Später Ausgleich rettet den VfL Herrenberg

Der VfL Herrenberg steht im Halbfinale des Gym24-Bezirkspokals: Er hat gestern das Viertelfinale beim SV Rohrau mit 7:5 nach Elfmeterschießen gewonnen, nach der regulären Spielzeit stand es 2:2. Es war das erste Spiel beider Mannschaften nach vier Monaten Pause aufgrund der Corona-Pandemie. Der SV hat die geforderten Hygienemaßnahmen gut umgesetzt. Im Halbfinale trifft der VfL am kommenden Sonntag (17 Uhr) zu Hause auf den GSV Maichingen.

Der VfL Herrenberg (grün) kämpfte in Rohrau bis zum Schluss um den Ausgleich GB-Foto: Vecsey

Der VfL Herrenberg (grün) kämpfte in Rohrau bis zum Schluss um den Ausgleich GB-Foto: Vecsey

Die sechste Minute der Nachspielzeit läuft: Eckball für den VfL Herrenberg, die Kugel fliegt in den Strafraum, und Arif Özgül drückt sie zum 2:2-Ausgleich ins Netz, das Spiel wird sofort abgepfiffen. Die Freude ist groß beim VfL, ebenso groß ist die Enttäuschung beim SV Rohrau. Das Elfmeterschießen muss die Entscheidung bringen, und hierbei behält Herrenberg die Oberhand. VfL-Keeper Daniel Ulmer pariert einen Elfmeter von Tobias Widmayer, Dennis Radojkovic verwandelt den entscheidenden Schuss.

„Elfmeterschießen ist immer ein Glücksspiel“, sagte Rohraus Trainer Bernd Gluiber, „jetzt können wir uns in aller Ruhe auf die Runde vorbereiten. Man hat gesehen, dass bei beiden Mannschaften noch viel fehlt.“ Sein Herrenberger Kollege Benjamin Maier lobte die Mentalität seiner Mannschaft. „Ich muss den Hut ziehen vor dem Team“, sagte Maier, „gegen Ende waren wir die fittere Mannschaft. Wir haben viel ordentlich gemacht, es ist aber noch viel Luft nach oben.“

Nach etwa zehn Minuten übernahm Rohrau die Kontrolle in diesem Duell zweier Bezirksligisten. Die Rohrauer gewannen im Mittelfeld zunehmend die Zweikämpfe, die Herrenberger verloren im Spielaufbau zu leichtfertig den Ball. „Wir brauchen mehr Anspielstationen“, rief Coach Maier seinen Mannen nach einer Viertelstunde zu. Erhört haben sie ihn aber nicht, der ballführende Akteur hatte Schwierigkeiten, die Kugel einem freistehenden Kollegen zuzuspielen. In der 13. Minute ging der SV mit 1:0 in Führung: Salvatore Fiscella erlief auf dem linken Flügel einen langen Ball und passte ihn auf Matthias Franz zurück. Der Routinier in Rohraus Mittelfeld schlug die Kugel direkt in den Herrenberger Strafraum. Simon Müsel war zur Stelle und drückte die Kugel zur Führung ins Netz. „So einen Mann darf man nicht so frei stehen lassen“, sagte Maier.

Dieses Tor beflügelte den SV, der nun Oberwasser hatte. „Wir schauen zu viel zu“, monierte Benjamin Maier. Dazu kam: Rohrau streute regelmäßig lange Bälle ein, und immer wieder sorgten diese Zuspiele in der Herrenberger Abwehr für Probleme, zumal der SV oft die zweiten Bälle holte.

Nach etwa 25 Minuten unterbrach Schiedsrichter Daniel Rentschler die Partie für eine Trinkpause. Der VfL nutzte die Gelegenheit, sich zu sammeln, denn anschließend agierte Herrenberg aggressiver und zielstrebiger. Die nächste Großchance in diesem Nachbarschaftsduell hatte zunächst aber der SV Rohrau. Fiscella schoss den Ball in der 34. Minute aus 16 Metern an die Latte, der Nachschuss von Müsel strich knapp am Tor vorbei. Auf der anderen Seite hatte der VfL in der 43. Minute seine größte Chance: Deniz Bas zog aus der Drehung ab, der Ball flog knapp am langen Pfosten vorbei ins Toraus. „Herrenberg hatte eine gute Spielanlage, wir hatten die besseren Chancen“, sagte Gluiber.

Die große Chance zum Ausgleich hatte Christian Warnke in der 49. Minute. Nach einem Konter der Herrenberger lief er freistehend auf Rohraus Torwart Alexandros Tiriakidis zu. Völlig überhastet schoss Warnke aus 14 Metern den Ball deutlich am langen Pfosten vorbei, er hätte noch einige Schritte Richtung Tor laufen müssen. Im Gegenzug landete ein verunglückter Pass von Ulmer bei Noel Hellmann, der die Kugel direkt flach Richtung Kiste drosch, sie aber um einen Meter verfehlte. In der 60. Minute hatte der SV die Gelegenheit, die Führung auszubauen: Matthias Franz zog aus kurzer Distanz halblinks im Strafraum aus der Drehung ab, Keeper Ulmer verkürzte den Winkel aber sehr gut und wehrte den Ball mit dem Oberkörper ab. Nach der Trinkpause in der zweiten Hälfte war es wieder der VfL Herrenberg, der schneller in die Partie fand, diesmal mit Erfolg: Der VfL fing einen Abschlag von Tiriakidis ab, ein Pass, die Rohrauer Defensive war ausgehebelt, und Franguere lief auf das Tor zu. Er behielt die Nerven und erzielte in der 70. Minute den Ausgleich. In der 86. Minute erzielte Rohrau das 2:1, nach einem Eckball von Stefan Knoß drückte Tobias Widmayer den Ball mit dem Kopf ins Netz. Der vermeintliche Siegtreffer, dann aber kamen die sechste Minute der Nachspielzeit und das Elfmeterschießen.

SV Rohrau: Tiriakidis, Hellmann (63. Krammer), Jonas, Schmid, Franz (75. Langner), Geiger, Markus Knoß, Klemm (55. Widmayer), Müsel, Salvatore Fiscella, Moser (69. Stefan Knoß)

VfL Herrenberg: Ulmer, Bühler, Gack, Lutz, Franguere, Atis (75. Fischer), Mücke, Warnke (51. Solmaz), Özgül, Sprecher (73. Mahmoud), Bas (63. Radojkovic)

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Erstellt:
20. Juli 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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