Vorstandsriege stellt sich neu auf

Dank eines Fragebogens ging ein Ruck durch die Sängerschaft. Zu viel blieb am ausgedünnten Vorstand hängen. Nach der letzten Mitgliederversammlung stand Bella Cantare ohne ersten Vorsitzenden da. Bei der Jahreshauptversammlung in der Tailfinger Bürgerhalle stellte der Chor nun die Weichen für die Zukunft.

Karl Mast (links) wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft bei Bella Cantare geehrt, dem neuen Vorstand gehören (von links)Angelika Lang, Dagmar Heiß, Martin Kellner und Rolf Grammer an GB-Foto: Daemgen

Karl Mast (links) wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft bei Bella Cantare geehrt, dem neuen Vorstand gehören (von links)
Angelika Lang, Dagmar Heiß, Martin Kellner und Rolf Grammer an GB-Foto: Daemgen

„Solisten in der Vereinsführung sind eine aussterbende Spezies“, betonte Ilga Bauknecht. Mehr als ein Jahr war sie nun erste und zweite Vorsitzende in Personalunion. Sonderlich erpicht war die Heilpraktikerin nicht darauf, doch was blieb ihr schon viel übrig, sollte der Öschelbronner Chor nicht kopflos dastehen? Die langjährige erste Vorsitzende Yvonne Wilmes trat zurück. Die Lücke musste irgendwie geschlossen werden. In der Tailfinger Bürgerhalle war die Anspannung von der Gäufeldenerin gewichen, alles hatte sich zum Guten gewendet. Man hätte eigentlich wieder durchstarten können, dann kam das Virus und bremste alle Pläne aus. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte Ilga Bauknecht zwischen Tür und Angel. Keine Proben, keine Konzerte.

Nach einem vielversprechenden Auftakt geriet 2020 zum unfreiwilligen Sabbatjahr. „Jetzt darf man wieder proben mit maximal 20 Personen“, wusste Judith Erb-Calaminus. Man werde das nach den Sommerferien angehen. Immerhin: Ein kleiner Hoffnungstreifen am Horizont. Mit ihrem Holzgerlinger Chor hat die Dirigentin die Probe aufs Exempel gemacht. Doch bei den eingehaltenen Abständen höre man sich schlecht. „Man muss aufpassen wie ein Schießhund“, so die Dirigentin. Außerdem muss man regelmäßig durchlüften, wenigstens gibt es im Holzgerlinger Proberaum eine Lüftungsanlage. Wer keine hat, kann nach 15 Minuten singen gleich einmal zehn Minuten die Fenster aufreißen. Natürlich muss so ein Chor irgendwann gemeinsam proben, ansonsten bleibt vieles nur Stückwerk. Einen kompletten Chor auf die Bühne zu kriegen, kann sich Judith Erb-Calaminus wegen der Abstandsregeln eh nur schwer vorstellen. Blieben als einziger Ausweg Konzerte im Freien.

Mit Schriftführer Martin Kellner blickte der Chor noch einmal auf ein Jahr zurück wo die Welt noch in Ordnung war. Mit dem Jahreskonzert gingen die Sänger gleich zu Beginn neue Wege. Statt wieder viel Geld in die Technik zu stecken und auf der großen Bühne der Aspenhalle weit weg vom Publikum zu agieren, entschied man sich lieber für zwei Nebenräume. Die Sänger rückten dichter ans Publikum heran, traten zweimal vor ausverkauftem Haus auf. Die Zuhörer fest im Blick, ein besserer Sound, einer Zweitauflage im nächsten Jahr stand nichts mehr im Wege. Was folgte, war ein Probenmarathon mit den Chören aus Breitenstein, Weil der Stadt und Holzgerlingen. Es sollte auf das Chorfest bei der Heilbronner Bundesgartenschau gehen. Ein Riesenchor, angesichts dessen sich Judith Erb-Calaminus nicht sicher war, ob da womöglich die Fischer-Chöre herauskommen. Die Chorleiterin wollte Klasse, keine Masse. Klasse hat sie dann in Heilbronn auch bekommen.

Viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht, schon stand ein Kirchenkonzert in Holzgerlingen an. In St. Mauritius war vor allem das Ensemble enJoy! gefordert. Danach wurde es sportlich, spontan entschied sich der Chor, noch ein Adventskonzert nachzulegen. „Wir haben tief in die bekannte Kiste gegriffen, viel aus dem Bestand genommen“, sagte die Dirigentin. Zu guter Letzt spannten Bella Cantare und enJoy! den Bogen vom keltischen Christmascarol über weihnachtliche Gospels bis zur ukrainischen Volksweise.

Kassier mahnt andere Einnahmequellen an

Ende gut, alles gut. Nun nicht ganz. Rückläufige Mitgliederzahlen, keine dauerhaften Sponsoren, da mahnte der scheidende Kassier Michael Wilmes dann doch an, dass man sich künftig um andere Einnahmequellen kümmern müsse. Acht Sängern strichen im vergangenen Jahr die Segel. So stellte sich die Frage, wie weit die Professionalität vorangetrieben werden soll, wann für manchen der Spaß am Singen aufhört. Ein Spagat, der Angelika Lang wohl bewusst war. „Wir sind ein Laienchor, ein örtlicher Verein“, rief die neue Vorsitzende in Erinnerung. Ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, den Bogen nicht zu überspannen.

Angelika Lang werden künftig Dagmar Heiß als zweite Vorsitzende und Rolf Gramer als Kassier zur Seite stehen. Martin Kellner bleibt der Mann für die ungewöhnlichen, humorigen Jahresrückblicke. Derweil wurden Otto Weimer für 65 Jahre, Karl Mast für 50 Jahre, Erika Egeler für 35 Jahre Treue zum Verein geehrt. Hans Haller, Martin Kellner, Traugott Link, Hilde Schuster, Jürgen Bauknecht, Inge Schilling, Heidi Schweder und Sabine Toth sind 25 Jahre mit dabei.

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Erstellt:
21. Juli 2020, 00:00 Uhr
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