Quarantäne-Zone wird wohl bald aufgehoben

Mit dem seit vier Jahren geltenden Ausnahmezustand im Hildrizhausener Gemeindewald könnte es zum Ende des Jahres vorbei sein, sofern die Spürhunde keinen Asiatischen Laubholzbockkäfer mehr finden. Das war die gute Nachricht bei der jährlichen Einbringung des Kultur- und Nutzungsplanes für den Gemeindewald in den Gemeinderat.

Rüdiger Schwarz

Auch am Naturdenkmal Obere Linde haben die Spürhunde keinen Laubholzbockkäfer gefunden GB-Foto: Vilz

Auch am Naturdenkmal Obere Linde haben die Spürhunde keinen Laubholzbockkäfer gefunden GB-Foto: Vilz

Alexandra Radlinger lenkte den Blick erst einmal auf eine andere Problematik. Die brennt nicht nur dem Böblinger Forstamt unter den Nägeln. „Die Dürre beschäftigt uns schon länger“, sagte die für den Gemeindewald zuständige Revierleiterin. Sie hatte Bildmaterial vom Helmholtzer Zentrum für Umweltforschung mitgebracht. Das betreibt ein bundesweites und täglich auf den neuesten Stand gebrachtes Dürremonitoring. Dem legen die Forscher das langjährige Mittel seit 1951 zugrunde. Gemessen wird in einer Tiefe von rund 1,8 Metern, im Oberboden geht es bis zu 25 Zentimeter runter. Von einer extremen Dürre kann man vor allem im oberen Rheintal und den östlichen Gebieten von Deutschland sprechen. „Dort ist
in tieferen Bodenschichten eine extreme Dürre vorhanden“, führte die Revierleiterin vor Augen. Doch genau in diesen tieferen Bodenschichten, wo die Wurzeln der Bäume hinkommen, liegen die großen Wasserspeicher. Die Dürre im Osten ist den dort vorherrschenden Sandböden mitgeschuldet. „Zum Glück haben wir hier Tonböden mit einem großen Wasserspeicher, wenn auch nicht so großflächig wie in anderen Bundesländern“, erzählte Radlinger. Eines wurde jedoch deutlich: Bis
im März, April die Vegetation ausschlägt, braucht es noch extrem viel Regen und wenn möglich keinen Frost. „Bisher ist nichts gekommen. Wenn es ordentlich regnet, können sich die Wasserspeicher bis März, April auffüllen. Ich bin da skeptisch“, gab die Frau vom Forstamt zu bedenken. Unter langanhaltender Trockenheit und Dürre leiden vor allem die Nadelhölzer. Von denen hat man im Gemeindewald in Hildrizhausen nicht mehr so arg viele. Statt der Fichte spielt dort die Eiche eine tragende Rolle. Doch auch für viele Laubhölzer ist es einfach zu trocken.

Ob allein Dürre und Trockenheit für das Absterben von Buchen verantwortlich sind, konnte Alexandra Radlinger nicht genau sagen. Das Phänomen ist relativ neu. Jedenfalls hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt sich Flächen in den Wäldern von Holzgerlingen und Rutesheim ausgesucht, wo die Problematik mit den Buchen genauer untersucht wird. Revierförster Florian Schwegler ließ wissen, dass man im „Finsteren Mädle“ eine Naturverjüngung und Schlagpflege machen werde. „Der Schwerpunkt liegt auf der Eiche. Wenn wir nichts machen, würde die Buche dominieren“, erklärte der Revierförster. Auch ihn beschäftigt der Klimawandel, und so hat er 60 Walnussbäume gepflanzt. „Das ist ein wertvoller Baum, der mit seiner langen Pfahlwurzel gut gegen den Klimawandel gerüstet ist“, begründete Schwegler diesen Schritt. Dennoch wollte Gerhard Hahn wissen, was
der Grund für diesen Schwenk sei. „Wir haben immer gesagt bekommen, dass
Naturverjüngung ausreiche“, wunderte sich der CDU-Rat. Der Revierförster wies darauf hin, dass man prinzipiell schon
die Naturverjüngung nutze, sich dafür aber oft die Flächen nicht anbieten. Schwegler hob da auf Käferholz-Flächen und Feuchtgebiete ab. Mit welchen Baumarten außer der Walnuss könnte so ein Wald nun klimaresistenter gemacht werden? Neben Douglasie und Ahorn kamen da ganz andere Exoten ins Spiel. Etwa verschiedene Zedernarten. Das Problem ist, dass man noch zu wenig weiß und keine großen Erfahrungen hat. „Die Forstamtliche Versuchs- und Forschungsanstalt experimentiert mit exotischen Bäumen. Die Förster sind aber von großen Sprüngen nicht begeistert“, wusste Florian Schwegler.

Er hatte noch eine erfreuliche Nachricht zum asiatischen Laubholzbockkäfer zu vermelden. „Wenn die Hunde nichts mehr finden, läuft die Quarantäne Ende des Jahres aus.“ Die Auswirkungen des exotischen Schädlings hatten Forstarbeit samt Holzeinschlag auch 2020 wieder eingeschränkt. „Wir sind geradeso zurechtgekommen“, sagte Schwegler. Der Gemeinderat stimmte dem Kultur- und Nutzungsplan für den Gemeindewald 2021 zu.

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Erstellt:
27. November 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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