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Das Training im Wohnzimmer stößt an Grenzen

Die Corona-Krise zwingt viele Sportler seit Mitte März zu einer ungewollten Zwangspause. Auch die Tänzerinnen und Tänzer des TSC im VfL Herrenberg haben es zurzeit schwer, den spezifischen Anforderungen ihrer Sport- und Kunstform gerecht zu werden und angemessen trainieren zu können.

An Mannschaftstraining oder Wettkämpfe ist zurzeit nicht zu denken GB-Foto (Archiv): Schittenhelm

An Mannschaftstraining oder Wettkämpfe ist zurzeit nicht zu denken GB-Foto (Archiv): Schittenhelm

„Am Anfang haben wir erst einmal gar nichts gemacht“, blickt Eva Heller auf jene Zeit Mitte März zurück, als der Shutdown plötzlich Realität wurde. Der 19. April erschien der Trainerin der Herrenberger TSC-Formation „Young Explosion“ als Lichtblick am Ende der plötzlichen Zwangspause. Als jedoch klar wurde, dass der Trainingsbetrieb nach vier Wochen nicht wieder aufgenommen werden kann, begannen die Tänzer, ihre Fitness im Rahmen diverser Home-Work-outs so gut wie möglich zu erhalten.

Mehr als eine Notlösung kann das aber nicht sein. „Ich glaube, dass wir davon ausgehen müssen, dass die Leistung nicht mehr komplett gleich ist wie vorher“, so die Einschätzung Eva Hellers. Bei vielen lassen die heimischen Verhältnisse aufgrund des beengten Platzes und ungeeigneten Bodens das Ausüben tänzerischer Figuren und Übungen kaum oder gar nicht zu. Eva Heller erfährt das am eigenen Leib. Neben ihrer Tätigkeit als Trainerin in Herrenberg tanzt sie in Ludwigsburg in der Ersten Bundesliga. „Ich kann zu Hause nicht einmal ein Work-out machen. Ein reguläres Training würde ich nicht mehr so locker wegstecken.“

Ein Trost ist es, dass es allen Tänzern so geht. Die Ligen ruhen, die deutschen Titelkämpfe und die Europa-Meisterschaft wurden abgesagt. Derzeit wird über das weitere Vorgehen hinsichtlich der angebrochenen Saison beraten. Ein wichtiger Punkt sind dabei die Qualifikationsturniere für die internationalen Meisterschaften, die traditionell im Sommer stattfinden. „Das Qualifikationsturnier für die WM soll nachgeholt werden“, berichtet Eva Heller. Von der Regionalliga abwärts werde es vermutlich jedoch nicht zu Nachholveranstaltungen kommen. Das ist durchaus bitter für die Formationen des TSC. Beim Heimturnier Anfang März legten die Teams einen fulminanten Saisonstart hin. „Dieses Jahr hatten alle fünf Mannschaften wirklich gute Ergebnisse“, bedauert Eva Heller. Nun hofft sie darauf, zumindest den Trainingsbetrieb im Sommer langsam wieder aufnehmen zu können. Möglich wäre etwa, die sonst freien Sommerferien zu nutzen. „Wir müssen aber die Bestimmungen abwarten.“

Vor gut drei Wochen hat Eva Heller die erste Online-Klasse über ein Video-Konferenz-Portal angeboten. Außen vorgelassen wurde lediglich die Kinderliga, das Level des Online-Trainings würde an die jungen Tänzer zu hohe Anforderungen stellen. Um Verletzungen und fehlerhaftes Einüben zu vermeiden, bedarf es insbesondere beim Nachwuchs der direkten Korrektur, diese ist am Bildschirm jedoch nicht in dem Ausmaß möglich wie im Training vor Ort. Dennoch wurden auch die Jüngsten mit Videomaterial versorgt, das die Trainerinnen Marijana Ajster, Gina Schmollinger und Chiara Stegitz ausgearbeitet haben. Kurze Übungssequenzen, die etwa die Fußarbeit und einfache Sprünge beinhalten, wurden in den letzten Wochen zum Training im Wohnzimmer versandt.

Die derzeitigen Beschränkungen stellen nicht nur an die Tänzer spezielle Anforderungen, auch die Trainer müssen sich an die gegebenen Umstände anpassen und völlig neue Wege gehen. Während der Fokus normalerweise auf den raumgreifenden Choreografien liegt, treten an ihre Stelle eine „einfache, kleine Kombi“ sowie längere Technikeinheiten. Letztere setzen aktuell vor allem an der Basis an. „Daran kann man immer arbeiten“, sagt Eva Heller. Von der Verbandsliga aufwärts üben die TSC-Tänzer derzeit daher vermehrt Balance oder einfache Pliés, Drehungen werden auf ein Achtel reduziert, langsame Tendus vorgezogen, Jetés außen vor gelassen. Der Erhalt der tänzerisch relevanten Muskulatur, Balance und Dehnbarkeit steht an oberster Stelle. Die Möglichkeit, zumindest virtuell in Kontakt zu treten, wird von den Mitgliedern der einzelnen Mannschaften begeistert angenommen.

Die ansonsten geltenden Anwesenheitsregelungen innerhalb des Trainings wurden für die Zeit des laufenden Notbetriebs gekippt. „Man darf nicht vergessen, dass das eine Ausnahmesituation ist. Wenn jemand keine Lust hat, muss man nicht mitmachen.“

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Erstellt:
20. Mai 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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