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Für Handwerk begeistern

Wenn der ganze Vorstand eines Bildungsnetzwerks schon einmal nach Mötzingen strömt, dann ist das eine gute Gelegenheit, ein Bäumchen zu pflanzen. World Skills Germany führt junge Menschen an unterschiedliche Berufe heran. Gestern waren diese Menschen besonders jung: Kindergartenkinder mit Gießkannen begeisterten sich für die Landschaftsgärtnerei.

Für Handwerk begeistern

Am Kindergarten Pusteblume wird ein Apfelbaum gepflanzt GB-Foto: Holom

„Es ist eine Premiere“, sagt Hubert Romer, Geschäftsführer des Stuttgarter Vereins und offizieller Vertreter Deutschlands bei der Weltorganisation von World Skills. „Wir sind zum ersten Mal in Mötzingen und es ist die jüngste Gruppe, die wir je hatten.“ World Skills ist der Nachfolgewettbewerb des Internationalen Berufsvergleichs, auch bekannt als Berufsolympiade oder Berufsweltmeisterschaft, eines Leistungsvergleichs nichtakademischer Berufe für Teilnehmer bis zum 23. Lebensjahr. World Skills Germany als eingetragener Verein mit Sitz in Fellbach fördert die Teilnahme an den Wettbewerben, bemüht sich, vor allem Handwerksberufe für junge Menschen attraktiv zu machen, gehört dem Bundesbildungsministerium an, besucht Schulklassen, begleitet Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung.

Einmal im Jahr begibt sich der Vorstand von World Skills Germany in den Ort, in dem eins seiner Mitglieder zu Hause ist, um dort seine Sitzung abzuhalten. Damit verbunden ist der Besuch in einer Schule – und nun erstmals in einem selbst noch sehr jungen Kindergarten.

Seit April befindet sich in den Räumen des ehemaligen Jugendtreffs die Villa Pusteblume. Schade nur, dass dort nicht 23 Kinder mit kleinen rot-gelben Gießkannen bereitstehen, um in die Stiefel eines Landschaftsgärtners zu steigen: Viele von ihnen sind krank. Alle anderen sich schon in die Arbeitskleidung junger Gärtner geschlüpft, die Neugier steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Kinder schauen
fasziniert dem Bagger zu

Hubert Romer erzählt vom Wettbewerb der World Skills, der vom 22. bis zum 27. August in der russischen Stadt Kasan stattfindet. Vorstandsvorsitzende Andrea Zeus spricht vom Handwerk, der Zukunft und dem Ort: „Ich habe Mötzingen kennengelernt. Ich wusste nicht, was das ist.“ Bürgermeister Marcel Hagenlocher meint: „Ich wäre überrascht, wenn nicht mindestens 80 Prozent von euch Kindern nach diesem Tag Landschaftsgärtner werden wollten.“

Die Kinderaugen werden groß, als Erich Hiller seinen Bagger anwirft. Hiller, länger schon ehrenamtlich im Bundesvorstand für Garten- und Landschaftsbau tätig, wurde durch einen Kollegen auf die Arbeit des Stuttgarter Vereins aufmerksam, gehört der Vorstandschaft an und brachte sie nach Mötzingen. Während in seinem Betrieb R+E Hiller Garten- und Landschaftsbau die Prüfungen künftiger Landschaftsgartenbauer abgenommen werden, soll dort die Vorstandssitzung von World Skills stattfinden.

Ein Erdloch ist ausgehoben. Der Zukunftsbaum, der links neben dem Eingang zum Kindergarten gepflanzt wird, ist ein Apfelbaum. Hiller hebt die Schaufel seines Kleinbaggers, ein wenig Erde rieselt herab, und die Kinder staunen. „Ich geb euch a Schaufel, Kinder!“, ruft eine Erzieherin. Die Kinder sind mit Eifer dabei, die Wurzeln des kleinen Baums einzugraben. Später einmal, wenn das Bäumchen blüht, möchten die Vorstände sich wieder die Ehre in Mötzingen geben – um den Fortschritt zu begutachten – „und zur Apfelernte“, sagt Andrea Zeus.

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Erstellt:
31. Juli 2019, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2019, 00:00 Uhr

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