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Kindgerechter romantischer Riesenspaß

Sie glänzt vom Scheitel bis zum Schühchen, sieht sanft aus, fröhlich und empfindsam – und er ist ein Zottel, grob und groß und ungewaschen, ein echtes Ungeheuer. Dass eine Schöne für ein Biest entbrennt und ganz sanfte Seiten auch in ihm entdeckt, das soll es auch im wahren Leben geben – allein: Auf der Bühne macht es sich viel besser. Vor allem, wenn dazu gesungen und getanzt wird wie am Freitag in der Herrenberger Stadthalle.

„Die Schöne und das Biest“ entdeckten in der Herrenberger Stadthalle tanzend und singend ihre Liebe GB-Foto: Holom

„Die Schöne und das Biest“ entdeckten in der Herrenberger Stadthalle tanzend und singend ihre Liebe GB-Foto: Holom

Belle, so heißt sie im Stück vielsagend, also die Schöne. Er heißt einfach nur: das Biest. Wandelt er sich zuletzt dank ihrer Liebe vom wilden Tier zum smarten Prinzen, ist der Fluch schließlich gebrochen, dann fällt ihm ganz gewiss auch wieder sein echter Name ein, denn „Das Biest“ – so heißt kein Prinz, das ist sehr sicher. Die Geschichte von der Schönen und dem Biest ist bekannt, regte Künstler, Dichter und Filmemacher immer wieder an zu Bearbeitungen. Berühmt ist Jean Cocteaus erste Filmversion des Stoffes von 1946, sehr viel später von Philip Glass vertont; berühmt auch ist Disneys Musical-Version von 1991, gespielt seither mit großem Erfolg an vielen Orten, auch im Stuttgarter Palladium-Theater, samt nachgereichter Trickfilm-Adaption von 2017. 19 mehr oder weniger freie Verfilmungen erlebte der Stoff, der auf ein französisches Volksmärchen zurückgeht, bereits.

Die Geschichte des
ungleichen Paares lebhaft inszeniert

Die französische Wurzel ist dem Stück geblieben, die Darsteller, die am Freitag auf der Herrenberger Stadthallenbühne stehen, greifen den Akzent der großen Nation gelegentlich ein bisschen auf und tragen Namen, die von dort kommen – Taurau, der Schlossbewohner, Schwester Caniche, Schlossbewohnerin Juliette, Schwester Crapaud oder Gerard. Aber sie lassen ihn auch stets bald wieder fallen, den Akzent, und singen klar und schön in ungetrübtem Deutsch.

Das Liberi Theater aus Bochum, spezialisiert auf Musicals vor allem für ein junges Publikum, hat die Geschichte des ungleichen Paars auf sehr lebhafte Weise inszeniert, eine Show der Kostüme, Tänze, der schmachtvollen, zaghaften, zärtlichen Lieder aus ihr gemacht. Freilich haben die Schöne und ihr Biest auch Feinde, freilich möchte manch einer, der außerdem vielleicht noch eifersüchtig ist, den Ungestalteten gerne zur Strecke bringen – und eigentlich ist das Biest, der Prinz, der in übler Gestalt Buße tut für alles Böse, das er tat und dachte, ja eben auch der Böse: Forderte er doch von einem Kaufmann, der die Rose pflückte, das Leben seiner Tochter als Pfand, verlangte, sie möge jeden Tag in des Biestes Schloss kommen, um mit ihm zu leben …

„Die Schöne und das Biest“ ist eine ungewöhnliche und unwahrscheinliche Liebesgeschichte, handelt romantisch schwärmend von Werten, die so tief innen liegen, dass man sie kaum sieht. Beim Tourneetheater Liberi wird ein kindgerechter romantischer Riesenspaß daraus: Die Kostüme, die Annette Pflägin schuf, sind märchenhaft und prunkvoll überzogen; die Schlossbewohner tanzen in üppig vergoldeten Roben und haben großen goldenen Kopfputz auf; die Schöne trägt ein zartes weißes Kleid und lacht voller Sonne; das Biest schaut stattlich aus und doch sehr dunkel, mit langem grobem, gut verfilzen Haar, aber ohne jede Reggae-Mütze.

Elisabeth Kirch ist die Schöne, Vladislav Weis ist das Biest; Markus Peters, Martina Pallinger, Alicia Wagner, Dennis Wilkesmann und Viktor Silvester Wendtner tanzen mit; Jana Flaccus führte bei der Wiederaufnahme des Stückes Regie. Zehn Lieder gehören zum Stück – und ganz zuletzt schließlich singt das vereinte, entzauberte Liebespaar gemeinsam „Wir sind ein Stern, sind uns nicht fern“.

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Erstellt:
3. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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