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Die Liberalen sind jetzt im Schwabenalter

Die FDP in Herrenberg und im Gäu hat das Schwabenalter erreicht – zumindest fast. Am 18. Oktober 1979 gründete sich der Ortsverband, gefeiert wurde das Jubiläum aber bereits am Dienstagabend im Gewölbekeller des Klosterhofs in der Gäustadt.

Die Liberalen sind jetzt im Schwabenalter

Zum 40-jährigen Bestehen des FDP-Ortsverbands gab es auch Ehrungen. Links Herrenbergs Finanzbürgermeister Stefan Metzing, Dritte von links die Bundestags- Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, rechts daneben ihr Böblinger Kollege Dr. Florian Toncar GB-Foto: gb

Der Böblinger Bundestagsabgeordnete Dr. Florian Toncar brachte das Thema knapp und humorvoll auf den Punkt: „Die FDP hat das Schwabenalter erreicht, das ist ein Quantensprung. Vorher wird man nicht ernst genommen.“ Ihm sei jetzt auch klar, woher seine „Seelenverwandtschaft“ mit dem Ortsverband Herrenberg komme: Sein Geburtstag und der Gründungstag seien identisch.

Um die Zukunft des Ortsverbands müsse man sich keine Sorgen machen: Die Altersdurchmischung sei gut. Und bei der letzten Kommunalwahl, „habt ihr das, was wir uns strategisch vorgenommen haben, mustergültig umgesetzt“. Überzeugt ist der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, dass anstehende Aufgaben in Deutschland gelöst werden können, „wenn wir die Regeln der Demokratie einhalten“. Seine Partei habe die Kraft, um Probleme zu lösen: „Wir setzen auf den einzelnen Menschen, auf Innovation, Leistung und Anstrengung.“

Stefang Metzing, Finanzbürgermeister, in Herrenberg, nannte den runden Geburtstag einen „freudigen Anlass zum Feiern“. Er vergaß auch nicht zur vergangenen Kommunalwahl zu gratulieren: „Nach schwierigen Jahren hatten Sie jetzt eine 100-prozentige Leistungssteigerung.“ Denn statt einem FDP-Stadtrat sitzen jetzt zwei im Gemeinderat. „Zwischen den Zielsetzungen Ihrer Partei und den Zielen der Kommune gibt es eine große Schnittmenge.“ So zum Beispiel der Wunsch nach einem unkomplizierten Staat und nach guter Bildung. Stadtrat Wilhelm Bührer wiederum lobte die „gute und kompetente Mannschaft, die wir in Berlin sitzen haben“.

In einem Nebenzimmer des Gasthauses Adler in der Herrenberger Altstadt stand vor 40 Jahren die Gründungsversammlung an. Mit dabei war Hans Dieter Scheerer, der damals in Kuppingen lebte und jetzt Vorsitzender des Böblinger Kreisverbands ist. „Wir haben versucht, aktiv Politik zu machen. Das war nicht ganz einfach. Um außenpolitisch etwas anzubieten, haben wir 1981 die erste Straßengalerie initiiert. Die gibt es heute noch, aber in den Wahlen hat sich der Erfolg nicht niedergeschlagen.“ Eine Liste zu den Gemeinderatswahlen habe es erstmals 2014 gegeben. „Heute ist der Ortsverein Herrenberg und Oberes Gäu eine Nummer im Landkreis und eine tragende Säule.“

Eine „ganz kleine Anerkennung“ in einem Umschlag überreichte er Andreas Weik, dem Vorsitzenden des Kreisverbands. Wolf-Dieter Guercke aus Gültstein ließ sich in der Gründungsversammlung zum Vorsitzenden wählen, später übernahm er dieses Amt noch einmal, war auch Beisitzer, kommt insgesamt auf fast 30 Jahre Engagement in der FDP. Dafür ernannte ihn Andreas Weik zum Ehrenvorsitzenden. Auch Alfred Semmler aus Nufringen und Ewald Wanner aus Gäufelden waren bei der Gründung dabei, sie dürfen sich jetzt Ehrenmitglieder nennen. Thomas Leske, ebenfalls aus Gäufelden, ist seit 25 Jahren mit von der Partie. Er erhielt die bronzene Medaille. „25 Jahre in der FDP gleichen einer Achterbahnfahrt, dazu braucht man Mut und Durchhaltevermögen“, brachte Scheerer mit seiner Aussage das Publikum zum Lachen.

Die Festrede hielt Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die seit 2017 im Bundestag sitzt. Schon vor fünf Jahren, als der Ortsverband einen halbrunden Geburtstag feierte, hielt die Düsseldorferin die Festrede. „Vor fünf Jahren war eine harte Zeit, da sind wir aus dem Bundestag geflogen – wir wissen, dass Erfolge nicht selbstverständlich sind.“ Toleranz und das Erstarken der Rechten bildeten die Schwerpunkte ihrer freien Rede. „Einfache Antworten haben wir Liberalen nicht, aber wir müssen zusammenarbeiten mit den demokratischen Parteien. Wenn uns das nicht gelingt, stärken wir die radikalen Ränder“, betonte die Düsseldorfer Abgeordnete, die auch Mitglied im FDP-Bundesvorstand ist. Es treibe sie um, was derzeit in Deutschland passiert: „Die Wahlergebnisse in den neuen Bundesländern sind erschreckend und besorgniserregend. Ich werde und will mich nicht an Rechte gewöhnen.“

„Wir müssen Antworten finden, wie wir den Verkehr anpassen, damit jeder seine Möglichkeiten hat, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer“, leitete die frühere freie Verlagsrepräsentantin ihr nächstes Thema ein. Ohne Toleranz sei das schwierig, denn niemand sei in einer Gruppe homogen. „Mal bin ich Fußgänger, mal Autofahrer, aber jeder will immer alles. Menschen, die Freude an Autos haben, werden angemacht – das geht nicht.“

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Erstellt:
19. September 2019, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
19. September 2019, 00:00 Uhr

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