Das gelbe Blinklicht übersehen
Herrenberg: Eine Fußgängerin wird am Freitag in der Horber Straße von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Die Ampel zeigte für beide Grün. Der Stadt ist die unübersichtliche Verkehrssituation bekannt.
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Von der Poststraße aus wollte die 92-Jährige die Horber Straße in Richtung Schillerstraße überqueren, als sie von einem Auto angefahren wurde. GB-Foto: SDMG/Dettenmeyer
Bei einem Unfall in der Horber Straße wurde eine Fußgängerin am gestrigen Freitagmorgen schwer verletzt. Die unübersichtliche Verkehrssituation an der Unfallstelle in Kombination mit wetterbedingt erschwerten Sichtverhältnissen für Autofahrer scheinen die Hauptursache für den Vorfall gewesen zu sein.
Erst im Juni hat der „Gäubote“ über bestimmte Knotenpunkte im Herrenberger Straßenverkehr berichtet. Insbesondere war die Kreuzung Thema, an der sich Horber Straße und Walther-Knoll-Straße treffen. Leser hatten beobachtet, dass Autofahrer es oft übersehen, wenn die Fußgänger an ihrer Ampel zeitgleich Grün haben. Das gilt nicht nur für den Überweg beim griechischen Restaurant, sondern auch für die Querung über die Horber Straße ein paar Meter weiter, zwischen Post- und Schillerstraße.
Teilweise sei es üblich, dass parallel fahrender Verkehr gleichzeitig mit Fußgängern Grün erhalte, erklärte damals die Stadtverwaltung. Nicht nur in der Horber Straße. Doch Unfälle geschehen in diesen Bereichen nicht außergewöhnlich oft. Auch seitens Polizei haben die Stadt keine Hinweise zu dadurch erhöhten Unfallrisiken erreicht. Entsprechende Leserhinweise deuteten jedoch darauf hin, dass die Herrenberger diese und auch manch andere Kreuzung in der Stadt zumindest als gefährlich empfinden und auch schon einige Male Unfällen knapp entgangen sind.
Nun, zwei Monate später, bleibt es nicht mehr bei einem Fast-Unfall. Es war ein düsterer, verregneter Morgen, am gestrigen Freitag, der die Autofahrer zusätzlich gefordert und damit sein Übriges getan haben dürfte. Mit schweren Verletzungen kam eine Fußgängerin ins Krankenhaus, nachdem sie gegen 9.30 Uhr in der Horber Straße von einem Auto angefahren wurde. Die 92-Jährige wollte von der Poststraße kommend die Horber Straße in Richtung Schillerstraße überqueren. Nachdem die Ampel Grün zeigte, lief sie auf die Fahrbahn. Zeitgleich fuhr ein 89-jähriger Autofahrer auf der Walther-Knoll-Straße in Richtung Horber Straße an die rote Ampel. Nachdem sie für ihn ebenfalls auf Grün gewechselt hatte, fuhr er los und kollidierte beim Einbiegen in Richtung Reinhold-Schick-Platz auf der Horber Straße mit der Fußgängerin. Diese, sowie ein gelbes Blinklicht an der Ampel, das auf den Fußgängerverkehr hinwies, hatte er mutmaßlich aufgrund des Starkregens übersehen. Das teilt die Polizei mit. Durch die Kollision stürzte die Seniorin und erlitt schwere Verletzungen. An dem Auto entstand ein Sachschaden von rund 500 Euro.
Leser empfinden die Stelle nach wie vor als gefährlich
Ob dieser Vorfall nun verkehrsplanerische Auswirkungen an dieser Stelle habe? Dazu kann die Stadtverwaltung nicht viel sagen, als der Unfall am Freitagmittag noch frisch ist. Eine Änderung der Verkehrsführung oder des Ampelsystems sei wegen eines einzigen Unfalls jedoch nicht zu erwarten, sagt die Sprecherin der Stadt. Die Polizei erfasst die Unfallzahlen an bestimmten Verkehrspunkten, woraus sich statistische Daten ergeben. „Sollten sich Unfälle an Örtlichkeiten häufen, gibt es konkrete Kriterien, die bei der Analyse der Unfälle herangezogen werden“, teilt das Polizeipräsidium Ludwigsburg auf Nachfrage mit. „So ist unter anderem relevant, wie sich Unfälle ereignet haben und wie diese künftig verhindert werden können.“ Eine Unfallhäufungsstelle liege aber erst vor, wenn festgelegte Grenzwerte überschritten werden. „Bei Auffälligkeiten wird die Straßenverkehrsbehörde in Kenntnis gesetzt.“ Vereinzelte Unfälle reichen also nicht aus, um eine Gefahrenstelle zu definieren, die Handlung erfordert. Fußgängerunfälle sind an der Ecke Horber Straße/Walther-Knoll-Straße recht selten. Im Jahr 2025 zum Beispiel gab es dort laut Polizei drei Unfälle, Fußgänger waren an keinem einzigen beteiligt.
Dennoch sagt der öffentliche Gesamteindruck nach wie vor etwas anderes. Das belegen auch Kommentare unter der Polizeimeldung zum gestrigen Unfall auf der „Gäubote“-Facebook-Seite. Eine Nutzerin schreibt von „einem fast heftigen Unfall meiner damals sechsjährigen Tochter“. Die Grünschaltung für Fußgänger finde sie an dieser Stelle zu kurz. Deswegen habe sie die Stadtverwaltung angeschrieben. Deren Antwort hat sie angehängt. Sie besagt, dass die fußgängerfreundlichsten Räumzeiten für die Ampeln zugrunde gelegt seien. Eine andere Nutzerin kommentiert: „Diese Stelle gehört endlich entschärft. Ständig brenzlige Situationen dort.“