SG H2Ku Herrenberg lehnt eine Hängepartie ab

Am gestrigen Mittwochmorgen um11 Uhr hat der Handballverband Württemberg (HVW) bekanntgegeben, dass er den Spielbetrieb aufgrund der Corona-Situation bis zum 28. November aussetzen wird. Dies gilt für die Ligen auf Verbandsebene ab Württembergliga und den Spielbetrieb in allen acht Bezirken des Verbandes.

SG-Trainer Fabian Gerstlauer (Mitte) bei einer Auszeit: Die Punktspielrunde in der Oberliga steht vor einer Unterbrechung GB-Foto (Archiv): Drofitsch/Eibner

SG-Trainer Fabian Gerstlauer (Mitte) bei einer Auszeit: Die Punktspielrunde in der Oberliga steht vor einer Unterbrechung GB-Foto (Archiv): Drofitsch/Eibner

Im Grund war es eine Abstimmung mit Füßen am vergangenen Wochenende: 75 Prozent aller Spiele im HVW-Gebiet wurden wegen der Covid-19-Pandemie abgesetzt. HVW-Präsident Hans Artschwager (Hildrizhausen) meinte in einer Pressemitteilung: „Es macht keinen Sinn, weiterzuspielen, wenn nur noch 25 Prozent der angesetzten Begegnungen ausgetragen werden.“ Vor einer Woche freilich hatte sich Artschwager mit seinem Präsidium und den Bezirkschefs darauf geeinigt, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. HVW-Verbandsmanager Thomas Dieterich meinte: „Alle aktuell gültigen Verordnungen lassen sowohl den Trainingsbetrieb als auch den Spielbetrieb zu.“ Die Funktionäre setzten auch auf die von den Vereinen mit den Kommunen entwickelten Hygienekonzepten (wir berichteten). Aber nachdem in allen Bezirken des HVW mittlerweile die Inzidenzwerte über der kritischen Marke von 50 (also 50 Fälle pro 100000 Einwohner) überschritten wurden und die Clubs aus reiner Vorsicht und der Befürchtung zum Quarantänefall zu werden, reihenweise Spielabsagen vornahmen, waren die Pläne der HVW-Spieltechniker Makulatur. Diese sahen im Extremfall die Möglichkeit vor, die eben erst gestartete Hallenrunde um drei Spieltage zu verlängern. Oder ab dem Frühjahr eine einfache Runde in den jeweiligen Spielklassen zu spielen.

Dem letzteren Fall ist der Verband im Grunde ein Stück weit nähergekommen. Denn bei einer Konferenzschaltung am Dienstagmittag hat sich das HVW-Präsidium mit den Bezirksvorsitzenden darauf geeinigt, dass der Punktspielbetrieb ab sofort komplett bis zum 28. November ausgesetzt wird. Damit geht der württembergische Verband wesentlich weiter, als Anfang der Woche andere Landesverbände wie Mittelrhein, Niederrhein, Hamburg, Bayern und Hessen, die zum Teil nur für drei Wochen (bis zum 14./15. November) ihren Spielbetrieb aussetzen wollen. Eberhard Gloger (Ehningen), Bezirksvorsitzender Achalm/Nagold, meinte: „An diesem 28. November findet der Verbandstag als Online-Tagung statt und da können wir direkt mit den Vertretern von der Basis, also den Delegierten aus den Bezirken, ein Meinungsbild erstellen, wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen soll.“ Der Verbandsausschuss Spieltechnik soll Konzepte ausarbeiten, wie ab Januar der Spielbetrieb in den einzelnen Klassen wieder aufgenommen werden kann. Diese Vorschläge werden dann als Dringlichkeitsanträge circa ab dem 21./22. November den Delegierten vorgelegt, die dann am 28. November darüber abstimmen.

Freundschafts- oder Testspiele erst
ab Dezember wieder möglich

Bis dahin – also bis zum Verbandstag – werden auch keine Freundschaftsspiele und Turniere den Vereinen genehmigt. Dies alles in der Hoffnung, so Gloger, dass der Trainingsbetrieb nach dem vom Handball entwickelten Acht-Stufen-Programm weitergeführt werden kann – möglichst mit Körperkontakt. Bereits am Dienstag setzte sich Hans Artschwager mit den benachbarten Verbänden Baden und Südbaden in Verbindung. Während Baden bereits ein Aussetzen des Spielbetriebs wie der HVW signalisiert hat, laufen die Debatten in Südbaden noch.

Während, so Gloger, bei der Verbandskonferenz noch betont wurde, dass die dritte Liga weiterspielen kann, herrscht bezüglich der vierten Liga noch keine endgültige Klarheit. Davon betroffen ist auch die Männermannschaft der SG H2Ku Herrenberg in der Baden-Württemberg-Oberliga (BWOL). Noch am Dienstag hat der Zusammenschluss der drei Verbände, der Handball Baden-Württemberg (HBW), eine Umfrage an die Herrenberger geschickt, um ein Stimmungsbild zu erheben. Darüber hat SG-Vorstandsmitglied Jan Rhotert nur den Kopf geschüttelt: „Wir haben, nachdem die Mannschaft ihrerseits auch darüber diskutiert hatte, klar Position bezogen und unser anstehendes Heimspiel gegen den TSV Birkenau abgesagt.“ Der Sache sei es überhaupt nicht dienlich, wenn es hier innerhalb eines Vereins eine Hängepartie gäbe. Wohl wissend, dass die im „Profi-Bereich“ angesiedelten Zweitliga-Frauen der SG H2Ku spielen werden.

Jan Rhotert: „Wir haben den Teams, sowohl den Aktiven, als auch der Jugend mitgeteilt, dass sie eine Trainingspause einlegen sollen, was das Mannschaftstraining angeht. Sicherlich werden die ein oder anderen Trainer ihren Spielern individuelle Aufgaben geben, wie sie sich fithalten können.“ Er gehe aber davon aus, dass einige SG-Teams jetzt zwei, drei Wochen Pause einlegen. Der HBW will am heutigen Donnerstag bekanntgeben, ob er die Spielrunde in der Oberliga ebenfalls für die nächsten Wochen aussetzen wird.

Eberhard Gloger ist im Übrigen optimistisch, dass es nicht zu einem Abbruch kommt: „Inzwischen wird, egal ob im geschäftlichen oder im privaten Bereich von vielen sehr professionell mit den entsprechenden Maßnahmen umgegangen. Wenn wir mit Augenmaß vorgehen, bin ich der Meinung, dass wir unseren Amateursport am Leben erhalten können.“

Zum Artikel

Erstellt:
29. Oktober 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.