das sich entlang der Ränge und des Spielfeldes zieht. „In den Pausen springen für gewöhnlich die Kinder aufs Feld, um zu spielen“, sagt Heckel. Das Band verdeutlicht, dass das heute nicht erlaubt ist. In der Corona-Pandemie herrscht in der Nebringer Halle aus hygienischen Gründen eine strikte Trennung zwischen den Bereichen für Zuschauer und Sportler.

Das ist nicht die einzige Vorkehrung, die Handballvereine an jedem Heimspieltag treffen müssen. Die Auflagen für den Hallensport sind strikt. So strikt, dass kleinere Vereine nicht nur im Handball vor großen Herausforderungen stehen, wenn sie den Spielbetrieb in Zeiten der Pandemie am Laufen halten wollen. Wochen vor dem Saisonbeginn haben der SG-Leiter Daniel Heckel sowie Florian und Benjamin Weimer vom Corona-Ausschuss viel Energie in die Erstellung eines Hygienekonzepts gesteckt: Getrennte Zuschauer- und Sportlereingänge, elektronische Spielerregistrierung, eingeschränkte Gastronomie, begrenzte Zuschauerzahl und lange Pausen zwischen den Spielen, von denen wie sonst auch gleich mehrere an einem Tag in der Herman-Wolf-Halle stattfinden.

In der Praxis hat dieses Konzept beträchtliche Auswirkungen. Es fängt damit an, dass wortwörtlich von einem Spiel-Tag die Rede ist. Am vergangenen Samstag begann der Betrieb für die SG-Verantwortlichen um 9Uhr mit einem Jugendspiel und endete erst nach der Partie der ersten Mannschaft gegen die HSG Schönbuch II, die um 20 Uhr angepfiffen wurde. Grund für diese zeitliche Streckung ist die einstündige Pause zwischen den Partien. Die verschiedenen Mannschaften sollen sich in der Halle nicht begegnen, die Zuschauer müssen nach jedem Abpfiff die Spielstätte verlassen. In dieser Zeit werden Auswechselbänke, Kabinen, Duschen, Tore, Türgriffe und alles andere, mit dem Spieler und Zuschauer in Kontakt gekommen sind, gründlich gereinigt. Erst dann dürfen die nächsten Teams und die Zuschauer in die Halle.

Gerade dieser Umstand ist für die SG Nebringen/Reusten aus finanzieller Sicht folgenschwer. Denn wenn die Zuschauer etwas kaufen, dann hauptsächlich in den Pausen zwischen den Spielen, sagt Heckel. Die Einnahmen im gastronomischen Bereich fallen deshalb weitaus geringer aus als sonst. „Wir bieten auch nur Getränke an und kein Essen, weil sich der Aufwand nicht lohnt“, so Heckel. Dasselbe gilt für den Eintritt: Weil die Zuschauerzahl pro Spiel in der Nebringer Halle auf 63 begrenzt ist, kommt auch hier weniger in die Kasse. Grundsätzlich dürfen es derzeit 100 Gäste pro Veranstaltung sein. Schon mit dieser Zahl ließen sich die Corona-Regeln in der kleinen Halle aber nicht einhalten. Also ist die Kapazität noch geringer. Heckel rechnet sogar mit noch weniger Gästen, auch weil sie nicht wie üblich für mehrere Spiele bleiben, sondern in den langen Pausen gehen. Wer will schon in der Kälte draußen vor der Hallentür warten? Der SG-Leiter rechnet so in der Summe pro Spieltag mit Einbußen in Höhe von 80 Prozent im Vergleich zu einem gewöhnlichen Heimspielwochenende. Zusammen mit den Hallen- und Schiedsrichterkosten, die gleich bleiben, „kommen wir definitiv ins Minus“, sagt er. Trotzdem unterstreicht der Leiter der Spielgemeinschaft: „Der Sport muss weitergehen. Wir wollen den Betrieb vor allem für unsere Sportler so lange aufrechterhalten, wie es möglich ist.“

Das hängt ganz entscheidend vom weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens ab. Der Handballverband Württemberg hat es angesichts der steigenden Corona-Zahlen den Vereinen überlassen, zu entscheiden, ob sie spielen wollen oder nicht. Spiele mit Teams aus einer Region, deren Inzidenzwert höher ist als 50, müssen nicht ausgetragen werden, wenn Bedenken bestehen. In mehreren Ligen von der Jugend bis zu den Aktiven sind infolgedessen am vergangenen Wochenende zahlreiche Spiele abgesagt worden. Allein im Bereich Achalm-Nagold waren von 86 Spielen insgesamt 30 betroffen. Bei der SG Nebringen/Reusten wurden die Spiele der männlichen A- und D-Jugend sowie der weiblichen D-Jugend abgesagt. In allen drei Fällen ging es vom Gegner aus.

Eine grundlegende Entscheidung für alle SG-Teams wolle man nicht treffen, so Heckel. „Wir lassen es jedem Trainer und Spieler offen, nicht zu spielen, wenn sie nicht wollen. Bisher war das aber nicht der Fall“, sagt er. Wohin der Weg letztlich angesichts all der Absagen führt, vermag der SG-Leiter nicht abzuschätzen: „Wir sind jede Woche gespannt, ob es nächste Woche weitergeht. Es ist alles sehr ungewiss.“ Fest steht für Daniel Heckel nur, dass das aufwendige Hygienekonzept für die Hermann-Wolf-Halle nicht umsonst gewesen sein soll. „Wir haben nicht vor, einen kompletten Spieltag abzusagen“, erklärt er.

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Erstellt:
28. Oktober 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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