„Ich habe hier die beste Zeit meines Lebens“

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Tamar Dongus ist einer der Eckpfeiler des TeamsGB-Foto: CF Florentia Sangimignano

Tamar Dongus ist einer der Eckpfeiler des TeamsGB-Foto: CF Florentia Sangimignano

Fußball: Tamar Dongus genießt die Atmosphäre in Florenz und verlängert beim CF Florentia Sangimignano

Perfetto“, sagt Tamar Dongus und muss lachen. Diese Antwort passt bei der 25-Jährigen zurzeit auf eine Menge Fragen. Wie es ihr geht? Wie es sportlich läuft? Wie sie in Florenz zurechtkommt? In diesem Fall ist „perfetto“ die Replik auf die Frage, wie sie nach einer Saison beim Erstligisten CF Florentia Sangimignano italienisch spricht.

Perfekt ist in diesem Fall natürlich ein wenig geflunkert. „Aber ich kann immer mehr verstehen und ich kann eigentlich auch alles sagen, was ich sagen will“, meint die junge Frau aus Deckenpfronn. „Mein Italienisch ist schon viel besser als das Schul-Englisch und -Französisch“, erklärt die Innenverteidigerin. Gerade erst ist sie nach Florenz zurückgekehrt, nachdem sie die Monate nach dem Ende der Saison zu Hause bei der Familie verbracht hat. Und sie hat festgestellt, dass die erste Saison in Italien sie sprachlich offensichtlich gut vorangebracht hat. Vieles ist direkt wieder präsent, so dass sie munter drauflos plaudern kann. Das macht sie im Prinzip unabhängig von der Sprache. „Ich habe ein Mundwerk, das nicht so schnell zu stoppen ist“, meint sie und muss schon wieder lachen.

Das fällt auf im Gespräch: Die 25-Jährige lacht oft und gerne. Ihre Fröhlichkeit steckt an. Es ist eben alles „perfetto“ und das hört man Dongus an. „Ich habe hier die beste Zeit meines Lebens“, schwärmt sie. „Ich habe mein Herz an Florenz verloren“, sagt sie und schiebt überzeugt hinterher: „Man kann nirgendwo so gut leben wie in Italien.“ La Dolce Vita – das süße Leben. „Für mich ist das hier eine Auszeit vom Alltag.“ Und die dehnt sie mit der Vertragsverlängerung um ein Jahr noch ein wenig aus. Sie wird weiter mit den Mitspielerinnen gemütlich durch die Stadt bummeln, am Abend mit Freunden einen Aperitivo und die Atmosphäre genießen. Momente erleben, in denen man die Zeit anhalten möchte.

Nachdem sie ihr Eventmanagement-Studium abgeschlossen hatte, war für die ehemalige Spielerin des VfL Sindelfingen die Zeit gekommen, die Zelte bei der TSG Hoffenheim abzubrechen und den Schritt ins Ausland zu wagen. Es lagen einige Angebote aus der ersten englischen Liga auf dem Tisch, doch die Clubs zögerten. Also machte Tamar Dongus Nägel mit Köpfen und entschied sich für Florenz. Wenn sie an einem schönen Sommerabend vom Piazzale Michelangelo hinunter auf die Stadt schaut ist die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben, besonders groß.

Auch sportlich ist die erste Runde gut gelaufen. In der Serie A hat der Aufsteiger Florentia den siebten Platz unter den zwölf Teams belegt. „Wir haben 30 Punkte geholt, das spricht für sich“, findet Dongus. Mit einer starken Hinrunde hat der Neuling die Basis für den Klassenerhalt gelegt. In der Sommerpause wurde das Team gezielt verstärkt. Die Mannschaft bekommt zunehmend ein internationales Gesicht. „Wir haben inzwischen unter anderem zwei Engländerinnen, eine Irin, eine Amerikanerin und zwei Albanerinnen in der Mannschaft.“ Mit den italienischen Top-Frauenteams Juventus Turin und AC Florenz kann sich der Liga-Frischling natürlich noch nicht auf Augenhöhe bewegen. „Aber wir haben viel Qualität dazubekommen“, sagt die Innenverteidigerin, die auf dem Mannschaftsbild wie ein Turm aus dem Team herausragt.

Der italienische Frauenfußball sei im Umbruch. „Die Traditionsvereine pumpen viel Geld rein“, weiß Dongus. Die starken Auftritte der italienischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich in diesem Jahr mit dem überraschenden Vorstoß ins Viertelfinale haben dem Frauenfußball einen Schub gegeben. Ob die Euphorie sich auch auf die Zuschauerzahlen in der Liga auswirkt, wird sich zeigen, wenn die Runde im September beginnt.

Der CF Florentia Sangimignano wird seine Heimspiele dann in der kleinen toskanischen Stadt San Gimignano austragen. Der Präsident engagiert sich dort neuerdings beim Männerteam und plant dem Vernehmen nach den Bau eines neuen Trainingszentrums. Mit den Erstliga-Fußballerinnen wird der touristische Anziehungspunkt um eine Attraktion reicher. Und auch Tamar Dongus wird sich sicher schnell an die Aussprache des neuen Spielortes gewöhnen. Da hapert es nämlich noch ein wenig. Ansonsten gilt aber: tutto perfetto – alles perfekt. ROBERT STADTHAGEN

Für mich ist das hier eine Auszeit vom Alltag Tamar Dongus

„Ich habe hier die beste Zeit meines Lebens“
„Ich habe hier die beste Zeit meines Lebens“

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Erstellt:
17.08.2019, 00:00 Uhr