Durch Konsum etwas Gutes tun

„Gäubote“-Weihnachtsaktion: Arbeitskreis „Miteinander – Füreinander“ unterstützt globalen Einsatz des Vereins „Partnerschaft Dritte Welt“ für fairen Handel und Vor-Ort-Projekte vieler Initiativen.

Jutta Krause

Der Weltladen in Herrenberg am Marktplatz: Seit wenigen Monaten im neuen Domizil. GB-Foto: Schmidt

Der Weltladen in Herrenberg am Marktplatz: Seit wenigen Monaten im neuen Domizil. GB-Foto: Schmidt

In diesem Jahr unterstützt die „Gäubote“-Weihnachtsaktion „Miteinander – Füreinander“ die Arbeit des Vereins „Partnerschaft Dritte Welt“, der durch den Verkauf fair gehandelter Waren, politische (Bildungs-)Arbeit und die direkte Unterstützung ausgewählter Projekte seit fast fünf Jahrzehnten dazu beiträgt, dass Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf würdige, existenzsichernde Arbeit bekommen und sich aus eigener Kraft in ihrer Heimat Perspektiven schaffen können. Letztlich werden auch die Spenden dieser Weihnachtsaktion, die unter dem Leitmotiv „Eine Welt mit Zukunft steht“, Menschen zugutekommen, die weit weg von hier leben. Das wirft Fragen auf: Was haben wir in Herrenberg davon? Was heißt überhaupt fairer Handel und was hat das mit uns zu tun? Die Antwort: Eine ganze Menge.

Denn die günstigen Preise, die Verbraucher hierzulande beispielsweise für Kaffee, Kakao oder Textilien bezahlen, entstehen auf dem Rücken der Menschen, die diese Dinge in den Ursprungsländern herstellen. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und Hungerlöhne, die kaum eine Existenzsicherung ermöglichen und keinen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut bieten, sind die Kehrseite dieser Medaille.

Einer der ersten Weltläden
in Deutschland

Bereits ab den späten 1960er Jahren wollten entwicklungspolitisch interessierte Menschen dem nicht mehr tatenlos zusehen und überlegten, wie sie sich für mehr Fairness im Welthandel starkmachen könnten. Auch in Herrenberg fand sich Anfang der 70er Jahre eine Gruppe von engagierten Menschen, die ihren Teil zu mehr globaler Gerechtigkeit beitragen wollten. Sie gründeten den Verein „Partnerschaft Dritte Welt“ und eröffneten 1974 einen der ersten Weltläden in Deutschland. Den Laden gibt es immer noch und nach seinem Umzug in diesem Sommer ist er größer und sichtbarer denn je: Als Teil des Marktplatz-Ensembles setzt er ein deutliches Zeichen, das hervorragend an diesen zentralen Ort und zum Konzept der Fairtrade-Stadt Herrenberg passt. Mit seinem bunten Angebot an Produkten, die entlang der gesamten Lieferkette auf gerechte Strukturen statt auf Ausbeutung setzen, schafft er attraktive Anreize zum fairen Konsum.

Für Katja Klaus, die Vorsitzende des Vereins „Partnerschaft Dritte Welt“, ist dies die offensichtlichste, wenn auch bei weitem nicht die einzige Antwort auf die Frage, wie Herrenberg von der Arbeit des Vereins profitiert. „Unser Laden mit seinen hochwertigen, ausschließlich fairen Produkten ist ein ergänzendes Angebot, das sehr gut zum Image und ins Stadtbild von Herrenberg passt. Hier können die Leute schon durch ihren Konsum etwas Gutes tun und einen Beitrag leisten zu mehr globaler Gerechtigkeit.“

Nicht minder wichtig findet sie das Informations- und Bildungsangebot, mit dem der Verein versucht, globale Zusammenhänge verständlich zu machen. „Bei unseren Veranstaltungen und im Laden kann man sich informieren über Herkunft und Entstehung der Produkte, globale Zusammenhänge, die aktuelle Situation und die Produktionsbedingungen in den Ursprungsländern und viele aktuelle Themen. In unserer Bildungsecke gibt es dazu viel Material und die ehrenamtlichen Mitarbeiter geben auch gern Auskunft.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt der Vereinsarbeit ist zudem das Mitwirken in Kampagnen wie der „Fairen Woche“, dem Weltladentag oder der Kampagne zum Lieferkettengesetz.

Seit den Ursprüngen in den 1970er Jahren hat sich der faire Handel zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Vom „Nicaragua-Kaffee“, dessen Genuss in den 70ern und 80ern ein politisches Zeichen der Solidarität mit der Befreiungsbewegung in dem südamerikanischen Land darstellte, hat sich nicht nur das Warenangebot im Lauf der Jahre immer mehr erweitert und professionalisiert. Längst haben faire Produkte auch den Sprung in die Supermarkt-Regale geschafft und sind damit jenseits jeder Ideologie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Doch gibt es Unterschiede: Während im Supermarkt die Fairtrade-Label zwar die Einhaltung gewisser Standards und bessere Preise für die Produzenten garantierten, seien die Handelsstrukturen dieselben. Je nach Label müssten zudem lediglich 20 Prozent eines Produkts aus fairem Handel stammen, um als Fairtrade-Produkt zu gelten. In den Weltläden dagegen, so berichtet Katja Klaus, ist die gesamte Lieferkette nach fairen Kriterien aufgebaut, die Produkte sind zu 100 Prozent fair und die Läden sind nicht auf Profit ausgelegt. Sämtliche Überschüsse fließen in Projekte, die Menschen in Entwicklungsländern zugutekommen. „Wir sind als Weltladen nicht ersetzbar, weil wir auf kleinem Raum die ganze Vielfalt des fairen Handels abbilden“, fasst es der langjährige Vereinsvorsitzende Georg Stickel zusammen.

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Erstellt:
1. Dezember 2021, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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