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Ein Verein stemmt sich gegen den Trend

Die Zahlen sind alarmierend: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Mannschaftsmeldungen in der B- und A-Jugend im Bereich des Württembergischen Fußballverbandes um bis zu 25 Prozent zurückgegangen. Die Bildung von Spielgemeinschaften ist in vielen Bezirken an der Tagesordnung.

Erfolgreicher Jahrgang: Die D2-Jugend des SV Affstätt wurde zuletzt Meister der Kreisstaffel GB-Foto: gb

Erfolgreicher Jahrgang: Die D2-Jugend des SV Affstätt wurde zuletzt Meister der Kreisstaffel GB-Foto: gb

Umso erstaunlicher ist die Entwicklung beim SV Affstätt. Erstmals nach einigen Jahren meldet der B-Liga-Club neben Bambini- sowie F- bis D-Jugend-Mannschaften auch jeweils ein Team in der
C-, B- und A-Jugend für die anstehende Spielrunde 2019/20. „Eigentlich heißt es, dass wir in Affstätt immer alle sieben Jahre mal wieder eine A-Jugend stellen könnten“, lächelt Achim Raab, Jugendleiter des SV Affstätt. Der Verein ist einer der ganz wenigen im Herrenberger Raum, die nicht in einer Spielgemeinschaft mit einem benachbarten Club die Jugendarbeit betreiben.

In den vergangenen vier Jahre wechselten die Affstätter Nachwuchsspieler im
B- oder A-Jugend-Alter als Gastspieler zum benachbarten SV Nufringen. Aufgrund des vermehrten Zuzugs im knapp über 2000 Einwohner zählenden Herrenberger Teilort hatte der Verein zuletzt einen relativ starken C-Jugend-Jahrgang, so dass für die kommende Runde wieder eine B-Jugend gemeldet werden konnte. Im Jahr 2012 wurde in Affstätt das Baugebiet „An der Raingasse“ mit über 100 Bauplätzen erschlossen, die Jugendarbeit floriert derzeit.

Erstaunlich war hingegen die Genese der A-Jugend-Mannschaft. Ein ehemaliger
C-Jugend-Spieler aus Affstätt, der vor drei Jahren zum SV Nufringen und kurz danach zum VfL Nagold wechselte, hatte zwischenzeitlich, so Raab, mit dem Fußball aufgehört. Im A-Jugend-Alter bekam er allerdings wieder Lust aufs Kicken, sprach ehemalige Kumpels und auch Nichtvereinsfußballer an, um eine Mannschaft zu bilden. Die Gruppe kam auf den SV Affstätt zu und wollte als A-Jugend-Team in diesem Jahr starten. Die Fußballabteilung des SVA wollte allerdings erst mal sehen, wie nachhaltig die Jugendkicker am Ball bleiben würden. Achim Raab: „Sie haben dann fast ein halbes Jahr einmal die Woche bei uns trainiert und zum Abschluss gab es ein Testspiel gegen unsere Aktivenmannschaft.“ Sogar der ehemalige C-Jugend-Trainer Michael Rittner stellte sich bei der neu zusammengewürfelten A-Jugend wieder als Trainer zur Verfügung. Was laut Dietmar Neubauer, Schriftführer des SV Affstätt, auch ein wenig in die Philosophie des Vereins passt, was die Jugendarbeit angeht: „Uns zeichnet vor allem aus, dass der Spaß im Vordergrund und Leistung nicht über allem steht. Wir sind gerne ein Auffangbecken für sportlich ambitionierte Jugendliche, die aber noch keinen Fußball in ihrer früheren Jugend gespielt haben oder sich nach einer Auszeit wieder versuchen wollen.“

Zudem, so Neubauer, sei Fußball „eine wunderbare Möglichkeit, um Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenzuführen und gemeinsam Erfolge zu feiern.“ Das jüngste Beispiel war die D2-Jugend, die von Darko Danic betreut wird. „Er ist ein sehr ehrgeiziger Trainer, der mit seiner Mannschaft sogar zu weit entfernten Turnieren, zum Teil bis nach Österreich, reist“, so Achim Raab. In der letztjährigen Qualirunde schaffte Danic mit dem Jahrgang 2007 und jünger zwar nur einen Mittelfeldrang, doch dafür wurde im Frühjahr mit sechs Siegen in acht Spielen der Meisterwimpel in der Kreisstaffel geholt. Die Mannschaft will nun im zweiten Jahr und dem überwiegend älteren Jahrgang in der Qualifikation zur Leistungsstaffel vorne mitspielen. Raab: „Die Eltern ziehen bei der D-Jugend voll mit.“ Gespannt sind die Affstätter Verantwortlichen, wohin es mit dem eher leistungssportorientierten Ansatz in diesem Jahrgang weitergeht. Ab der D-Jugend können zudem die Affstätter in naher Zukunft die unteren Altersklassen mit jeweils zwei Mannschaften besetzen.

Indirekt, das will Achim Raab aber nicht verhehlen, profitiert der SVA von der Jugendarbeit des großen Nachbarn VfL Herrenberg. „Eigentlich müsste der VfL in der E- und D-Jugend eine dritte oder gar vierte Mannschaften melden. So aber kommen viele Kernstadt-Fußballer zu uns nach Affstätt.“ Geprägt wurde Achim Raab, der seit 2008 in Affstätt wohnt, auch durch den ehemaligen Jugendtrainer Joachim Pioch, der die Philosophie vertrat: „Wer trainiert, der spielt.“ Am liebsten, so Raab, wäre es ihm, Joachim Pioch könnte bei der neu aufgestellten A-Jugend wieder als Co-Trainer einsteigen: „Er ist einfach ein Vorbild.“

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Erstellt:
1. August 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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