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Mit den Leuten ändert sich das Konzept

Nicht wirklich langsam, sondern ziemlich schnell fällt nun im Jugendhaus ein Puzzlestück zum anderen. Am morgigen Freitag, 12. Juli, beginnt an der Schießmauer zum dritten Mal das „Feschtiwaal“, das kleine Update des großen 48er-Festivals. Das Gelände um das Jugendhaus wird sich wieder in einen Park lokaler Musikgrößen, eine Party von familiärer Gemütlichkeit verwandeln.

Mit den Leuten ändert sich das Konzept

Das „Feschtiwaal“ (hier eine Szene aus dem Jahr 2018) ist quasi der jüngere 48er-Bruder GB-Foto (Archiv): Holom

Das Plakat strahlt wie die Sonne; darauf stehen die Namen von 22 Bands, Interpreten oder DJs. Das „Feschtiwaal“ etabliert sich langsam, kommt in sein drittes Jahr und bleibt dabei frisch und unverbraucht. Das Orgateam des Festivals besteht aus wenig mehr als einem Dutzend Personen und müht sich. Im Jahr 2019 hat dieses Team einen großen Vorteil: Das Jugendhaus wurde in den vergangenen Wochen bereits üppig mit Musik bespielt. „Letzte Woche“, sagt Martin Hering, Sozialpädagoge im Haus, „spielte Marsimoto hier, vorletzte Woche war das ’Fuchs und Hase’. Wir hatten praktisch vier Wochen Festival mit einer Pause.“

Das bringt Vorteile mit sich für die Macher des „Feschtiwaals“: Grundlegendes ist schon erledigt, das Gelände bereits tauglich strukturiert. Außerdem: „Fuchs und Hase“ ist ein Festival, das seine elektronischen Klänge gerne schmückt. Einen Teil ihres Schmucks haben „Fuchs und Hase“ dagelassen an der Schießmauer: „Viele schöne Holzelemente“, sagt Imre Asch, der den Überblick hat bei den Organisatoren. Er spricht von einer Aussichtsplattform, einem sogenannten Wurmloch, einer Schaukel – Dinge, die ihren Teil dazu beitragen werden, das „Feschtiwaal“ ein bisschen entspannter und verrückter zu gestalten.

Die Planung des musikalischen Programms lag in den Jahren zuvor vor allem bei Joris Rose; in diesem Jahr teilt er sich diese Aufgabe mit Yannick Supper. Er empfiehlt Die Grüne Welle, eine Punkrockband mit Rap und Saxofon, die aus Ludwigsburg anreist und gerne mit Seifenblasen hantiert, im Vorprogramm bekannter deutscher Livebands auftrat und sich selbst schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt hat. Als letzte Band wird sie am Samstag auf der Außenbühne spielen. Ein Highlight, nicht zum ersten Mal, werden auch Yi1 sein, die in der Freitagnacht ab 3 Uhr im Innern des Hauses ihren Live-Techno aufführen – Publikumslieblinge seit jeher, „supertoll“, schwärmen die Macher des Festivals. Simeon, zwischen Funk und Pop und aus Stuttgart, sorgen am Samstag nach Mitternacht für Stimmung im Innern; noch vor ihnen sind Laysy zu hören, erfahren, aber neu gegründet vor allem aus Mitgliedern der älteren Herrenberger Band Trölf – ein Kult aus dem Gäu, der bislang nur wenige Konzerte spielte – eines im heimischen Hinz und Kunz, eines, dem Vernehmen nach, im fernen Hamburg.

Das fünfte Element ist eine Herrenberger Band, die unter der Ägide des Gitarrenlehrers Thomas Rose entstand und sich neu benannte – Cry Blockade hieß sie früher, Rockmusik spielt sie noch immer. Fatefil Finality aus Weil der Stadt toben ihren Trash-Metal am Freitag vor Mitternacht auf der Innenbühne des Jugendhauses, die an diesem ersten Abend wie immer härteren Stilen gehört. Am Samstag soll sich das ein wenig verschieben, sollen die Vibrationen auch unterm freien Himmel etwas massiver werden mit Punkern wie Die Siffer oder Gaffa, die in Herrenberg ihre neue CD vorstellen.

Rock und Pop mit Synthesizern wird das Festival beschließen am Samstag auf der Innenbühne mit „ok. danke. tschüss“, einer Band aus Mannheim, die gerne pastellfarbene Polohemden trägt. Drum herum, an beiden Tagen, tummeln sich auf beiden Bühnen musikalische Artisten, deren Namen alleine schon neugierig machen: Fahrradsattel heißen sie, Blaucrowd Surfer, The Bottles, Pure Sickness, Wortlaut oder The Sonic Spy.

„Wir haben viele Klassiker aus den letzten Jahren wieder geholt“, sagt Yannik Supper. Einige Bands allerdings kommen auch zum ersten Mal nach Herrenberg – Headphonemusic aus Vaihingen/Enz zum Beispiel, die Bläser mit sich führen, Reggae spielen und daran glauben, dass Musik die Gesellschaft verändern kann – am frühen Freitagabend unterm freien Himmel.

Ein gedrucktes Programm, das durch die Vielfalt führt, wird der Besucher des Festivals vergeblich suchen. Orientierung werden Plakate bieten. Rund 1500 Besucher kamen in den beiden ersten Jahren des „Feschtiwaals“ zum Jugendhaus. Mit einem ähnlich großen Publikum rechnen die Organisatoren auch 2019. Das 48-Stunden-Fest, das an zwei Tagen regelmäßig mehr als 10000 nach Herrenberg holte, ist dabei noch immer nicht begraben. „Ein formales Ende für das 48er“, sagt Martin Hering, „wird es auch wohl kaum geben. Der Name hat sich geändert, das ’Feschtiwaal’ wird von anderen Leuten auf die Beine gestellt, und mit den Leuten ändert sich immer auch ein wenig das Konzept.“

Hauptsache also: Es geht weiter und das Herrenberger Jugendhaus bleibt musikalisch, kreativ. Ideen, das Festival weiter umzugestalten, interaktiver, politischer aufzuziehen, mit Workshops, Vorträgen, gibt es, im Orgateam. Aber solche Ideen, sagt Imre Asch, brauchen ihre Zeit. Das „Feschtiwaal“ 2019 wächst ambitioniert und schaut vertrauensvoll in die Zukunft.

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Erstellt:
13. Juli 2019, 11:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Juli 2019, 11:00 Uhr

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