Sanierung des alten Nufringer Rathauses

„Schmuckkästchen“ wird wieder eingeweiht

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Vor allem im Inneren des Gebäudes war einiges zu modernisieren. GB-Fotos

Vor allem im Inneren des Gebäudes war einiges zu modernisieren. GB-Fotos

Fast 160 Jahre Geschichte stecken in den Mauern des Alten Rathauses in der Hauptstraße. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1868 hat eine umfassende Sanierung erhalten und dabei seinen Charakter beibehalten. Bereits im Mai dieses Jahres zog die Belegschaft aus Personal- und Ortsbauamt in die neuen Räumlichkeiten ein. An diesem Freitag, 18. September, wird das Alte Rathaus offiziell eingeweiht.

Es ist nicht übertrieben, das runderneuerte Gebäude als „Schmuckkästchen“ zu bezeichnen, als „Hingucker zur gesteigerten Attraktivität des Ortsbildes“, wie Bürgermeister Simon Speiser sagt. Neben der Kirche und dem Backhaus sei das im klassizistischen Stil errichtete Alte Rathaus das einzige Gebäude, das im Krieg nicht zerstört oder beschädigt wurde. Dementsprechend war es Gemeinde und Denkmalamt ein Anliegen, dem alten Verwaltungsgebäude zumindest in Teilen wieder Glanz zu verpassen.

Der Platzbedarf auf der einen Seite und die in Aussicht gestellten Fördermittel auf der anderen gaben noch unter Bürgermeister Ingolf Welte den Ausschlag, sich der Sanierung des dreigeschossigen Fachwerkbaus mit Sandstein-Erdgeschoss, Zeltdach und Glockentürmchen zu widmen. Moderne Technik und historische Bausubstanz gehen nun sichtbar Hand in Hand. Beim Gang durch das historische Nufringer Kulturdenkmal sticht die Kombination aus Moderne und Historischem ins Auge – etwa durch das freigelegte Fachwerk hinter einer Glasscheibe an manchen Stellen oder durch die abgehängten Akustik-Deckensegel, die die ursprüngliche Raumhöhe nicht verbergen, gebührenden Abstand zum Deckenstuck halten und eine Installationsebene für die Haustechnik-Leitungen schaffen.

Sehenswert ist auch die Stahlkonstruktion der Erhöhung des zu erhaltenden, hölzernen Treppengeländers. Das bestehende Geländer erfüllte mit einer Höhe von 70 Zentimetern die Vorgaben für öffentliche Gebäude und Arbeitsschutz nicht mehr. Die maroden Treppenstufen wurden durch massive Eichenholztrittstufen signifikant verstärkt.

In schlechtem Zustand war auch ein Großteil der Fenster, der ursprüngliche Charme mit integrierten Sprossen und roten Läden wurde mit neuen Holzfenstern mit modernem Wärme- und Schallschutz beibehalten.

Relikte einer vergangenen Epoche sind weiter zu sehen: Hinter einer massiven Tür verbirgt sich die ehemalige Arrestzelle. „Das ist quasi unser kleines Heimatmuseum“, sagt Simon Speiser. Das Erdgeschoss sieht er als idealen Standort für Empfänge oder zur Präsentation bei historischen Anlässen. Von früheren Zeiten zeugen auch der alte Gewölbekeller und der Ratssaal im Obergeschoss, dessen Fischgrätenparkett noch so knarrt wie vor Jahrzehnten. Bodenbelag und Wandvertäfelung sowie der Einbauschrank blieben im 52 Quadratmeter großen Saal erhalten. Er dient künftig als Tagungsraum und Trauzimmer, zudem können Vorträge oder andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Die Dämmung erfolgte bis zur obersten Deckenhöhe im zweiten Obergeschoss, geheizt wird mit Pellets durch Anschluss ans neue Rathaus. Eine Querverbindung mit Rampe im ersten Obergeschoss schuf einen barrierefreien Zugang. Ein wichtiger Punkt war die Sicherstellung der Fluchtwege, unter anderem mit neuen Türdurchbrüchen und einem „Raum-zu-Raum-Umgang“. Wesentliche Teile des Großprojekts waren außerdem die Installation der Elektro- und Netzwerktechnik sowie erforderliche Heizungs- und Sanitärmaßnahmen, nicht zuletzt die Sanierung des Glockenturms.

Fachmännisch setzte sich Projektleiter und Bauherr Wolfgang Hauser vom Ortsbauamt für die Belange der Gemeinde ein; während der Sanierungsphase agierte die freie Architektin Sabrina Zimmermann als Bauleiterin. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Handwerksfirmen war äußerst angenehm“, bekräftigt Zimmermann. Für Planung und Kostenkontrolle zeichnete das Architekturbüro Frank + Schulz verantwortlich.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 2,17 Millionen Euro. „Das Ganze ließ sich natürlich nur durch Fördergelder von Bund und Land stemmen“, sagt Bürgermeister Simon Speiser. Die Förderung in Höhe von 60 Prozent der anrechenbaren Baukosten erfolgte im Rahmen der städtebaulichen Erneuerungsmaßnahme „Ortsmitte“.

Thomas Holzapfel

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Erstellt:
15.09.2026, 00:00 Uhr