„Das war eine einzige Frechheit“

Der SV Oberjesingen eilt mit Siebenmeilenstiefeln der Herbstmeisterschaft in der Kreisliga A 2 entgegen. Auch im Derby gegen den TSV Kuppingen hielt sich das Team von Daniel Wahnsiedler, Julian Weidinger und Andreas Gusenbauer mit 4:0 schadlos und untermauerte seine Spitzenposition. Kuppingens Spielertrainer Ralf Richter ärgerte weniger die Niederlage an sich, als mehr die Art und Weise, wie diese zustande kam.

Brenzlige Situation: TSV-Kapitän Luis Höpfer (links) klärt vor dem Oberjesinger Stürmer Patric Hauser GB-Foto: Holom

Brenzlige Situation: TSV-Kapitän Luis Höpfer (links) klärt vor dem Oberjesinger Stürmer Patric Hauser GB-Foto: Holom

„Das war eine einzige Frechheit“, versuchte Ralf Richter seine Haltung zum Geschehen erst gar nicht zu verbergen. „Wir haben heute gegen einen SV Oberjesingen plus den Schiedsrichter gespielt. So hatten wir dann auch keine reelle Chance, dieses Duell zu gewinnen.“ Was den Spielertrainer des TSV Kuppingen vor allem auf die Palme brachte, war eine Szene in der 42. Minute. Der herauseilende SVO-Schlussmann Andreas Gusenbauer sprang unter einem langen Ball von Luis Höpfer durch und riss daraufhin Kevin Humm zu Boden. Schiedsrichter Ismail Gündüz ließ die Szene einfach weiterlaufen. „Eine klarere Rote Karte gibt es gar nicht“, war Ralf Richter, der aufgrund von einem Knochenödem selbst nicht mitwirken konnte, kaum mehr zu beruhigen. „Das wird ein Nachspiel haben, denn die Partie wurde gefilmt und die Aufnahmen bekommt der WFV zugeschickt.“

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Kuppinger nach einem frühen Treffer von Dennis Özkan in der fünften Minute bereits mit 0:1 in Rückstand, konnten das Derby aber in der Folge relativ ausgeglichen gestalten. So hatten Leon Eisenbeis in der 13. Minute und Simon Wieder in der 19. Minute den Ausgleich auf dem Fuß. Kevin Humm traf in der 22. Minute gar den Pfosten, Nico Neuffer zehn Minuten später bei einem Freistoß nur die Latte. Der TSV Kuppingen war gut im Spiel – bis eben zu dieser auch im Nachhinein verhängnisvollen 42. Minute. Während Kevin Humm das Spielfeld verlassen musste und schließlich mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus abtransportiert wurde, kassierten die Gäste den zweiten Gegentreffer. Einen Freistoß von Dennis Özkan nickte Fabian Baumeister am langen Pfosten stehend zum 2:0 (45.) ein.

Die Kuppinger gaben sich aber noch nicht geschlagen, kamen mit Wut im Bauch aus der Kabine – und fingen sich in der 51. Minute das 0:3 ein. Der starke Patric Hauser zirkelte aus dem Halbfeld genau auf den Kopf von Marcel Bauer, der aus elf Metern zur Vorentscheidung einnickte. „Damit war das Spiel schon durch“, freute sich Daniel Wahnsiedler. Auch der TSV schien nicht mehr an eine Wende zu glauben, so dass das an Nickeligkeiten nicht arme Derby deutlich an Intensität verlor. David Schosda (53.) und Patric Hauser (62.) verpassten in der Folge das jeweils mögliche 4:0 für die Hausherren.

Die Gäste versuchten zumindest auf die Anzeigetafel zu kommen, jedoch fehlte es den Angriffen an Struktur. Ganz anders die Oberjesinger, die vor allem über den nimmermüden Faramosh Zakrea ein ums andere Mal gefährlich vor das Kuppinger Tor kamen. Aber erst Zakrea selbst gelang in der 69. Minute das 4:0, als er einen langen Ball von Andreas Gusenbauer mitnahm, TSV-Schlussmann Julia Grossmann umkurvte und ins leere Tor schob. „Dieses Tor hat sich Faramosh redlich verdient“, gab es ein Lob von Daniel Wahnsiedler. „Er war heute der beste Mann auf dem Platz. Und endlich ist bei ihm auch wieder der Knoten geplatzt, denn seit dem zweiten Spieltag hat er nicht mehr getroffen.“

Letztlich blieb es beim klaren 4:0-Derbysieg der Oberjesinger, der laut den geschlagenen Kuppingern, die in der 73. Minute noch Lukas Boy mit der Roten Karte verloren, noch ein Nachspiel haben wird. „Es kann nicht sein, dass sich der Schiedsrichter vor dem Spiel minutenlang mit seinen Oberjesinger Kumpels unterhält“, will Ralf Richter nicht klein beigeben. „Es ist normalerweise nicht meine Art, so über einen Unparteiischen zu reden, aber der heute hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Krönung war dann die Rote Karte gegen Lukas für ein Allerweltsfoul.“ Seine Mannschaft nahm der Kuppinger Spielertrainer demonstrativ in Schutz. „Ich mache den Jungs überhaupt keinen Vorwurf. Sie hatten heute von Beginn an keine faire Chance, aus diesem Spiel Zählbares mitzunehmen.“

Während der TSV durch die bereits fünfte Saisonniederlage auf den unteren Relegationsrang abrutschte, grüßt der SV Oberjesingen weiterhin unangefochten von der Tabellenspitze. „Wir werden nicht nachlassen“, versprach Daniel Wahnsiedler. „Jetzt folgen zwei interessante Spiele, in Aidlingen und dann gegen Unterjettingen. Wenn wir die auch noch gewinnen, dann wäre das eine überragende Ausgangsposition.“ Das Derby hakte der SVO-Coach indes schnell ab und wollte auch nicht groß auf den Ärger der Kuppinger eingehen. Nur so viel: „Die TSV-Verantwortlichen haben uns nach dem Spiel den Handschlag verweigert.“

SV Oberjesingen: Gusenbauer, Keller, Baumeister, Betsch (55. Völler), Hammer, Akaltun, Bauer (76. Marvin Özkan), Dennis Özkan (76. Röhm), Schosda (70. Rauscher), Zakrea, Hauser

TSV Kuppingen: Grossmann, Höpfer, Haarer, Kopp, Kohl, Schwanke, Wieder (67. Bruckner), Boy, Humm (46. Staudt), Neuffer, Eisenbeis (51. Kramer)

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Erstellt:
26. Oktober 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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