Kindernotdienst nach Reduzierung: Mehr Patienten in der Klinik

Kreis Böblingen: Landrat und Klinikverbund Südwest sehen sich in ihrer Kritik bestätigt.

Wartebereich mit Anmeldung in der Kinderklinik.GB-Foto: Holom

Wartebereich mit Anmeldung in der Kinderklinik.GB-Foto: Holom

Seit der kurzfristigen Kürzung der Öffnungszeiten der kinderärztlichen Notfallpraxis in Böblingen zum 1. April verzeichnet die Kinderklinik an Wochenenden und Feiertagen durchschnittlich 14 zusätzliche Patientinnen und Patienten. Der Klinikverbund Südwest (KVSW) und der Landkreis Böblingen sehen sich damit in ihrer Kritik bestätigt und fordern die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) auf, den Notdienst an diesen Tagen wieder bis 20 Uhr anzubieten.

Nach Angaben des Klinikverbunds zeigt sich inzwischen deutlich, welche Folgen die verkürzten Öffnungszeiten haben. Entgegen früheren Einschätzungen der KVBW stelle die höhere Zahl an Patienten eine erhebliche Mehrbelastung für das ohnehin stark beanspruchte Personal dar. Für Kinder und Eltern bedeute dies längere Wartezeiten, für die ärztlichen und pflegerischen Teams zusätzlichen Druck in einer ohnehin angespannten Versorgungssituation.

Aus Sicht von Landkreis und Klinikverbund geht damit auch das von der KVBW verfolgte Prinzip „digital vor ambulant vor stationär“ nicht auf. Wo ambulante Strukturen früher schließen, verlagere sich die Versorgung unmittelbar in die Klinik.

Hinzu komme, dass die geänderten Öffnungszeiten nach Einschätzung des KVSW bislang nicht flächendeckend kommuniziert worden seien. Für Familien führe dies zu zusätzlicher Unsicherheit. Gleichzeitig nähmen verbale Anfeindungen gegenüber den Beschäftigten der Kinderklinik zu. Der Klinikverbund sieht deshalb nicht nur bei den Öffnungszeiten und der öffentlichen Kommunikation, sondern auch beim Schutz seiner Mitarbeitenden dringenden Handlungsbedarf. „Die Entwicklung der vergangenen Wochen zeigt, dass unsere Sorge absolut berechtigt war“, sagt Landrat Roland Bernhard. Wenn an Wochenenden und Feiertagen durchschnittlich 14 zusätzliche Kinder in der Klinik versorgt werden müssten, bedeute dies eine erhebliche Mehrbelastung. „Kinder, Eltern und die Beschäftigten in der Kinderklinik dürfen nicht ausbaden, dass eine solche Entscheidung kurzfristig und ohne tragfähige Abstimmung umgesetzt wurde.“

Ärzteverband soll seiner Verantwortung nachkommen

Auch KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke fordert eine Kurskorrektur. Die Kinderklinik erfülle ihren Versorgungsauftrag mit großem Engagement, dürfe aber nicht zur Auffanglösung für Defizite in der ambulanten Versorgung werden. Die Kassenärztliche Vereinigung müsse deshalb ihrer Verantwortung nachkommen und den kinderärztlichen Notdienst an Wochenenden und Feiertagen wieder bis 20 Uhr anbieten. Darüber hinaus verlangen Landkreis und Klinikverbund, dass alle öffentlichen Informationskanäle zeitnah an die geltenden Öffnungszeiten angepasst werden.-gb-