„Miserables Management“ bei Ammertalbahn-Fahrzeugen: Zweckverband kritisiert Deutsche Bahn scharf
Herrenberg/Tübingen: Zweckverband ÖPNV im Ammertal kritisiert die Deutsche Bahn scharf. Viele Verbindungen fallen wegen Fahrzeugmangels aus.
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Die ausfallenden Züge werden durch einen „Busnotverkehr“ ersetzt. GB-Foto (Archiv): Vecsey
Nachdem sich mit der Einführung des Inselbetriebes zum Fahrplanwechsel Dezember 2024 die Pünktlichkeitswerte sowie die Ausfallquote im Jahr 2025 auf einem sehr guten Niveau eingependelt hatten, kommt es bei der Ammertalbahn seit dem 7. Januar zu einem deutlichen Qualitätsverlust in den Hauptverkehrszeiten und Zugausfällen, verursacht durch eine angespannte Situation der Fahrzeugverfügbarkeit beim Verkehrsunternehmen DB Regio. Auch in den vergangenen Tagen sind zahlreiche Verbindungen ausgefallen.
Aufgrund des Inselbetriebs im Ammertal und dem seit Fahrplanwechsel aufgenommenen 30-Minuten-Takts auf der Ermstalbahn hat sich der Fahrzeugbedarf im Netz 18 erhöht. Hierzu wurden bereits bis Anfang März 2026 vorübergehend Verbindungen gestrichen, die dazu beitragen, dass grundsätzlich ausreichend Fahrzeuge für dieses Betriebskonzept inklusive Reserve zur Verfügung. Bei außerplanmäßig erhöhtem Störgeschehen wie wegen der kalten Witterung in den letzten Tagen wirkt der erhöhte Bedarf aber auf die Fahrzeugverfügbarkeit aus. Neben den hohen Schadständen kommen verlängerte Werkstattzuführungen durch die großen Infrastrukturbaumaßnahmen im Bahnhof Ulm hinzu, was zu Überführung der Triebwagen der Ammertalbahn bis nach München zur Instandhaltung führt. DB Regio reagiert auf die angespannte Situation mit ausgeweiteter Instandhaltung und teilweise dem Einsatz alternativer Fahrzeuge mit weniger Kapazität auf der Ammertalbahn, um Komplettausfälle zu vermeiden, ist aber nicht in der Lage, geeignete Kompensationsmaßnahmen bereitzustellen und die verkehrsvertraglichen Pflichten zu erfüllen.
„Dass nun das durch den Inselbetrieb mühsam wiedergewonnene Vertrauen in die Ammertalbahn durch das miserable Fahrzeugmanagement von DB Regio erneut zerstört wird, ist absolut inakzeptabel“, äußert sich der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands, Landrat Dr. Hednrik Bednarz, zur aktuellen Situation, „den berechtigten Frust der Fahrgäste müssen nun die Mitarbeiter des Zweckverbands aushalten, obwohl die Ursache in der Verantwortung von DB Regio liegt.“ Weiter wird der Zweckverband auf die für die mit der verkehrsvertraglichen Abwicklung federführend beauftragte Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zugehen und sie auffordern, ausdrücklich auf die priorisierte Einhaltung des Verkehrsvertrags hinzuwirken. Der Zweckverband und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg sind in ständigem Austausch mit DB Regio, damit baldmöglichst der bestellte Fahrplan wieder zuverlässig gefahren wird. Voraussichtlich bis Freitag, 16. Januar, kommt es zu weiteren Ausfällen.
Der von DB Regio für die kurzfristig ausfallenden Leistungen eingerichtete Busnotverkehr verkehrt aufgrund der deutlich längeren Fahrzeiten auf der Straße nicht zu denselben Abfahrtszeiten wie die Züge. Bei kurzfristig eingesetztem Busnotverkehr können keine geplanten Abfahrtszeiten veröffentlicht werden, da die Situation von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel Anzahl der zur Verfügung stehenden Busse, Anzahl und zeitliche Lage ausfallender Züge abhängig ist. Daher wird ab Donnerstag, 15. Januar, ein zusätzlicher Bus – koordiniert durch einen Reisendenlenker des Zweckverbandes – insbesondere zur Sicherung der morgendlichen Schülerverbindungen fahren.
Ab Montag, 19. Januar, können nach aktuellem Stand wieder alle Leistungen gefahren werden. Ein Ersatzkonzept mit Bussen insbesondere zur Sicherung der Schülerverbindungen wird bis zur Stabilisierung der Fahrzeugverfügbarkeit als Rückfallebene ab Montag dennoch eingerichtet und in den Auskunftsmedien veröffentlicht.
Informationen zu etwaigen Ausfällen werden kurzfristig über die Anzeiger an den Bahnsteigen, auf Instagram und unter www.ammertalbahn.de veröffentlicht.
Der Zweckverband und DB Regio seien sich der Problematik in vollem Umfang bewusst, die seit Schulbeginn zu beinahe täglichen Ausfällen für die Fahrgäste führt, und arbeiten mit Hochdruck daran, kurzfristig Abhilfe zu schaffen, heißt es in einer Pressemitteilung des Zweckverbands. Der Zweckverband und DB Regio bedauern die verkehrlichen Einschränkungen ausdrücklich. -gb-