Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Walter Baur war für ihn „das goldene Los“

Benjamin Maier:„Ich habe meinen Wegals Trainer gefunden“GB-Foto (Archiv): Vecsey

Benjamin Maier: „Ich habe meinen Weg als Trainer gefunden“ GB-Foto (Archiv): Vecsey

Er war auf dem Sprung in die A-Jugend des VfL Nagold, einem der renommiertesten Teams im Nachwuchsbereich in der hiesigen Region. Daraus aber wurde nichts, der vierte Kreuzbandriss im linken Knie beendete jäh seine Karriere als Fußballer. „Mit 18 Jahren musste ich aufhören“, sagt Benjamin Maier. Nach diesen schweren Verletzungen, die ihm widerfahren sind, stand er kurz davor, dem Fußball den Rücken zu kehren, trainierte dann aber in seinem Heimatclub Spvgg. Wart-Ebershardt die E-Jugend und die D-Jugend, damit begann seine Laufbahn als Coach. Seit Mitte Dezember ist Benjamin Maier nun Trainer des Bezirksligisten VfL Herrenberg.

Der 35 Jahre alte Benjamin Maier ist Trainer durch und durch. „Wenn ich etwas mache, dann zu 110 oder sogar 120 Prozent“, sagt der gelernte Elektroinstallateur, der darauf noch die Ausbildung zum Techniker sattelte. Bei der Firma Häfele in Nagold ist er im Servicebereich für elektronische Schließanlagen tätig. Dass Maier aber auch ohne Fußball leben kann, hatte sich im vergangenen Jahr gezeigt: Im April verließ er den damals abstiegsgefährdeten Landesligisten SF Gechingen. „Ich habe anschließend bis zum Sommer gar nichts gemacht“, sagt Maier, der unter anderem seine Schwester in Schweden besucht hatte. „Ich wollte komplett Abstand gewinnen vom Fußball. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt inklusive der Jugend bei Wart 14 Jahre nacheinander als Trainer tätig.“ Maier hatte so viel Abstand gewonnen, dass er sich sogar mit dem Gedanken beschäftigte, dem Fußball Lebewohl zu sagen. „Ich hatte im Kopf, Fußball vielleicht komplett zu beenden“, sagt Maier. Dann aber läutete bei ihm mehrfach das Telefon in einer Phase, in der sich einige Verein auf die Suche nach einem Trainer machen: kurz vor der Winterpause. Nach einem Trainer für die kommende Runde – oder aber nach einem Coach, der sogar in der zweiten Saisonhälfte einsteigen kann. „Ich hatte vier Anfragen, mit drei Vereinen habe ich mich ernsthaft auseinandergesetzt“, erzählt Maier, zu diesen drei Clubs gehörte der VfL Herrenberg.

Der Bezirksligist hatte im November Markus König entlassen, die Abteilungsspitze mit Markus Rühle und Giuseppe Costanza führte das Team in die Winterpause. Benjamin Maier: „Das Gespräch mit beiden war sehr angenehm, es hat einfach gepasst. Das Konzept des Vereins deckt sich mit meinen Überlegungen, wir wollen wieder mehr nach den eigenen Jugendlichen schauen.“ Zudem will er dem VfL eine andere Spielkultur vermitteln. „Ich will einen gepflegten Fußball spielen von hinten heraus. Ich will schöne Kombinationen sehen. Wir müssen einen Plan haben im Spiel mit Ball, aber auch im Spiel gegen den Ball“, sagt Maier, der sich nicht als Alleinunterhalter sieht. Im Gegenteil: Rico Wentsch hat von ihm weitreichendere Aufgaben als Co-Trainer übertragen bekommen, in Tim Rühle stieß ein Trainer für den Bereich Fitness und Athletik dazu.

Tim Rühle hat maximalen Stallgeruch, war er doch jahrelang Spieler des VfL. Inzwischen gehört er der Abteilungsleitung der Triathlonsparte des VfL an. „Tim kniet sich richtig rein. Die Jungs kennen ihn, das passt gut. Wir können mit seiner Unterstützung verletzte Spieler wieder schneller aufbauen“, sagt Maier. Und mithilfe des VfL-Centers, das sich in unmittelbarer Nähe des Stadions befindet. „Wir haben dort tolle Möglichkeiten“, sagt Maier, für den diese gesamte Infrastruktur, dazu gehören auch das Stadion, die Trainingsplätze und der Kunstrasen, ein entscheidender Faktor war, dem VfL zuzusagen. Zudem habe er von seinem Arbeitsplatz aus wie auch von seinem Wohnort Wart kurze Anfahrtszeiten.

Entscheidend seien aber die sportlichen Aussichten gewesen „Die Mannschaft hat Qualität, hat sie aber noch nicht gezeigt in dieser Runde“, sagt Maier. Mit drei Punkten Rückstand auf Platz zwei belegt der VfL derzeit Rang sechs im Klassement. Maier: „Mal sehen, wie wir aus der Winterpause kommen und was in diesem Jahr noch möglich ist. Mittelfristig wollen wir in der Landesliga spielen.“ Derzeit laufen die Gespräche mit den Spielern des aktuellen Kaders. „Wir haben gewisse Vorstellungen und werden sehen, wer mitzieht.“

In seinem ersten Auftritt als Coach beim „Gäubote“-Cup zeigte sich die bittere Seite des Fußballs. Holzgerlingens Jan Modjesch brach sich nach einem Foul eines Herrenberger Gegenspielers das Schien- und Wadenbein (wir berichteten). „Aufgrund meiner Verletzungen kann ich mit ihm mitfühlen. Ich wünsche ihm alles Gute“, sagt Maier, der das Verhalten der Herrenberger Fußballabteilung lobt. „Ich fand es sehr gut, dass gleich der Kontakt zur Familie geknüpft wurde und es ist toll, das Giuseppe Costanza den Kontakt aufrecht hält.“

Der neue Herrenberger Coach betreute in Wart nach seinem Ende als Kicker die E- und D-Jugend, mit 22 übernahm er erstmals eine aktive Mannschaft, den TSV Simmersfeld. Er belegte mit dem Team Rang drei in der Kreisliga B, fühlte sich letztlich aber noch nicht reif für die Aufgabe. „Ich war noch nicht so weit, um mit dem Druck auch von außen umgehen zu können“, sagt Maier, der nach einem Jahr wieder nach Wart wechselte und dort die B-Jugend trainierte. Dann ereilte ihn in der Winterpause ein Anruf, der weitreichende Auswirkungen hatte: der VfL Nagold meldete sich. „Nagold hatte ein Trainerproblem in der B-II-Jugend“, so Maier. Ihn reizte die Aufgabe, er wollte aber seinen Heimatclub nicht im Stich lassen. Also coachte er eine Runde lang zwei Teams, stand sechs von sieben Tagen in der Woche auf dem Sportplatz. „Das hat für mich damals gepasst“, sagt Maier, der wenig später zur Runde 2009/10 Co-Trainer von Walter Baur in der A-Jugend des VfL wurde, die damals in der Oberliga spielte. Maier: „Das war das goldene Los für mich. Walter Baur hat mich durch seine Art in den Bann gezogen. Ich habe extrem viel von ihm gelernt. Er hat Fußball gelebt, er hatte einen beeindruckenden Umgang mit seinen Spielern.“ Zwei Jahre später kehrte er als Aktiventrainer noch mal nach Wart-Ebershardt zurück, stieg mit seinem Club 2013 in die Kreisliga A auf. Abermals klingelte danach das Telefon, abermals war der VfL Nagold am Apparat, diesmal der damalige Abteilungsleiter Götz Mücke. Walter Baur war gestorben, Nagold benötigte einen Trainer für die A-Jugend, und fand ihn in Maier. Vier Jahre blieb er beim VfL, coachte zum Schluss auch noch die abstiegsgefährdete zweite Mannschaft, gemeinsam mit Yannic Dengler und Marc Bühler erreichte er den Klassenverbleib. Anschließend folgte bis April 2019 die Station in Gechingen. Und nun also der VfL Herrenberg. Ob er dort gelandet wäre, hätte er nicht vier Kreuzbandrisse erlitten? „Walter Baur hat mir gesagt, dass in jedem Negativen auch etwas Positives steckt. Ich habe meinen Weg als Trainer gefunden.“

THOMAS OBERDORFER

Zum Artikel

Erstellt:
14. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 24sec

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.