„Mit jeder SG verlieren wir eine Mannschaft“
„Was uns Probleme macht, sind nicht die Spieler, die ausrasten, sondern Zuschauer, die Spielabbrüche provozieren“, machte Bezirksspielleiter Helmut Dolderer beim Staffeltag des Fußballbezirks Böblingen/Calw in der Emminger Fritz-Ziegler-Halle deutlich.
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Bezirksvorsitzender Richard Armbruster: Vereine haben eine „Vorbildrolle“ GB-Fotos: Priestersbach
Fußball: Die unterschiedlichen Staffelgrößen in der B-Liga nehmen Vereine im Bezirk nicht klaglos hin
Bei diesem Thema müsse man künftig ansetzen – „damit es im Außenbereich wieder ruhiger wird“, so Dolderer (Wildberg) mit Blick auf die fünf Spielabbrüche in der vergangenen Saison 2018/19. In die gleiche Kerbe schlug anschließend auch Schiedsrichter-Obmann Erich Frey. Wenn die ebenso gängigen wie unflätigen Beleidigungen der Schiedsrichter durch die Zuschauer weitergehen, dürfe man sich nicht wundern, wenn vor allem die jüngeren Unparteiischen keine Lust mehr haben.
Von einem „ganz schwierigen Terrain“ spricht Bezirks-Chef Richard Armbruster (Bondorf) in diesem Zusammenhang. In erster Linie seien die Vereine für die Zuschauer verantwortlich – und da müssten eben auch die Ordner rechtzeitig eingreifen. Allerdings kann der Bezirksvorsitzende auch die Trainer nicht aus ihrer „Vorbildrolle“ entlassen.
Einige fühlen sich als „Verein
zweiter Klasse“ behandelt
Ein nicht minder vermintes Terrain bildete jetzt in Emmingen die Staffeleinteilung in der B-Liga, der untersten Spielklasse. Wie Jörg Mast von der Spvgg. Bad Teinach-Zavelstein – auch im Namen von sechs weiteren Vereinen der Kreisligen B1 und BII – feststellte, bewege man sich mit einer Staffelgröße nur von elf Mannschaften „sportlich und wirtschaftlich unter dem Existenzminimum“. So spiele Bad Teinach-Zavelstein jetzt bereits im dritten Jahr in einer „Mini-Staffel“ mit gerade mal zehn Heimspielen in einer Saison – und er komme sich als „Verein zweiter Klasse“ vor. Dies vor allem im Vergleich mit den zweiten Mannschaften in den anderen B-Staffeln, die immer das Vorspiel ihrer ersten Mannschaften bestreiten, was zulasten der BI und BIII gehe. Kritisch äußerte sich ebenfalls Timo Thal vom TSV Haiterbach zur aktuellen Staffeleinteilung. In der Kreisliga BV müsse die zweite Garnitur aus Haiterbach große Entfernungen absolvieren, während es in der Kreisliga BI viele Derbys gegeben hätte.
Wie Richard Armbruster dazu anmerkte, könne es für die kommende Saison keine Änderungen im Spielgefüge mehr geben, doch für die Spielzeit 2020/21 werde der Bezirk eine neue Abfrage unter den Vereinen vornehmen. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass dem Bezirk unter anderem durch die Bildung von Spielgemeinschaften einige Mannschaften abhandengekommen seien. Und wieder einen Reservespielbetrieb auch auf A-Liga-Ebene einzuführen, wäre in seinen Augen ein Rückschritt. Mit Blick auf die künftige Verbandsstruktur machte er deutlich, dass man derzeit im Bezirk mit 84 Vereinen und 152 Mannschaften noch handlungsfähig sei. Doch ohne Nachschub aus der Jugend würden etliche Vereine in Zukunft Probleme bekommen – und Armbruster gab zu bedenken: „Mit jeder Spielgemeinschaft verlieren wir eine Mannschaft.“ Klar diente der Staffeltag jetzt auch der Rückschau auf die abgelaufene Saison. So erinnerte Helmut Dolderer an die 1804 Begegnungen, die in der Spielzeit 2018/19 absolviert wurden. Die Relegation ist nach wie vor ein echter Publikumsmagnet. Wie Dolderer berichtete, wurden alleine in den bezirksinternen Relegationsspielen rekordverdächtige 5000 Zuschauer gezählt. Ein dickes Lob gab es für den SV Bondorf, denn mit rund 3000 Zuschauern beim Relegationsspiel zur Verbandsliga zwischen dem VfL Nagold und dem TSV Heimerdingen wurden die Erwartungen weit übertroffen. „Das war so nicht abzusehen, aber der SV Bondorf hat das mit vier Kassen gut gemeistert“, erklärte Dolderer.
Über den bunten Strauß an Regeländerungen informierte Schiedsrichter-Obmann Erich Frey. Ein Problem sieht er vor allem darin, dass die Neuerungen erst Ende Juni bekanntgegeben wurden – und am 1. Juli hat bereits die neue Saison begonnen. Vor diesem Hintergrund geht Erich Frey davon aus, dass beim Saisonstart 70 bis 80 Prozent der Unparteiischen geschult sein werden.
In diesem Zusammenhang malte er ein düsteres Bild von der Zukunft der Spielbesetzungen. Denn die älteren Schiedsrichter, die auch schon mal über 50 Spiele pro Saison pfeifen, die gebe es bald nicht mehr – und dann könne es eben passieren, dass in der B- oder A-Liga keine Schiedsrichter mehr kommen. Vor diesem Hintergrund müsste die Gewinnung von Unparteiischen in den Vereinen zur „Chefsache“ gemacht werden. Der nächste Staffeltag 2020 findet in Neuweiler statt.
Helmut Dolderer zeichnet SV Oberjesingen (Rolf Österlen) als bester Pokal-Verein der B-Liga aus)