Wildberger Ehrenbürger: Walter Schultheiß im Alter von 101 Jahren gestorben
Walter Schultheiß bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde in seinem Heimatort Wildberg GB-Foto (Archiv): Bäuerle
Das Land trauert um einen herausragenden Charakterdarsteller: Walter Schultheiß ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Zwei Tage vor Weihnachten „trat er ab“, wie er es selbst wohl formuliert hätte – ruhig, im Kreise seiner Familie, daheim in Wildberg. Erst am Freitagnachmittag machte die Familie den Tod öffentlich. Abschied genommen wurde im engsten Kreis auf dem Friedhof in Wildberg, dort, wo seit vier Jahren seine Ehefrau Trudel Wulle ruht. Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger kündigte an, in Wildberg solle eine Straße nach Walter Schultheiß benannt werden.
Schultheiß war mehr als ein schwäbischer Volksschauspieler. Er war ein Original, ein „Jahrhundertschwabe“ mit kantigem, trockenem Humor und unverwechselbarer Präsenz. Geboren wurde Walter Schultheiß im Mai 1924 in Tübingen. Schon früh faszinierte ihn das Theater: Mit zwölf Jahren baute er sich eine eigene Schattentheaterbühne und ließ Mephisto aus Goethes „Faust“ lebendig werden. Nach dem Krieg wagte er den Schritt auf die Bühne, spielte zunächst in Tübingen und Stuttgart und erhielt am Stuttgarter Volkstheater sein erstes Engagement. Dort lernte er auch Trudel Wulle kennen, seine spätere Ehefrau. Ein wichtiges Standbein wurde für Schultheiß der Rundfunk. Beim damaligen Süddeutschen Rundfunk sprach er zunächst Hochdeutsch, wurde aber bald zur festen Größe der Mundart-Hörspiele. In der Nachkriegszeit waren Schauspieler mit Dialekt besonders gefragt – und Schultheiß wurde zur Radio-Legende. Der Höhepunkt seiner Karriere folgte in den 1960er-Jahren: Gemeinsam mit Werner Veith eroberte er als Straßenkehrer „Karle und Gottlob“ die Herzen der Zuhörer. Die samstäglichen Live-Sketche sind bis heute ein Stück schwäbische Kulturgeschichte. Später öffnete ihm auch das Fernsehen die Türen. Ob im „Tatort“ oder in Serien wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ – Schultheiß verkörperte den hintersinnig-humorvollen Schwaben mit leiser Autorität und warmem Augenzwinkern. In den 1980er-Jahren begann zudem die enge Zusammenarbeit mit dem Autor Felix Huby, der ihm Rollen wie „Köberle kommt“, „Der König von Bärenbach“ oder „Der Eugen“ auf den Leib schrieb.