Die Kuties erobern die Tabellenführung

Die SG H2Ku Herrenberg sind erstmals seit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga vor sechs Jahren Tabellenführer. Mit dem gestrigen 25:19-Heimerfolg gegen die SG 09 Kirchhof löste das Team von Mike Leibssle die Füchse Berlin an der Tabellenspitze ab – nachdem die Berlinerinnen tags zuvor nicht über ein Remis gegen den TuS Lintfort hinauskamen.

Als neuer Spitzenreiter macht das Siegerfoto besonders viel Spaß GB-Foto: Drofitsch/Eibner

Als neuer Spitzenreiter macht das Siegerfoto besonders viel Spaß GB-Foto: Drofitsch/Eibner

Zudem verfügen die Zweitliga-Frauen aus dem Gäu mit 10:0 Punkten als einziges Team der Liga nach wie vor über eine makellose Bilanz. Vor diesem Hintergrund bescheinigte Gästetrainer Gernot Weiss den SG-Frauen bei der anschließenden Pressekonferenz eine sehr gute Leistung und erklärte: „Ich wünsche euch, dass ihr es in die erste Liga schafft.“ Und mit Blick auf die gut eingespielten und stark kämpfenden Kuties setzte er noch einen drauf: „Ihr seid ein gutes Beispiel für viele Mannschaften.“

Da musste Herrenbergs Trainer Mike Leibssle mit seinem Hinweis, „es sind noch viele Spiele“, erst mal auf die Euphoriebremse treten. Dass sein Team gestern nur 19 Gegentore kassiert hatte, bezeichnete er zwar als „guten Wert“ – machte es aber vor allem am Ausfall von Kirchhofs Torjägerin Klara Schlegel fest. Die stand zwar im Aufgebot, aber nach einem zweiwöchigen Lehrgang mit der österreichischen Auswahl kam sie in Herrenberg nicht zum Einsatz.

Zunächst taten sich die Hausherrinnen gegen die beherzt zupackende Gästeabwehr schwer, und die SG Kirchhof legte auf 3:1 vor. Die ersten drei Treffer der SG-Frauen gingen auf das Konto von Kerstin Foth – zwei davon durch Siebenmeter. Aus vollem Lauf erzielte Annika Blanke mit dem 4:4 (11.) den Ausgleich – und danach kam die Herrenberger Offensive ins Rollen. Mit ihrem zweiten verdeckten Wurf traf Lea Neubrander zum 7:6 (15.), wobei sie in der ersten Spielhälfte in der Abwehr auf die Bank wechselte. Wie Mike Leibssle anschließend erläuterte, hatte Neubrander nach dem Abschlusstraining eine Prellung an der Wurfhand – und „deshalb haben wir sie in der ersten Halbzeit erst mal geschützt“.

Nachdem Aylin Bok beim 9:7 von Annika Blanke am Kreis in Szene gesetzt wurde, und Kerstin Foth (24.) per Siebenmeter das 11:8 erzielt hatte, bestrafte Marie-Christine Beddies einen Ballverlust der Gäste mit dem 12:8. Ihren ersten Einsatz in dieser Saison hatte gestern Anika Bissel nach längerer Verletzungspause. Unter den Augen ihres prominenten Freundes und Nationaltorhüters Manuel Neuer, der ebenfalls in der Markweghalle unter den Zuschauern weilte, traf Anika Bissel nach einem Konterlauf zum 14:10-Pausenstand.

Nach dem Seitenwechsel erwischten die Herrenberger SG-Frauen den besseren Start in die zweite Spielhälfte: Während die Gäste sich einige technische Fehler leisteten, schraubte Bissel das Ergebnis erneut per Konter auf 17:11 (35.) hoch – und von der Außenbahn traf sie zum 18:13. Wie der SG-Coach dazu später anmerkte, hatte er sich über die mit „drei astreinen Toren“ erfolgreiche Rückkehr von Bissel ins Team gefreut – denn das sei im ersten Spiel nach einer längeren Verletzungspause nicht selbstverständlich.

Allerdings leisteten sich die Gastgeberinnen danach eine von mehreren „Schwankungen“ im Spiel, wie es der Trainer formulierte. So kämpfte sich die SG Kirchhof auf 16:18 (43.) heran und die Kuties zeigten in dieser Phase durchaus Nerven. Doch dann fing sich Gästetrainer Gernot Weiss wegen Meckerns eine Zeitstrafe ein – und eine Spielerin musste für ihn das Feld verlassen. Damit nicht genug, denn ein Wechselfehler der Gäste führte zu einer weiteren Zwei-Minuten-Strafe. „Das geht auf meine Kappe und es waren in dieser Phase zwei katastrophale Fehler“, räumte der Gästetrainer anschließend ein.

Wirbelwind Marie-Christine Beddies nutzte die Überzahl, tanzte die gegnerische Abwehr gleich zwei Mal aus – und es stand 21:16 (46.). In den letzten zehn Minuten zeigte Torfrau Laura Waldenmaier ihre Klasse, als sie zwei Würfe abwehrte – und einen Wurf von Jana Schaffrik sogar fing. Mit ihrem fünften Treffer erhöhte Lea Neubrander derweil auf 23:18, was in gewisser Weise bereits eine Vorentscheidung war. Als Saskia Hiller (59.) das 25:18 erzielt hatte, standen die rund 180 SG-Anhänger auf und feierten den neuen Tabellenführer der Zweiten Bundesliga mit stehenden Ovationen.

Die Unterstützung aus dem Publikum bezeichnete Mike Leibssle auch als einen „Schlüssel zum Erfolg“ – und er hoffte mit Blick auf das vorbildliche Hygienekonzept, dass die SG-Frauen weiterhin vor Publikum spielen können. Doch jetzt müsse seine Mannschaft diesen Schwung erst mal am kommenden Wochenende mit nach Zwickau nehmen.

SG H2Ku Herrenberg: Waldenmaier, Elbert (beide im Tor), Schoeneberg, Bissel (3), Blanke (1), Tuc (1), Bok(3), Foth (7/6), Toepelt-Gera, Bühler, Neubrander(5), Hiller (1), Beddies (4)

SG 09 Kirchhof: Siggaard, Zuzic (beide im Tor), Özcelik(1), Schaffrick (3), Harder, Hufschmidt (1), Evjen(1), Van der Linden, Sabljak (6/3), Beugels (1), Kamp(2), Kavaliauskaite (4), Schlegel

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Erstellt:
19. Oktober 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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