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Neue Wege für die katholische Kirche

Im vergangenen Jahr kehrten 59 Menschen der katholischen Kirchengemeinde Herrenberg den Rücken und traten aus der Kirche aus. Die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Margret Somfleth, rief in ihrem Jahresrückblick in St. Josef zum Umdenken auf. Derweil sorgten englische Weihnachtslieder für eine fröhliche und besinnliche Stimmung.

Yorick Berger, Marianne Aicher, Fridolin Berger, Phileas Berger und Gary Burton (von links) trugen an Silvester englische Weihnachtslieder vor GB-Foto: Vecsey

Yorick Berger, Marianne Aicher, Fridolin Berger, Phileas Berger und Gary Burton (von links) trugen an Silvester englische Weihnachtslieder vor GB-Foto: Vecsey

Ein wenig war noch von der Aufbruchstimmung zu spüren, die die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Begoglio zum Papst auslöste. Viele Hoffnungen richteten sich auf den ersten Jesuiten und Nichteuropäer im Papstamt. Es ging jedoch nicht mit Siebenmeilenstiefeln voran. Wenn überhaupt, dann ist dieser Papst Franziskus ein Mann der kleinen Schritte. Doch nun haben die Hoffnungen der Reformer neue Nahrung bekommen. Das jüngst vorgelegte Schlussdokument der Amazonas-Synode, einer Sonderversammlung von Bischöfen, Ordensvertretern und Experten im Vatikan, hat es in sich und schürt die Erwartungen. Neben einem ökologischen Umdenken wird vor dem Hintergrund des Priestermangels in Südamerika die Zulassung von verheirateten Männern fürs Priesteramt und somit die Abschaffung des Pflichtzölibates eingefordert. Auch das Diakonat von Frauen scheint kein Tabu mehr zu sein. Es könnte also tatsächlich, wie Margret Somfleth in ihrem Jahresrückblick glaubt, ein neuer frischer Wind durch die Katholische Kirche wehen. Für den sorgten 2019 auch die Protestaktionen und Kirchenstreiks der Fraueninitiative Maria 2.0. Diese setzt sich für den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibates ein.

Im Jahresrückblick in St. Josef fällt noch ein dicker Brocken, der auf der Katholischen Kirche seit Jahren schwer lastet, sie zutiefst erschüttert hat – die weltweiten Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen. Diese sorgten kurz vor Weihnachten wieder für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass im katholischen Orden der Legionäre Christi seit den 1940er Jahren bis heute 175 Minderjährige durch 33 Priester missbraucht wurden. Die Religionslehrerin und zweite Vorsitzende des Kirchengemeiderates erinnert aber auch an den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland, an den Anschlag auf die Synagoge in Halle und den Brand von Notre-Dame. Mit Blick auf die katholische Kirchengemeinde in Herrenberg ziehen noch einmal freudigere Ereignisse vorbei. Ob Gemeindefeste, Seniorennachmittage oder die Rom-Reise des Kirchenchores. Der betrat zusammen mit dem Rottenburger Kirchenchor St. Moriz und der Tübinger Sinfonietta Neuland, führte das Oratorium „Pax!“ von Roland Kunz auf. Was Margret Somfleth zum Anlass nimmt eine Lanze für den Schutz der Natur, das Ende der Ausbeutung von Mensch und Umwelt zu brechen. Die zweite Vorsitzende lässt noch die Zahlen von 2019 für sich sprechen. „42 Kinder wurden getauft, 33 Kinder erhielten die Erstkommunion.“ 29 Firmlinge habe man gehabt, nur eine kirchliche Trauung. „59 Menschen sind aus unserer katholischen Kirche ausgetreten“, bedauert die Impulsgeberin. Ein Grund mehr, warum sie nicht nur für ein gesellschaftliches und ökologisches, sondern auch für ein synodales und pastorales Umdenken plädiert.

Familienband bereichert den Wortgottesdienst musikalisch

Eine bewährte Familienband bereicherte den Wortgottesdienst mit englischen Weihnachtsliedern und Evergreens. Fridolin, Yorick und Phileas Berger samt Sänger Gary Burton schlugen mit dem Weihnachtslied „God rest you Merry, Gentlemen“ recht flotte, fröhliche und folkige Rhythmen an. Von Leonhard Cohens „Hallelujah“ wurde man dagegen von sanften und hymnischen Singer-Songwriter-Wogen hinfort getragen. Mit der englisch-deutschen Version des Weihnachtsklassikers „Adeste fidelis“ zog dann viel Lobpreis, Glanz und Gloria in die Kirche ein. Bei den butterweichen, beseelten und verträumten Klängen von „The First Nowell“ wurde man vom verheißungsvollen und erwartungsfrohen Zauber der Geburt Jesu und somit der „ersten Weihnacht“ berührt. Ein Medley aus den Klassikern „Over the rainbow/What a Wonderful World“, ein Hit des Hawaiianers Israel Kamakawiwo’ole, begleitete die Besucher auf flockig swingenden, sehnsuchtsgeladenen, aber auch hoffnungsvollen Schwingen auf den Weg ins neue Jahr.

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Erstellt:
3. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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