Meisterfeier in der Video-Konferenz

Nach nicht einmal einem Jahr in der Bezirksliga ist die Rückkehr der SG H2Ku Herrenberg II in die Landesliga perfekt. Aufgrund des Saisonabbruchs durfte der Absteiger und aussichtsreichste Titelkandidat vorzeitig die Meisterschaft feiern – unter besonderen Bedingungen.

Jeder für sich und doch alle gemeinsam: Das Meisterbier ließen sich die Männer der SG H2Ku Herrenberg II nicht nehmen GB-Foto: gb

Jeder für sich und doch alle gemeinsam: Das Meisterbier ließen sich die Männer der SG H2Ku Herrenberg II nicht nehmen GB-Foto: gb

„Ich kannte so eine Situation nicht und wüsste nicht, ob jemand so etwas überhaupt schon mal jemals erlebt hätte“, rekapituliert Meistertrainer Florian Falk die Meisterfeier seiner Mannschaft, deren Spieler sich dazu vor den eigenen Bildschirmen getroffen haben. Über ein Konferenz-Chat-Programm prosteten sich die Männer zu. „Die Meisterfeier war surreal“, sagt Falk. „Handball ist ein Mannschaftssport. Wir leben davon, untereinander zu sein. Das fehlt jedem im Moment.“ Gerade deshalb sei die Feier vor dem Bildschirm zwar skurril, aber dennoch auch schön gewesen. „In der Kompaktheit waren wir ja seit Wochen nicht mehr zusammen und deshalb haben wir schon ausgelassen und in einer angenehmen Atmosphäre gefeiert, nur eben jeder für sich.“

Dass die Meisterschaft dank des Saisonabbruchs feststeht, sieht Trainer Falk zwiegespalten: „Ich hätte gern sagen können, dass wir es rein sportlich geschafft haben. Aber man muss auch sehen: Wir waren über die Saison gesehen die spielbestimmende Mannschaft in dieser Liga, verdient ist der Aufstieg deshalb allemal.“ Zudem ist es nun ohnehin müßig, sich über das Wie Gedanken zu machen. Das Ziel ist erreicht: „Klar, die Jungs freuen sich, dass das durch ist und wir in gewisser Form eine Planungssicherheit für nächstes Jahr haben. Wir haben unser Ziel erreicht, wir spielen nächstes Jahr dort, wo wir hinwollen“, sagt Falk. „Insofern ist uns das lieber, als eine Annullierung der Saison. Das wäre heftiger für uns gewesen als die Tatsache für Renningen, dass sie jetzt durch den Abbruch nicht mehr die Chance haben, aufzusteigen.“ Tatsächlich hätten die Renninger die SG H2Ku II noch einholen können, die noch ein schweres Auswärtsspiel in Calw vor sich gehabt hätten, zudem hätten beide Teams noch gegeneinander gespielt. Der Drei-Punkte-Vorsprung nach dem letzten der am Ende 17 Spiele der Herrenberger hätte im direkten Duell gefährlich schmelzen können.

Letztlich hat kein Team über die gesamte Saison so konstante Leistungen gebracht wie die Herrenberger Zweite, die am Ende bei 13 Siegen und drei Unentschieden nur eine Niederlage verkraften musste – im Derby bei der SG Nebringen/
Reusten. Bei einem Sieg gegen die Renninger im eigentlich für den 22. März angesetzten direkten Aufeinandertreffen hätte die SG H2Ku II dank ihrer Vorarbeit im Lauf der Saison schon deutlich früher als zu diesem Zeitpunkt Meister werden können. Doch tatsächlich wirkte die Mannschaft in den vergangenen Wochen zunehmend wackeliger. „Wir hatten eine leichte Schwächephase am Ende, aber das war in gewisser Weise eingeplant“, gibt Florian Falk zu, der überzeugt ist, dass die Mannschaft wieder in die Spur gefunden hätte. „Wir hatten im Rückblick ja immer wieder die Situation, dass unterschiedlich viele Spiele gespielt waren, und waren nur deshalb nicht von vornherein auf Rang eins. Aber solang wir die gleiche Anzahl an absolvierten Spielen hatten wie andere Mannschaften, waren wir immer vorn.“

Man könne die Meisterschaft also als Start-Ziel-Sieg betrachten. Nach holprigem Beginn und einem knappen 19:18-Sieg über die SG Nebringen/Reusten steigerte sich die SG H2Ku II zum lange Zeit unschlagbaren Klassenprimus, der aber oft mit einem blauen Auge davonkam. Kantersiege wie beim 28:19 gegen die HSG Schönbuch waren eher die Ausnahme als die Regel. Am Selbstverständnis der Mannschaft, die unbedingt zurück in die Landesliga wollte, änderte das aber nichts. Von Schwächephasen innerhalb der Spiele ließ sie sich meist nicht aus der Ruhe bringen und darf sich nun über die Rückkehr auf die HVW-Ebene freuen.

Wann und wie die neue Saison startet ist längst nicht klar, Florian Falk freut sich dennoch, nun Planungssicherheit zu haben. Der Kader sei ohnehin schon zu 90 Prozent beisammen gewesen. Den einen oder anderen Spieler, der seine Zusage an den Landesliga-Aufstieg geknüpft hatte, könne man nun kontaktieren. „Allerdings wissen wir ja nicht, wann wir in die Vorbereitung starten können, das ist alles sehr, sehr vage.“ Dass seine Spieler dann, wenn es wieder losgeht, nicht mehr fit sind, befürchtet der Trainer nicht. „Das dürfte kein Problem sein, aber bis es vom Teamgefüge, von der handballtechnischen Athletik und vom Spielerischen dann wieder auf dem richtigen Level sein wird, dürfte es eine Weile dauern.“

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Erstellt:
24. April 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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