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Kaum in Betrieb, fallen sie immer wieder aus

Endlich, so werden sich nicht wenige Bahn-Fahrgäste gedacht haben, endlich verrichten die neuen Aufzüge am Bondorfer Bahnhof ihren Dienst. Doch die Freude wird getrübt: Kaum in Betrieb genommen, fallen die Gerätschaften immer wieder aus.

Kaum in Betrieb, fallen sie immer wieder aus

Aufzug defekt: Radler schleppen ihr E-Bike auf der Treppe GB-Foto: Bäuerle

Mehrere Monate lang waren die Gleise am neuen Mittelbahnsteig in Bondorf nicht mehr barrierefrei erreichbar: Im Gegensatz zu früheren Jahren darf man die Gleise nicht mehr ebenerdig überqueren, und solange die neuen Aufzüge nicht funktionsfähig waren, mussten und konnten die Fahrgäste über Treppen zum Mittelbahnsteig gehen – oder auch nicht. „Ich konnte mit dem Zug nirgendwohin fahren und habe dann halt das Auto genommen“, erzählt Liliia Kreidler. Denn mit dem Kinderwagen hätte sie ohne fremde Hilfe nicht zum Mittelbahnsteig gelangen können. Nun steht sie am Bahnhofsvorplatz mit der zweijährigen Tochter Melina, fährt mit dem Aufzug nach oben zum Fußgängersteg und will sich dann mit dem anderen Aufzug runter zum Mittelbahnsteig befördern lassen. Doch der Aufzug setzt sich nicht in Bewegung. Deshalb nimmt Liliia Kreidler nun doch die Treppe – was kein Problem ist, denn diesmal führt sie nur einen Spielzeug-Kinderwagen mit sich, gleichsam eine Miniaturausgabe eines richtigen Kinderwagens.

Aus der Gegenrichtung schnauft Gabriele Mauthe die Treppe herunter, schwer beladen mit Hand- und Einkaufstasche. Sie kam gerade mit dem Intercity aus Richtung Stuttgart an. „Drüben geht die Tür nicht zu, der Aufzug fährt nicht ab, und heute Morgen ging der andere Aufzug nicht“, klagt sie. In den vergangenen Wochen ist ihr immer wieder aufgefallen, mit welchen Schwierigkeiten Fahrgäste konfrontiert waren, die mit schwerem Gepäck unterwegs waren oder nicht mehr gut zu Fuß sind.

„Für Leute mit Kinderwagen war das eine Zumutung. Ich habe auch einen Vater beobachtet, der auf der Treppe einen Zwillingswagen vor sich hergetragen hat“, erzählt Gabriele Mauthe, die die „letzte Meile“ von Bondorf zu ihrem Wohnort Ergenzingen nicht mit der Bahn, sondern per Auto zurücklegt – denn ihr VVS-Ticket gilt nur ab und bis Bondorf, und Ergenzingen gehört (noch) nicht zum VVS. Auch Susanne Stahl hat immer wieder festgestellt, mit welchen Erschwernissen Eltern zu kämpfen haben, die einen Kinderwagen mit sich führen. „Der Aufzug hat mal einen Tag funktioniert und dann wieder nicht, zwischenzeitlich war er auch mal wieder abgesperrt“, schildert sie ihre Beobachtungen.

Ähnliche Erfahrungen macht eine Radlergruppe, die nach einem ausgedehnten Ausflug nach Straßburg nun in Bondorf zwischengelandet ist: Die drei Radler kamen mit dem Zug aus Richtung Offenburg und Freudenstadt in Bondorf an – und stehen nun vor der Herausforderung, die rund 30 Kilo schweren E-Bikes vom Mittelbahnsteig auf den Bahnhofsvorplatz zu hieven. „Das ist eine Zumutung hoch drei, die Bahn vermiest einfach alles“, schimpft die Tübingerin Ursula Haakmann, zumal auch der vorangegangene Teil der Reise nicht komplikationslos verlaufen war. Der Unterjesinger Udo Frenzel trägt derweil das E-Bike die Treppe hoch und runter, weil sich die Aufzüge nicht in Bewegung setzen lassen. „Bahn und Fahrrad, das funktioniert nicht“, bedauert er. Den letzten Abschnitt der Heimfahrt bis nach Unterjesingen und Tübingen legt das Trio wieder mit eigener Muskelkraft zurück, unabhängig von Verkehrsunternehmen oder technischen Gerätschaften.

Dass die Aufzüge verspätet in Betrieb gegangen sind, sei „bauablaufbedingt“ und auch der Wetterlage geschuldet gewesen, wie die DB-Pressestelle in Stuttgart auf „Gäubote“-Anfrage mitteilte. Außerdem seien mehrere Abnahmeprüfungen erforderlich gewesen, weil die Personenbeförderung strengen Regularien unterliege. Dass die Aufzüge in den vergangenen Tagen häufig ausgefallen sind, bestätigte der DB-Sprecher. In solchen Fällen werde – allein schon aus Gründen der Gewährleistung – die Herstellerfirma kontaktiert. Dieses Unternehmen (Schindler Deutschland AG & Co. KG aus Berlin) wollte sich auf „Gäubote“-Anfrage zu der Malaise in Bondorf aber nicht äußern.

Bei „Bondorf 21“ ist also ebenso wie beim großen Stuttgarter Pendant mitunter viel Geduld angezeigt. Auch dem Bondorfer VdK-Vorsitzenden Richard Armbruster sind Beschwerden zu Ohren gekommen. „Dass das mit den Aufzügen so lange gedauert hat, ist ein Unding. Das kann doch kein Hexenwerk sein in der heutigen Zeit“, meint Armbruster. Manche Fahrgäste, so ergänzt er, mussten während der aufzuglosen Zeit auf den Bahnhof Herrenberg ausweichen, denn auch die Bondorfer Nachbarstation in Nebringen ist nicht barrierefrei zugänglich. Bürgermeister Bernd Dürr hat ebenfalls diverse Klagen entgegengenommen – sowohl während der Bauarbeiten als auch während der Ausfälle, kurz nachdem die Aufzüge in Betrieb gegangen sind. „Es gab permanent Beschwerden, und es war absolut unbefriedigend“, blickt der Bondorfer Rathaus-Chef auf die monatelange Verzögerung zurück. Trotz der Komplikationen freut sich Bernd Dürr auf die Barrierefreiheit, die bei „Bondorf 21“ zumindest dann existent sein soll, wenn die Aufzüge funktionieren. „Es sind moderne, schöne Glasaufzüge, und man muss froh sein, dass die DB überhaupt investiert“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde will die Offensive in Sachen Barrierefreiheit fortsetzen und auch den Zugang zum Bahnhofsgebäude und die vor dem Bahnhof gelegene Bushaltestelle (ebenso wie alle anderen Haltestellen im Ort) barrierefrei gestalten.

Nachbesserungsbedarf gibt es auch bei den neuen Treppenstufen am Fußgängersteg. „Die sinken ab und sind nicht abgenommen – es muss saniert werden“, wie der Bürgermeister vom Bauherrn erfahren hat.

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Erstellt:
14. Juli 2018, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Juli 2018, 00:00 Uhr

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