Gemeinde wechselt das Planungsbüro

Nach 20-jähriger Zusammenarbeit wird das Planungsbüro, mit dem die Gemeinde Deckenpfronn zusammengearbeitet hat, aufgelöst. Auf der Suche nach einem neuen Planer haben sich die Gemeinderäte für ein Büro entschieden, das sie bei der Entwicklung des Innenorts und dem Wohnbaugebiet Lüsse II am meisten überzeugt hat.

Ortskern Deckenpfronn: „Identitätsstiftend“ GB-Foto (Archiv): Holom

Ortskern Deckenpfronn: „Identitätsstiftend“ GB-Foto (Archiv): Holom

Die Gemeinde Deckenpfronn arbeitet künftig mit einem neuen Planungsbüro zusammen. In der ersten Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause stimmten die Gemeinderäte mit einem eindeutigen Votum für das Stadtplanungsbüro Sippel/Buff. Mit zehn von elf möglichen Stimmen entschieden die Stuttgarter das Bewerbungsverfahren für sich. Zur Auswahl standen daneben außerdem noch mit „mquadrat“ und „Reschl Stadtentwicklung“ zwei weitere Büros.

Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsbüro Lutz Partner, ebenfalls aus Stuttgart, läuft aus, da sich das Büro zum Ende des Jahres auflöst. Der Stadtplaner Jürgen Kapfer, der die Gemeinde jahrelang betreut hatte und eine entsprechende Ortskenntnis besaß, wird die Gewerbegebietserweiterung zwar noch begleiten, sich dann künftig aber beruflich neu orientieren und damit nicht mehr zur Verfügung stehen.

Fast 20 Jahre lang dauerte die Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Stadtplanungsbüro Lutz. Nun erhoffen sich sowohl die Verwaltung als auch der Gemeinderat eine ebenso lang dauernde Zusammenarbeit mit dem Büro Sippel/Buff. Fachlich, darin waren sich die Gemeinderäte einhellig einig, konnten alle Stadtplaner überzeugen. Thomas Sippel trumpfte aber vor allem mit der offenen Kommunikationsweise auf. „Ich fand den Vortrag plakativ und spritzig. Die Energie hat mir gut gefallen“, sagte Gemeinderat Michael Schneider (FW). Entscheidend war auch die Größe von Sippel/Buff. Im Vergleich zu den anderen Büros sind die Stuttgarter von der Mitarbeiterzahl am kleinsten, Thomas Sippel selbst versprach, als direkter Ansprechpartner der Gemeinde zur Verfügung zu stehen – ein Aspekt, der zu einer kleinen, übersichtlichen Gemeinde wie Deckenpfronn gut passe, wie Conny Müller (LUB) meinte. Zum anderen – und das war auf der inhaltlichen Ebene ausschlaggebend – rümpften einige Gemeinderäte die Nase, als es in der Vorstellungsrunde der zwei anderen Büros um die Innenortsentwicklung ging. Um die Planungshoheit zu behalten, etabliert die Gemeinde derzeit einen detaillierten Bebauungsplan, mit dem geregelt werden soll, wie künftige Baumaßnahmen auszusehen haben. Die schlechten Erfahrungen mit einem Bauträger, der in der Gärtringer Straße Wohneinheiten fertigstellte, dürfte hierfür eine Rolle gespielt haben.

Tobias Meigel wirbt vergeblich
für Resch Stadtentwicklung

Sowohl der Tenor des Büros mquadrat aus Bad Boll als auch der von Resch Stadtentwicklung aus Stuttgart, die mit Tobias Meigel, dem ehemaligen Baubürgermeister der Stadt Herrenberg, ein bekanntes Gesicht als Vertreter entsandt hatte, war im Hinblick auf einen Bebauungsplan, wie ihn die Gemeinde vorsieht, aber vergleichsweise eher pragmatisch. „Das sind große Büros, die ihr Konzept schon haben und immer nach einem Grundmuster vorgehen“, sagte Martin Wolf.

Thomas Sippel hingegen, der auch für die Gemeinden Bondorf und Wildberg tätig ist, versprach in seiner Bewerbungsrunde eine enge Zusammenarbeit mit Verwaltung und Räten. Den Ortskern Deckenpfronn erachtete der Stadtplaner als „identitätsstiftend“. „Ich habe Sympathien zum Ortskern. Unser Ziel muss sein, den Grundcharakter und die Qualitäten zu wahren“, sagte Sippel. Ein Bebauungsplan sei nicht mit einem Schlag drüber zu legen, sondern müsse abschnittsweise und individuell erstellt werden. Außerdem spüre er deutlich, dass man weiterhin eine kleine Gemeinde bleiben wolle. Das Wohngebiet Lüsse II bezeichnete er als „klassische Planungsaufgabe“. Nach aktuellem Recht muss der Plan für das Gebiet bis Ende kommenden Jahres fertiggestellt sein. „Das ist nicht mehr wahnsinnig lang“, so Sippel. Auch wenn man intensiv daran arbeite, werde es eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, gerade wenn man daran denke, dass noch mit Eigentümern gesprochen und der Arten- und Schallschutz in Betracht gezogen werden müsse. „Es ist ein Ansporn für mich, da mit voller Tube ranzugehen und die verbleibenden 15 Monate zu nutzen.“ Die Verwaltung selbst hatte im Vorfeld bereits Gespräche mit den Planungsbüros geführt. Für Bürgermeister Daniel Gött lag da die Präferenz eher beim Büro mquadrat, weil es neben den stadtplanerischen auch weitere Arbeitsfelder vereint. Nach dem Vortrag vor dem Gemeinderat aber sagte Gött: „Sippel hat mich jetzt auch eher gepackt.“

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Erstellt:
17. September 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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