Das Ziel heißt wieder Champions League

Fußball: Die Deckenpfronnerin Fabienne Dongus hat beim Frauen-Erstligisten TSG Hoffenheimeine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Ihr Vertrag ist jetzt bis 2025 verlängert worden.

Edip Zvizdiç

Riesenjubel im letzten Jahr: Fabienne Dongus hat sich mit der TSG für die Champions League qualifiziert.GB-Foto (Archiv): Eibner

Riesenjubel im letzten Jahr: Fabienne Dongus hat sich mit der TSG für die Champions League qualifiziert.GB-Foto (Archiv): Eibner

Kapitänin, Rekordspielerin, Galionsfigur, Champions-League-Teilnehmerin und mittlerweile sogar Nationalspielerin: Als Fabienne Dongus im Sommer 2013 gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Tamar vom VfL Sindelfingen zur TSG Hoffenheim wechselte, ahnte sie nicht, dass sie bald eine Dekade lang an der Erfolgsgeschichte der Frauen-Bundesliga-Mannschaft aus dem Kraichgau wird mitschreiben dürfen. Und ein Ende der Zusammenarbeit ist auch noch lange nicht in Sicht, denn die Deckenpfronnerin hat dieser Tage erst ihren Vertrag bis 2025 verlängert. „Ich bin immer noch stolze Hoffenheimerin“, sagt Fabienne Dongus voller Überzeugung.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Fabienne eine erfahrene Führungsspielerin langfristig an uns binden konnten“, wird Ralf Zwanziger, Abteilungsleiter Frauenfußball bei der TSG Hoffenheim, zitiert. Ihre „fußballerischen Fähigkeiten“ und ihre „Einstellung“ würden der Mannschaft bereits seit Jahren „extrem guttun“. Somit dürften für Hoffenheims Rekordspielerin in der Bundesliga noch weitere Einsätze zu den momentan 154 Spielen dazukommen. In der aktuellen Saison stand die Mittelfeldspielerin, die seit 2020 auch Spielführerin ist, 14-mal auf dem Platz. Dabei gelang der Nationalspielerin ein Treffer.

Aus der Hoffenheimer Mannschaft ist die seit vergangenem Mittwoch 28-Jährige nicht wegzudenken. Auf ihrer bevorzugten Position im defensiven Mittelfeld erstickt Fabienne Dongus gegnerische Angriffe bereits im Keim. Ihren Job erledigt die beim VfL Sindelfingen in der Jugend groß gewordene Deckenpfronnerin so gut, dass sie vor etwas über einem Jahr sogar ihr Länderspieldebüt feierte. Beim 5:2-Sieg gegen Australien wirkte Dongus in der Schlussphase mit. Danach folgten weitere Einsätze in den Länderspielen gegen Chile, Kanada und England. Dass sie nun auch im erweiterten Kader für die anstehende Europameisterschaft in England vom 6. bis 31. Juli steht, ist kein Zufall. Obgleich Dongus ihre Chancen auf einen Platz im endgültigen 23-Kader eher als gering einstuft. „Auf meiner Position gibt es unglaublich viele sehr gute Spielerinnen“, weiß sie um die qualitativ hochwertige Konkurrenz in der Nationalmannschaft. Utopisch sei eine EM-Teilnahme dennoch nicht. „Ich konnte in den Lehrgängen immer überzeugen, die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg weiß, dass sie sich auf mich verlassen kann“, sagt Fabienne Dongus selbstbewusst. Anfang Juni wird sie beim ersten Lehrgang in Frankfurt auf jeden Fall dabei sein. „Danach wird sukzessive verkleinert.“

Vorher will Fabienne Dongus noch versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Am morgigen Sonntag steht der letzte Bundesliga-Spieltag auf dem Programm. Hoffenheim muss im Fernduell mit Turbine Potsdam und Eintracht Frankfurt drei Punkte gut machen. „Es geht um Rang drei, der gleichbedeutend ist mit der Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation.“

Letztes Jahr klappte dieses Vorhaben. Die TSG beendete die Bundesliga-Runde auf dem dritten Tabellenplatz und setzte sich danach in der Qualifikation für die europäische Eliteklasse gegen Valur Reykjavik (Island), AC Mailand (Italien) sowie FC Rosengard (Schweden) durch. Lohn der Mühen: In der Gruppenphase traf die TSG auf so illustre Gegner wie Arsenal London und FC Barcelona. Vor allem die Duelle gegen den katalanischen Spitzenclub wird Fabienne Dongus nicht so schnell vergessen, stand sie doch in beiden Spielen Alexia Putellas, der derzeit besten Fußballerin des Planeten, gegenüber. Zwar gingen beide Duelle aus Hoffenheimer Sicht deutlich verloren (0:5/0:4), haben aber Lust auf mehr gemacht. Zumal Dongus und ihre Mitspielerinnen nur aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs mit Arsenal London – 4:1 und 0:4 – den Sprung ins Viertelfinale verpassten. „Ich will da wieder hin“, gibt sich die 28-Jährige kämpferisch.

Das Ziel Champions League ist auch deshalb so reizvoll für Dongus, könnte sie so nämlich zum ersten Mal überhaupt auf ihre zwei Minuten ältere Zwillingsschwester treffen. Tamar Dongus spielt seit der Saison 2018/19 in der Serie A, dem italienischen Pendant zur Bundesliga. Zunächst beim mittlerweile aufgelösten CF Florentia, seit dieser Saison beim derzeitigen Tabellenvierten US Sassuolo. Am vergangenen Wochenende weilte Fabienne Dongus bei ihrer Schwester und drückte im Auswärtsspiel bei Juventus Turin vor Ort die Daumen. Am Ende vergeblich, denn Sassuolo verlor die Partie mit 1:3 und durfte den Turinerinnen gleich noch zum errungenen Titelgewinn gratulieren. „Das war trotz der Niederlage ein tolles Zwillingsschwestern-Wochenende“, war Fabienne Dongus vom Kurztrip in Italien begeistert.

Dass das Deckenpfronner Schwesterngespann alsbald wieder Seite an Seite Fußball spielen wird, daran glaubt Fabienne Dongus eher nicht. „Tamar fühlt sich pudelwohl in Italien, sie hat Gefallen gefunden am Dolce Vita. Und mir geht es in Hoffenheim nicht anders. Hier habe ich alles, was ich brauche.“ Die Wege der als unzertrennlich geltenden Zwillinge haben unterschiedliche Abzweigungen genommen. „Das ist nicht weiter schlimm“, sagt die jüngere der beiden Schwestern. „Tamar verfolgt ihre Pläne, ich meine. Wir sind trotzdem tagtäglich in Kontakt und schauen genau hin, was sich sportlich bei der jeweils anderen tut.“

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Erstellt:
14. Mai 2022, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

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