Geplanter Wegfall der Intercity-Halte: „Große Sorge und deutliches Unverständnis“

Herrenberg: Oberbürgermeister Nico Reith und die Bürgermeister aus Bondorf, Gäufelden, Jettingen und Mötzingen protestieren in einem offenen Brief gegen die Streichung der IC-Halte.

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Geplanter Wegfall der Intercity-Halte: „Große Sorge und deutliches Unverständnis“

Auch die Rathaus-Chefs von fünf Gäu-Kommunen haben sich nun zum geplanten Wegfall der IC-Verbindungen zu Wort gemeldet und einen offenen Brief an Dr. Clarissa Freundorfer formuliert, die Konzern-Bevollmächtigte der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg. Unterzeichnet wurde der Brief vom Herrenberger Oberbürgermeister Nico Reith und den Bürgermeistern Bernd Dürr (Bondorf), Benjamin Schmid (Gäufelden), Hans Michael Burkhardt (Jettingen) und Benjamin Finis (Mötzingen). „Mit großer Sorge und deutlichem Unverständnis haben wir die Planungen der Deutschen Bahn zur Kenntnis genommen, im Zuge des sogenannten Stabilisierungskonzepts Gäubahn den IC-Halt in Herrenberg ab dem Fahrplanwechsel entfallen zu lassen. Das ist schlichtweg inakzeptabel“, heißt es in dem offenen Brief. Neben Herrenberg sollen auch Gäufelden und Bondorf nicht mehr von den Intercity-Zügen bedient werden.

Die Rathaus-Chefs erkennen zwar an, dass es richtig sei, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Gäubahn zu erhöhen, aber: „Doch der nun gewählte Lösungsansatz – die ersatzlose Streichung zentraler IC-Halte – ist aus unserer Sicht weder ausgewogen noch zukunftsorientiert.“ Herrenberg sei kein „marginaler Zwischenhalt, sondern ein zentraler Verkehrsknoten im südlichen Landkreis Böblingen, in einer Stadt mit 34000 Menschen. Mit dem Wegfall des IC-Halts wird das gesamte Obere Gäu mit über 100000 Menschen faktisch vom Fernverkehr in Richtung Bodensee und Schweiz abgekoppelt.“ Pendlern entstünden dadurch deutliche Zeitverluste und zusätzliche Umstiege mit langen Umsteigezeiten. Für die regionale Wirtschaft bedeute dies einen Standortnachteil – gerade für ein wachsendes Mittelzentrum wie Herrenberg mit engen Verflechtungen in die Region Stuttgart und darüber hinaus. Und auch für den Tourismus und die nachhaltige Mobilität sende diese Entscheidung ein fatales Signal. Der OB und die Bürgermeister weisen darauf hin, dass 2028 das Land Baden-Württemberg mit den Heimattagen zu Gast in Herrenberg ist: „Dann ohne IC-Halt? Ein fatales Signal!“ Besonders irritierend sei, dass das Land Baden-Württemberg angeregt habe, zumindest den Halt in Herrenberg beizubehalten – eine Empfehlung, die offenbar unberücksichtigt blieb.

Andere Städte entlang der Strecke mit weniger Einwohnern

„Und bei allem Respekt vor den anderen Kommunen, die auch weiterhin einen IC-Halt haben sollen“, weisen die Unterzeichner darauf hin, dass andere Städte, in denen der IC weiterhin halten soll, deutlich weniger Einwohner haben: Oberndorf am Neckar (14600 Einwohner), Spaichingen (13700), Sulz am Neckar (12700) und Engen (11700 Einwohner). „Ehrlich gesagt, entsteht daher bei uns der Eindruck, dass dieser Vorschlag nicht nur auf fachlichen Gründen basiert, sondern unter Umständen politisch beeinflusst wurde. Anders können wir uns ein solches Vorgehen nicht erklären“, argwöhnen der OB und die vier Bürgermeister. Ein Konzept, das einen so zentralen Knotenpunkt wie Herrenberg derartig schwäche, sei gänzlich ungeeignet: „Es braucht Lösungen, die sowohl die betriebliche Stabilität erhöhen als auch die Erreichbarkeit sichern. Und dazu gehört glasklar der Erhalt des IC-Halts in Herrenberg!“

Die Unterzeichner schließen sich ausdrücklich der Forderung des Böblinger Landrats Roland Bernhard an, diese Entscheidung vor der finalen Umsetzung nochmals zu überdenken und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Der offene Brief schließt mit den Worten: „Mit Nachdruck bitten wir Sie: Belassen Sie den IC-Halt in Herrenberg.“ -gb-

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Erstellt:
24.04.2026, 14:06 Uhr