SV Deckenpfronn will den Bezirk wechseln

Fußball: Beim Info-Abend über die WFV-Strukturreform in Rohrdorf werden schon erste Absetzbewegungen von Böblinger Vereinen in den neuen Bezirk „Calw/Nördlicher Schwarzwald“ spruchreif.

Andreas Gauß

Harald Müller zu möglichen Wechselabsichten von Vereinen: „Ich gehe davon aus, dass wir das eine oder andere noch schiebenkönnen“. Bezirksvorsitzender Roland Ungericht (links) nimmt die Aussage interessiert zur Kenntnis. GB-Foto: gb

Harald Müller zu möglichen Wechselabsichten von Vereinen: „Ich gehe davon aus, dass wir das eine oder andere noch schieben
können“. Bezirksvorsitzender Roland Ungericht (links) nimmt die Aussage interessiert zur Kenntnis. GB-Foto: gb

„Jein“ – Eine eindeutige Auskunft konnte Harald Müller nicht geben. Der WFV-Verbandsspielausschuss-Vorsitzende stellte am Donnerstagabend in der Gemeindehalle in Rohrdorf (bei Nagold) den rund 90 Vereinsvertretern aus dem Bezirk Böblingen/Calw noch einmal die wesentlichen Inhalte der geplanten WFV-Strukturreform vor. Über diese Reform wird am Mittwoch, 25. Mai, auf einem außerordentlichen Verbandstag in Stuttgart abgestimmt werden. Geht der Punkt mit der geänderten Verbandsstruktur, welche die Reduzierung der Bezirke von 16 auf zwölf vorsieht, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit durch, dann wird es den 1965 gegründeten Bezirk Böblingen/Calw in der bisherigen Form nicht mehr geben. Die Böblinger Kreisvereine sollen sich dann dem Bezirk Stuttgart, die Calwer Clubs dem Bezirk Nördlicher Schwarzwald anschließen (wir berichteten).

Mit „Jein“ beantwortete Harald Müller die Anfrage von Eberhard Reichert (GB-Foto: gb), Vorsitzender des SV Deckenpfronn, ob es „grundsätzlich möglich sei“, den Bezirk zu wechseln, wenn „wir nicht in den neuen Bezirk Böblingen/Stuttgart wollen“, so Reichert. Als Müller auf Nachfrage („Zählen Sie jetzt zum Kreis Calw?“) erfuhr, dass Deckenpfronn genau an der Peripherie des neuen Bezirks liegt, räumte er bezüglich des Ansinnens von Reichert ein: „Wir nehmen das auf jeden Fall sehr, sehr wichtig.“ Und: „Ich gehe davon aus, dass wir das eine oder andere noch schieben können.“ Für Vereine, die an der Peripherie liegen würden, gab Müller eine klare Aussage: „Da sind wir offen.“

In der Regel müssten sich bei einem Bezirkswechsel sowohl der aufnehmende, als auch der abgebende Bezirk einverstanden erklären. Dies nahm Roland Ungericht, erst seit letztem Jahr Vorsitzender des Bezirks Böblingen/Calw, interessiert zur Kenntnis. Denn der Rotfeldener gilt als möglicher Bezirksvorsitzender des neu zu bildenden Bezirks „Calw/Nördlicher Schwarzwald“, der in den WFV-Reformplänen noch als „Bezirk 10“ geführt wird. Die neue Namensgebung, so erläuterte Müller in seinem rund 60-minütigen Referat, werde den Bezirken überlassen. Und als Chef eines abgebenden Bezirks ist Ungericht momentan ebenfalls gefragt. Sollten die Absetzbewegungen konkret werden, müsste im Normalfall Deckenpfronn bei einer Wechselanfrage beispielsweise zur Saison 2023/24 gar nicht das Plazet des noch nicht gegründeten Bezirks „Böblingen/Stuttgart“ (Bezirk 1) einholen. Ralf Paulus, der in der SVD-Fußballabteilung in leitender Funktion tätig ist: „Wir haben das Thema auch schon mit einigen Mitgliedern diskutiert.“

Markus Rühle, Abteilungssprecher des VfL Herrenberg, zum Deckenpfronner Vorhaben: „Dass der Verein so konkret geworden ist, hat viele überrascht. Aber für Herrenberg stellt sich die Frage nicht, wir sind keine Grenzgänger.“ Aufmerksam haben den Infoabend dagegen Rolf Löhmann und Werner Szalay vom TSV Kuppingen verfolgt. Letzterer zog hernach vielsagend die Augenbrauen hoch: „Wir sind auch nur zwei Kilometer von der Kreisgrenze entfernt.“ Reiner Renz, Fußballausschussmitglied beim A-Ligisten VfL Oberjettingen, hält einen solchen Bezirkswechsel durchweg für ein berechtigtes Anliegen: „Meine persönliche Ansicht ist, dass das nunmehr zur Abstimmung anstehende 1:4:12-System eine halblebige Sache ist, weil ja in der Jugend eine 1:3:9-Einteilung vorgenommen wurde.“ Als A-Ligist könnte sich Oberjettingen zwar vieler Derbys sicher sein, würde man allerdings in die Bezirksliga mit Stuttgarter Clubs aufsteigen, sehe es mit den Lokalduellen anders aus. Renz: „Ich würde dann viel lieber in den Schwarzwald rüberspielen.“ Wenn der Beschluss am 25. Mai so gefällt wird, wird im Übrigen in der Saison 2022/23 ein verschärfter Abstieg in der Bezirksliga Böblingen/Calw erfolgen, die Sollstärke der Liga von 16 auf 14 reduziert. Diese 14er-Liga spielt in der Saison 2023/24 erneut mit einem verschärften Abstieg, so dass nur noch zwölf Bezirksliga-Clubs übrig bleiben werden, dabei werden die Calwer Clubs mit der ebenfalls reduzierten Bezirksliga Nördlicher Schwarzwald eine gemeinsame Runde in 2024/25 mit dann bis zu möglichen 16 oder 18 Clubs ausspielen. In Böblingen/Stuttgart wird die Bezirksliga-Runde genau gleich erfolgen. Müller: „Die Umsetzung in den neuen Bezirken kommt ab der Saison 2024/25.“

Der außerordentliche Verbandstag des WFV findet am Mittwoch, 25. Mai, um 19 Uhr in der Carl-Benz-Arena im Stuttgarter Neckarpark statt. Der Bezirk Böblingen/Calw hat 13 Delegiertenstimmen. Zum Vergleich: Der Bezirk Stuttgart hat aufgrund der hohen Mitgliederzahl des Bundesligisten VfB Stuttgart rund 50 Stimmen.

Eberhard Reichert

Eberhard Reichert

Zum Artikel

Erstellt:
16. April 2022, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.