Mit viel Herzblut, Achtsamkeit und Klarheit

Der Herrenberger Dekan Eberhard Feucht bezeichnet sie als „die Konstante und das herzvolle Gedächtnis der Kirchengemeinde Breitenholz“. Was will man mehr zum Engagement einer Frau sagen, die allein 40 Jahre den Vorsitz im Kirchengemeinderat innehatte? Für ihre Verdienste im Ehrenamt erhielt Inge Eißler von der Landeskirche nun die Johannes-Brenz-Medaille.

Dekan Eberhard Feucht bedachte Inge Eißler (Mitte) mit der Brenz-Medaille. Links Pfarrerin Christine Knoll GB-Foto: Vecsey

Dekan Eberhard Feucht bedachte Inge Eißler (Mitte) mit der Brenz-Medaille. Links Pfarrerin Christine Knoll GB-Foto: Vecsey

Eine Auszeichnung, die nicht aller Tage vergeben wird, und genauso wenig „alltäglich“ sind die Verdienste von Inge Eißler. 42 Jahre lang saß sie im Kirchengemeinderat, davon vier Jahrzehnte als dessen Vorsitzende. In all den Jahrzehnten hat die Kirchengemeinderätin etliche Pfarrer und Dekane kommen und gehen sehen. Als Inge Eißler 1977 in den Breitenholzer Kirchengemeinderat gewählt wurde, stand die neu aufgestellte Gruppe gleich vor einer schwierigen Situation. Die Pfarrstelle war nicht besetzt. „Wir sind damals mit lauter jungen Leuten gestartet, die Vorgänger hatten alle aufgehört. Wenn kein Pfarrer da ist, gibt es viel zu tun“, erinnert sich die heute 73-Jährige. Die Vakatur sollte bis 1979 andauern, erst da bekam der kleine Ort am Schönbuchrand einen neuen Pfarrer. Inge Eißler kam Anfang der 70er Jahre zuerst nach Altingen, wo sie ab 1971 als Lehrerin an der Grund- und Hauptschule unterrichtete. Später wurde Inge Eißler dort stellvertretende Schulleiterin. Eine Schule, die sich mit dem sogenannten „Altinger Konzept“ einen Namen machen sollte. Seit 2009 befindet sich die Breitenholzerin nun schon im Ruhestand.

Vor Ort präsent sein, aber auch den Blick fürs Ganze im Auge haben

Oder sollte man besser von einem „Unruhestand“ sprechen? Denn das Engagement von Inge Eißler zog und zieht weite Kreise über den eigenen Kirchturm hinaus. Als Kirchengemeinderätin saß sie jahrelang im Kirchenbezirksausschuss. Inge Eißler war mit Pfarrern und Dekan Eberhard Feucht in einem Boot, half mit, Prüfungsregeln fürs Vikariat aufzustellen und deren Prüfungspredigten zu bewerten. Am vorletzten Pfarrplan feilte Sie ebenfalls mit. Momentan gehört die 73-Jährige zu einem Team um Eberhard Feucht, das die Gremien der Kirchengemeinden besucht und sich fragt wie „Kirche“ weitergestaltet werden kann. „Vor Ort ganz präsent zu sein, aber dann auch den Blick für das Ganze zu haben, zeichnet sie aus“, betont Eberhard Feucht in seiner kleinen Laudatio. Der Dekan schlägt gerne die Brücke vom Namensgeber der Medaille zur ehemaligen Lehrerin. Lag doch auch Martin Luthers Mann für Württemberg, dem Reformator Johannes Brenz, die Bildung der Jugend am Herzen. Der sorgte etwa dafür, dass auch Mädchen eine Schule besuchen durften.

Inge Eißler streckte ihre Fühler auch immer wieder nach Herrenberg aus. Lange Jahre brachte sie sich im Leitungskreis des ehemaligen Haus der Begegnung ein. „Mit dem neuen Diakon Johannes Söhner hätte ich gerne weitergemacht, aber ich musste abspecken“, erzählt Inge Eißler, zumal sie im vergangenen Jahr beim Ammerbucher Bezirksseniorenrat gefragt war und als neue Vorsitzende in die Fußstapfen von Roland Ensinger trat. Der Blick der Inge Eißler gehört vor allem aber dem Dorf und seinen Leuten. Mit dem Kirchengemeinderat und der Kirchengemeinde galt es im Lauf der langen Jahre so einige Projekte zu stemmen. Etwa die beiden Renovierungen des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Turms der Wendelinskirche. Oder aber die Innensanierung der Kirche. Da galt es viel zu koordinieren, allein schon wegen der vielen Handwerker. Bereits 1990 übernahm ein Team um Inge Eißler den kirchlichen, aber offenen Seniorenkreis. Wie viele Stunden der Kirchengemeinderat mit seiner Vorsitzenden allein in das Gemeindehaus gesteckt hat, kann kaum einer zählen. Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit als Kirchengemeinderätin wurde das Gemeindehaus geplant und gebaut. Das Pfarrhaus wurde verkauft. Bauangelegenheiten haben Inge Eißler schon immer gereizt. Noch wichtiger waren ihr aber die Menschen. „Obwohl man viele Gebäude planen und schaffen musste, darf man die Menschen nie aus den Augen verlieren. Kirche muss nahe bei den Menschen sein“, bekräftigt sie. Inge Eißler ist aber auch noch bei einem Verein mit dabei, der sich für einen Bürgersaal starkmacht und sich um die Ortsgeschichte kümmerte. Der Verein Bürgerhaus Breitenholz wird von Inge Eißlers Ehemann geleitet. So war sie maßgeblich am Erscheinen zweier Bände zur Ortshistorie beteiligt: „Die Scheunen duften von Heu“ und „Breitenholz von der Eiszeit bis zur Neuzeit“.

Die 73-Jährige hilft auch in einem Team des Vereins mit, das Kaffeenachmittage mit Kulturprogramm im Gemeindehaus anbietet. Eberhard Feucht bezeichnet die ehemalige Lehrerin als „Meisterin des Wortes“. Auf diese Gabe kann sich bis heute auch Pfarrerin Christine Knoll verlassen, ob es sich nun um Protokolle und Dankesbriefe oder Infobroschüren handelt. „Das alles muss schön gestaltet und immer genau sein“, hat die Pfarrerin von Inge Eißler gelernt. Derweil stehen im kleinsten Ammerbucher Teilort große Veränderungen ins Haus, ob dies nun die Sanierung des Gemeindehauses oder die Ortskernsanierung sind. Eine dieser Veränderungen wird auch die halbe Pfarrstelle betreffen. Die wurde eigentlich schon 2018 eingespart, fällt aber erst weg, wenn sich Christine Knoll in den Ruhestand verabschieden wird. Breitenholz und Entringen werden enger zusammenrücken, sich die Pfarrstelle teilen, so wie es Altingen und Reusten schon lange tun. „Die Zusammenarbeit mit Entringen wird einen breiten Raum einnehmen“, weiß Inge Eißler. Einen gemeinsamen Gemeindebrief, eine gemeinsame Homepage gebe es schon. Obwohl man Inge Eißler in der Zwischenzeit aus dem Kirchengemeiderat ziehen ließ, wird ihre Erfahrung und Genauigkeit, ihre Achtsamkeit und Klarheit weiter gefragt sein. „Ich habe mit Freude in der Kirchengemeinde und im Kirchenbezirk mitgearbeitet. Ich werde das weiterhin im kleineren Rahmen tun“, verspricht Eißler. Wichtig wäre ihr, dass es in der Kirchengemeinde so weitergehe. Die Breitenholzer seien sehr eng mit ihrer Kirche verbunden.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Juni 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 43sec

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.