Naturerlebnis soll im Vordergrund stehen

In ihrer Semesterarbeit beschäftigten sich drei Studentinnen der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg im Studiengang „Nachhaltiges Regionalmanagement“ mit dem Thema „Overtourism am Schönbuchturm? Die Sicht von Besuchern und Anwohnern“. Dazu führten sie Besucherzählungen und eine Online-Umfrage durch.

Der Schönbuchturm bietet spannende Ausblicke GB-Foto: gb

Der Schönbuchturm bietet spannende Ausblicke GB-Foto: gb

Im Mai führten die Studentinnen Sonja Chrapko, Alena Neumann und Lea Zeltner an einem Wochentag, an einem Sonntag und an Christi Himmelfahrt Besucherzählungen an drei Standorten rund um den Schönbuchturm durch. „Wir wollten ermitteln, wie stark der Turm besucht ist und welche Auswirkungen sich dabei zeigen“, so die Studentinnen.

Die Ergebnisse seien zwar nicht repräsentativ für den allgemeinen Betrieb am Turm, weisen aber auf mögliche Tendenzen hin, aus denen wiederum Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. In einer Online-Umfrage befragten sie im Juni zusätzlich Besucher und Anwohner zu ihren Erfahrungen mit dem Schönbuchturm. Das Amt für Wirtschaftsförderung und Kultur unterstützte die Umfrage: „Wir wollen daraus auch Rückschlüsse für unsere Arbeit ziehen“, sagt Gisela Grandinetti, Mitarbeiterin beim Amt für Wirtschaftsförderung und Kultur.

Die Zählungen ergaben, dass am Sonntag 795 Besucher am Schönbuchturm anzutreffen waren. Unter der Woche waren die Zahlen wesentlich geringer: Lediglich 120 kamen zu dem Aussichtsturm. Die meisten Besucher wurden jedoch an Christi Himmelfahrt gezählt: 880 Menschen besuchten den Schönbuchturm. Nahe dem Turm verweilten die Besucher bis zu 1,5 Stunden auf Steinen, Holzbänken oder auf Picknickdecken. Dabei fielen auch störende Faktoren auf, wie herumliegender Müll, zu wenig Fahrradständer oder ein hoher Geräuschpegel.

Im Juni veröffentlichten die Studierenden eine Online-Umfrage, an der über 500 Personen teilnahmen. Diese enthielt unter anderem Fragen zur Besuchshäufigkeit, den Gründen sowie zur Zufriedenheit. Auch die durch den Bau des Schönbuchturms wahrgenommenen Veränderungen fragten sie ab. Nur circa 13 Prozent der Befragten gaben an, ausschließlich auf dem Schönbuchturm zu verweilen. Die meisten verbringen ein bis zwei Stunden oder bis zu 30 Minuten in seiner Umgebung. Beliebte Attraktionspunkte sind dabei die Herrenberger Innenstadt sowie die Schlossruine. Negativ fiel der Hälfte der Befragten der Müll am Schönbuchturm auf. 39 Prozent gaben an, seit dem Bau 2018 einen erhöhten Geräuschpegel bemerkt zu haben. Dennoch würden knapp 89 Prozent der Teilnehmenden den Turm erneut besuchen.

Der Großteil der Herrenberger befürwortet Gebietserschließung

In einem Frageblock der Online-Umfrage fragten die Studierenden insbesondere die Wahrnehmung der Anwohner ab: Über 70 Prozent fanden, es gäbe im Schönbuch ausreichend Naherholungsräume, an denen sie sich vor Touristen zurückziehen können. Nur knapp fünf Prozent gaben an, sich durch Besuchermengen nicht mehr wohlzufühlen. Ein Großteil der befragten Herrenberger (65 Prozent) befürworteten hingegen die touristische Erschließung des Gebiets. Knapp sieben Prozent fanden dies nicht gut oder weniger gut.

Das Fazit der Seminararbeit: Die Haupt-Motive für den Turmbesuch, Natur, Familie und Bewegung, sollten erhalten werden. Die Infrastruktur sollte beispielsweise nicht so weit ausgebaut werden, dass die Besucherinnen und Besucher in ihrem Naturerlebnis eingeschränkt werden und die Motivation zum Besuch des Schönbuchturms verloren geht. -gb-

Die Semesterarbeit ist online unter www.herrenberg.de/schönbuchturm abrufbar.

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Erstellt:
17. November 2020, 14:48 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 24sec

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