Jedes Tor hilft im Kampf für sauberes Wasser

Der SV Rohrau blickt über den Spielfeldrand hinaus und engagiert sich für soziale ProjekteGB-Foto: Schmidt

Der SV Rohrau blickt über den Spielfeldrand hinaus und engagiert sich für soziale ProjekteGB-Foto: Schmidt

Was hat sauberes Wasser mit Fußball zu tun? Nichts? Falsch! Es hat mehr mit Fußball zu tun, als es zunächst den Anschein hat. Das fängt beim Duschen an, niemand will unter einer Brause stehen, aus der eine dreckige, vielleicht gar krank machende Brühe kommt. In unseren Gefilden ist das Wasser sauber, diese Tatsache wird kaum bedacht, so selbstverständlich ist sie. Es ist aber eben nicht selbstverständlich, dass aus der Leitung Wasser in Trinkqualität läuft. Weltweit leben laut des Weltwasserberichts der Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) über zwei Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser. Ein Thema, das die Fußballer des SV Rohrau beschäftigt. Sie werben zukünftig auf den Trikots der ersten und zweiten Mannschaft für den Verein Viva con Agua.

Viva con Agua ist ein Verein mit Sitz im Hamburger Stadtteil St. Pauli, der sich dafür einsetzt, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Mischa Heinemann, Spieler des SV Rohrau, kam über sein Studium an der Hochschule Reutlingen mit Viva con Agua in Kontakt. Der 22-Jährige studiert an der Fakultät ESB Business School Betriebswirtschaftslehre, im kommenden Jahr will er seinen Master machen. Im Jahr 2009 wurde der Verein ESB Student Consulting e.V. gegründet, eine studentische Unternehmensberatung der Hochschule Reutlingen. „Wir beraten unentgeltlich Firmen, aber auch gemeinnützige Organisationen“, erklärt Mischa Heinemann. Eine dieser Organisationen ist Viva con Agua. Und somit war die Brücke zum SV Rohrau geschlagen: „Wir haben uns schon länger Gedanken darüber gemacht, wie wir uns als Verein und als Mannschaft sozial engagieren können“, sagt Heinemann. Er brachte im Club Viva con Agua ins Spiel als unterstützenswertes Projekt, im Spielerrat und in der gesamten Abteilung stieß er damit auf ein überaus positives Echo. „Alle haben diese Idee sofort unterstützt“, sagt Heinemann, der in diesem Zusammenhang klarstellt, dass es sich nicht um eine Aktion von ihm handelt, sondern um eine der gesamten Sparte.

Im kommenden Kalenderjahr wird unentgeltlich auf dem Dress der ersten und zweiten Mannschaft des SV Rohrau das Logo von Viva con Agua prangen. Derzeit sind die Trikots in Arbeit. Darüber hinaus wird es T-Shirts und andere Trainingsklamotten geben, dafür bezahlen die Spieler einen Eigenanteil von 40 Euro, die Kosten für die Trikots übernimmt der Verein.

Wie wichtig der Zugang zu sauberem Wasser ist, belegen einige Fakten: Laut Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) gehören der Mangel an sauberem Wasser und an Hygiene zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Jeden Tag sterben mehr als 800 Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie etwa Durchfall, die durch verunreinigtes Wasser oder mangelnde Hygiene hervorgerufen wurden. Der Mangel an sauberem Wasser verhindert die Schulbildung, wenn Kinder gezwungen sind, stundenlange Märsche auf sich zu nehmen, um an sauberes Wasser zu kommen. Weltweit haben laut Unicef etwa 69 Prozent der Schulen grundlegenden Zugang zu Trinkwasser, und nur 66 Prozent haben sanitäre Anlagen. Etwa 900 Millionen Kinder haben an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene. Wenn Schulen kein sicheres Trinkwasser und keine Toiletten haben, können Kinder nicht in einer angemessenen Umgebung lernen. Wie wichtig das ist, zeigt die derzeit alles beherrschende Corona-Pandemie: Regelmäßig Hände waschen ist ein Gebot der Stunde. An den deutschen Schulen ist das möglich mit sauberem Wasser.

Die Trikotwerbung des SV Rohrau für Viva con Agua ist ein Schritt, um diesen Verein und die Problematik rund um das Trinkwasser bekanntzumachen. „Das ist uns aber nicht genug“, sagt Mischa Heinemann, der Verein wolle auch Aktionen durchführen und damit Gelder für die Organisation sammeln. So soll der sogenannte Toreclub wieder ins Leben gerufen werden. „Jeder Teilnehmer zahlt für jeden Treffer der ersten Mannschaft einen bestimmten Betrag“, erklärt Heinemann, die dadurch eingenommene Summe wird gespendet.

Bei den Heimspielen des SV Rohrau wird Pfand für Flaschen oder Gläser verlangt. Verzichtet ein Besucher bei der Rückgabe darauf, wird es ebenfalls gespendet. Heinemann: „Das wollen wir auch bei anderen Events durchführen.“ Und dann gibt es noch die „soziale Elf des Tages“.

Sie setzt sich aus Profis und Amateuren zusammen, in diese Elf wird man nominiert. Jeder Kicker spielt in seinem Club, am Kickschuh befindet sich ein Kilometerzähler. Der Spieler sucht sich einen Sponsor oder mehrere Geldgeber, die für jeden von ihm absolvierten Kilometer einen gewissen Betrag spenden, diese Summe kommt ebenfalls Viva con Agua zugute. Mischa Heinemann lief in der Partie beim SV Breitenberg/Martinsmoos 11,2 Kilometer. Am Wochenende darauf sollte Simon Kamm zur „sozialen Elf des Tages“ gehören, die Unterbrechung der Saison kam dazwischen.

Die Gelder, die der SV Rohrau auf verschiedenen Wegen in Zukunft sammeln wird, werden für ein Projekt in Uganda eingesetzt. Es nennt sich „Football 4 WASH“. An Schulen wird in spielerischer Form Aufklärung zu Hygienethemen wie sauberes Wasser oder Schutz vor Keimen betrieben. Eingebettet ist es in Fußballspiele oder Trainingseinheiten. Die teilnehmenden Schulen führen ein Turnier durch, der Preis im Jahr 2018 für die siegreiche Schule: eine Toilette. „In der Abteilung spürt man eine richtige Dynamik, alle sind begeistert von der Idee, Viva con Agua zu unterstützen. Als Team haben wir das Gefühl, etwas Gutes zu tun, außerdem werden wir sensibilisiert für das Thema sauberes Wasser“, erklärt Mischa Heinemann. THOMAS OBERDORFER

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Erstellt:
7. November 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 45sec

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