35-jährige Erfolgsgeschichte

„Man muss das Leben tanzen“

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35 Jahre lang gibt es nun das Tanzstudio Grasy. Das muss gefeiert werden: In der Mitte trägt Daniela Grasy ihre Schwiegermutter Theresia Grasy auf Händen. GB-Foto: Vecsey

35 Jahre lang gibt es nun das Tanzstudio Grasy. Das muss gefeiert werden: In der Mitte trägt Daniela Grasy ihre Schwiegermutter Theresia Grasy auf Händen. GB-Foto: Vecsey

„Man muss das Leben tanzen“ – als gerahmter Spruch im Eingangsbereich des Tanzstudios Grasy hängend – fordert die Besucher auf, die Freude am Tanzen in das tägliche Leben mitzunehmen und dieses spielerisch leicht, beschwingt und im Einklang mit dem (Tanz)Partner und der Musik zu gestalten. Oliver Grasy, der vor 35 Jahren im Alter von 24 Jahren „sein“ Tanzstudio in Gäufelden eröffnet hat, lebte dieses Zitat, das dem Philosophen Friedrich Nietzsche zugeschrieben wird, mit aller Konsequenz. Das Gymnasium verließ er gegen den eindringlichen Rat seiner Lehrer nach der 10. Klasse, um sich seinen Traum, Tanzlehrer zu werden, zu erfüllen. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Chefassistent in der renommierten Stuttgarter Tanzschule Burger-Schäfer. Eloquent, mit Leichtigkeit, Charme und einer gehörigen Portion Humor unterrichtete er seine Schülerinnen und Schüler. Eine Tätigkeit, die ihn mit Freude erfüllte. Doch rasch stellte sich der Wunsch nach Selbstständigkeit ein: Eine eigene Tanzschule sollte es sein.

Hans Schwarz, ehemaliger Hauptamtsleiter der Gemeinde Gäufelden, wusste um freie Räume in der Siedlerstraße in Nebringen. Oliver Grasy ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und gründete seine Tanzschule. Der stets freundliche und kommunikative Jungunternehmer konnte auf einen großen Unterstützerkreis bauen. Ob in der Tanzassistenz oder im Service, die Tanzformation, die Oliver Grasy in Herrenberg geleitet hatte, folgte ihrem Trainer. Damals gehörte auch Daniela „Dani“ Schroff zur Formation und Helfertruppe. Einige Jahre später wurde sie seine Frau. Die „Dorftanzschule“, wie sie anfänglich von den städtischen Schulen belächelt wurde, fand großen Zuspruch. Rückblickend erklärt Daniela Grasy: „Meinem Mann war es immer wichtig, dass in der Tanzschule Geselligkeit und Austausch stattfindet. Die Besucher sollen nicht nur zum Tanzen kommen, sondern sich vor und nach dem Unterricht dort wohlfühlen und in einem ansprechenden Ambiente Gelegenheit zum Austausch miteinander und zum Abschalten haben. Mit seinem Tanzstudio wollte er einen Ort der Auszeit vom Alltag schaffen.“ Der Plan ging auf. Bereits fünf Jahre nach der Eröffnung des Studios waren die Mieträumlichkeiten zu klein. Seit 1996 befindet sich das Tanzstudio in den eigenen Räumen in der Raiffeisenstraße. Daniela Grasy ist seit dieser Zeit als Lebens- und Geschäftspartnerin mit von der Partie.

„Es sind zwar 35 Jahre vergangen, aber es fühlt sich alles noch so an, als ob es gestern gewesen ist“, stellt sie fest und lässt eine Flut an Erinnerungen Revue passieren: „Als wir hier anfingen, haben wir noch mit Schallplatten – LPs oder Singles – unterrichtet. Später wurden diese von CDs abgelöst, gefolgt von MP3-Playern, die auf 40 000 Titel zurückgreifen können. Früher versendeten wir unsere Programme mit der Post, heute läuft die gesamte Anmeldung über die Homepage. Aber auch unser Angebot hat sich stark verändert. Anfänglich gab es ausschließlich Paarkurse und Tanzkreise, mittlerweile sind wir auch im Kinder- und Jugendbereich sehr gut aufgestellt: Hip-Hop, Dance4Fans und Videoclips sind sehr beliebte Angebote, die sehr gut genutzt werden. Hinzu kommt die regelmäßige Teilnahme am ZDF-Fernsehgarten, bei Wettbewerben und sogar bei Weltrekordversuchen.“

Das Tanzstudio durchlief in den vergangenen Jahren auch etliche Tiefen: Neben der Corona-Pandemie musste der unerwartete Tod des Gründers Oliver Grasy im Jahr 2022 bewältigt werden. Doch auch in den schwärzesten Stunden standen Freunde und Tänzer zusammen und unterstützten Witwe und Unternehmen mit Rat und Tat.
Jetzt – vier Jahre nach dem tragischen Verlust – ist Daniela Grasy zuversichtlich: „Ich freue mich auf das Jubiläum am kommenden Wochenende. Ich möchte alle Menschen hier in den Räumlichkeiten zusammenbringen: Junge und Alte, Tänzer und Nichttänzer, Jetzige und Ehemalige, alle, die mit uns jemals verbunden waren und solche, die noch dazukommen werden.“ Das Programm des Jubiläumswochenendes umfasst zwei Hip-Hop-Workshops für Kinder unterschiedlichen Alters, einen für Linedance, sowie solche für Paartanz, bei denen Salsa und Discofox im Fokus stehen. Ein Tanzabend mit der Band „Gentlemen Jack“ beschließt den Abend. Am Sonntag gibt es ab 11 Uhr Leckeres vom Grill. Nachmittags sind diverse Tanzvorführungen geplant, ehe das Jubiläum mit einer Party beschlossen wird, bei der das Duo „Backtrack“ spielt.

Daniela Grasy sieht das Unternehmen gut aufgestellt und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Tanzlehrerin Lisa Grimm arbeitet in Vollzeit, ist „ganz am Puls der Zeit“ und setzte unter anderem mit Linedance neue Impulse. Sie erfährt Unterstützung von dem „jungen Team“, dessen drei Mitglieder sich gerade in Ausbildung befinden. Für die zahlreichen Unterstützer steht stellvertretend Michael Eitelbuß, der quasi zum Inventar gehört.

Langfristig beabsichtigt die Unternehmerin, im Bereich Kindertanz etwas kürzerzutreten. Als Förderin und Ratgeberin wird sie weniger im Tagesgeschäft agieren und trotzdem den Kinder- und Jugendbereich intensiv begleiten. In ein paar Jahren möchte sie sich auf Paarkurse und Tanzkreise fokussieren und hauptsächlich mit jenen Tanzschülern arbeiten, mit denen sie gemeinsam gereift ist. Denn auch heute noch kommen Tanzfreudige, die von Anfang an dabei sind, zu Kursen ins Tanzstudio. Daniela Grasy blickt mit großer Dankbarkeit auf die letzten 35 Jahre. „Ohne mein ganz, ganz tolles Team wäre das nie zu schaffen gewesen.“ Das Leben wird weiterhin getanzt werden.

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Erstellt:
08.05.2026, 00:00 Uhr