Ukrainische Heimkinder finden im Landkreis Böblingen neues Zuhause

Böblingen/Hildrizhausen: Landkreis holt spontan 73 Mächen und Jungen, die aus der Ukraine nach Rumänien geflüchtet sind, ab und nimmt sie bei sich auf.

Mit dem Bus werden die Kinder aus dem ersten Zufluchtsort in Rumänien nach Böblingen gebrachtGB-Foto: gb

Mit dem Bus werden die Kinder aus dem ersten Zufluchtsort in Rumänien nach Böblingen gebracht GB-Foto: gb

Völlig unbürokratisch hat der Landkreis Böblingen 73 ukrainischen Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren aufgenommen. Es handelt sich um Kinder aus einem Kinderheim in der Ukraine, die es mit insgesamt vier Betreuerinnen über die Grenze nach Rumänien geschafft haben. Dort aber konnten sie längerfristig nicht bleiben – es gab einen Hilferuf.

„In all dem Leid ist es eine wunderbare Nachricht, dass wir diesen Kindern eine sichere Bleibe bieten können“, sagt Landrat Roland Bernhard nachdem im Landratsamt am Freitag entschieden wurde, die Hilfsaktion in die Tat umzusetzen. Vorrangig sei, dass die Kinder, von denen 20 noch unter sechs Jahre sind, behutsam und geschützt ankommen können. „Wir alle können uns nicht vorstellen, was sie erlebt haben“, so der Landrat. Die pädagogische Begleitung wird die Waldhaus Jugendhilfe übernehmen. „Wir werden gemeinsam mit dem Jugendamt eine pädagogische Betreuung aufbauen und sicherstellen“, so Waldhaus-Geschäftsführer Hans Artschwager in einer Pressemitteilung. „Am wichtigsten ist es zunächst, die Gruppe nicht zu trennen.“

Der Ukrainer Wladislaw Feldmann hat den Hilferuf des Kinderheims auf Facebook entdeckt und sich umgehend daran gemacht, zu helfen.

So kam der Kontakt zur Hotline des Landratsamts Böblingen zustande, die im Amt für Migration und Flüchtlinge angesiedelt und mit russischstämmigen Mitarbeiterinnen besetzt ist.

Dort wurde nach der Grundsatzentscheidung, die Kinder in den Kreis zu holen, umgehend der Kontakt zu allen an der Hilfsaktion Beteiligten hergestellt und die Aktion koordiniert.

Waldhaus und Flüchtlingsverein
unterstützen Transportaktion

Der Transport lief über das Ehepaar Svetoslav und Viktoria Kontakov. Der Verein KIVIN (gegründet von russisch-sprachigen Migranten) hat den Transport finanziert, durchgeführt hat ihn das Unternehmen Finkbeiner/Deutscher GbmH Omnibus Reisen. Begleitet wurde die Aktion von zwei Mitarbeitern der Waldhaus Jugendhilfe aus Hildrizhausen, Harry Sommer und Siegfried Landsgesell. Beide stellten vor Ort eine geschützte und unkomplizierte Rückreise sicher.

Letztlich sind alle Kinder und ihre Betreuerinnen am gestrigen Dienstag im Landkreis Böblingen angekommen. Sie werden in Böblingen untergebracht, in einem Gebäude des Instituts für Fortbildung der Polizei, das als Teil der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg in der Wildermuthkaserne untergebracht ist. „Diese Lösung kam aufgrund des guten Kontakts zwischen Landratsamt und Polizeihochschule kurzfristig zustande“, erklärt Jürgen von Massenbach-Barth, Leiter des Instituts für Fortbildung. Nun werde Kleidung für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren benötigt wird; außerdem Hand- und Duschtücher, Rucksäcke und Sporttaschen.

Wer Hilfsprojekte unterstützen möchte, kann dies über das zentrale Spendenkonto im Landkreis Böblingen tun. („Spendenkonto Ukrainehilfen“, Kreissparkasse Böblingen, IBAN DE05 6035 0130 0001 1320 49). Infos auch auf www.lrabb.de.).

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Erstellt:
8. März 2022, 15:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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