Gäubahn und Stuttgart 21: Ein „Donnerschlag“ für Pendler
Herrenberg: Oberbürgermeister entlang der Gäubahn fordern von der Deutschen Bahn und der Politik Klarheit nach neuer Stuttgart-21-Verzögerung
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Auch in Herrenberger Hausfluren: Protest gegen Gäubahn-Pläne. GB-Foto: Schmidt
Die mögliche erneute Verzögerung bei Stuttgart 21 sorgt entlang der Gäubahn für erhebliche Besorgnis. Nachdem inzwischen von einer Verschiebung der Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs bis Ende 2031 die Rede ist, fordern die Oberbürgermeister der an der Gäubahn liegenden Städte verbindliche Zusagen zur Zukunft der Strecken-Anbindung. Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderem von den Rathauschefs Nico Reith (Herrenberg), Stefan Belz (Böblingen), Markus Kleemann (Sindelfingen), Stephan Neher (Rottenburg) und Michael Keßler (Horb).
In einer gemeinsamen Erklärung sprechen die OBs von einem „Donnerschlag“ für die Menschen entlang der Strecke. Die Fahrgäste hätten bereits seit Jahren unter Baustellen, Sperrungen, Verspätungen und immer neuen Unsicherheiten zu leiden. Vor diesem Hintergrund müsse nun dringend geklärt werden, wie die Gäubahn bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme von Stuttgart 21 und bis zur späteren Anbindung über den geplanten Pfaffensteigtunnel geführt werden solle.
Die Oberbürgermeister fordern die Deutsche Bahn und die Projektpartner auf, beim nächsten Lenkungskreis Stuttgart 21 konkrete und verbindliche Aussagen zur künftigen Streckenführung zu treffen. Aus ihrer Sicht steht fest, dass die Gäubahn mindestens bis zur Eröffnung des Tiefbahnhofs direkt an den Stuttgarter Kopfbahnhof angebunden bleiben müsse. Eine vorzeitige Unterbrechung der bestehenden Verbindung lehnen sie entschieden ab.
„Solange der Tiefbahnhof Stuttgart 21 nicht tatsächlich in Betrieb ist, muss der direkte und umsteigefreie Anschluss der Gäubahn an den Stuttgarter Kopfbahnhof erhalten bleiben“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Wer den Bahnverkehr attraktiver machen wolle, dürfe funktionierende Verbindungen nicht vorzeitig kappen. Die Kommunalpolitiker betonen: „Erst eine belastbare und verlässliche Alternative, dann eine Veränderung der bestehenden Anbindung. Nicht umgekehrt.“ Besonders kritisch sehen die Unterzeichner die Möglichkeit zusätzlicher Umstiege in Stuttgart-Vaihingen. Dies würde die Situation für Pendler, Schüler, Studierende sowie Geschäftsreisende weiter verschlechtern und das Vertrauen in den Schienenverkehr zusätzlich belasten.
Die Oberbürgermeister verweisen zudem auf den Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung. Darin sei festgehalten, dass bis zur Realisierung des Pfaffensteigtunnels eine attraktive Anbindung der Landeshauptstadt über die Gäubahn gewährleistet werden müsse. Eine Unterbrechung der Direktverbindung aus Richtung Singen und Zürich vor der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 dürfe es demnach nicht geben. Daher sehen die Kommunen auch das Land Baden-Württemberg und die neue Verkehrsministerin Nicole Razavi in der Verantwortung. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn müsse sichergestellt werden, dass die zugesagten Verbindungen erhalten bleiben und die betroffenen Regionen einen nachvollziehbaren und abgestimmten Zeitplan erhalten.
Sollten sich die Berichte über eine weitere Verschiebung von Stuttgart 21 bestätigen, hätte dies nach Ansicht der Oberbürgermeister auch Auswirkungen auf die künftige Gäubahn-Anbindung über den Pfaffensteigtunnel. Umso wichtiger sei es, die bestehende Verbindung über die Panoramabahn möglichst lange betriebsfähig zu halten. Die Kommunen erwarten deshalb, dass alle notwendigen baulichen, betrieblichen und organisatorischen Maßnahmen geprüft und umgesetzt werden, um die direkte Anbindung der Gäubahn während der Übergangszeit zu sichern. Dies gelte insbesondere im Zusammenhang mit geplanten S-Bahn-Maßnahmen und dem Erhalt der Panoramabahn.