Windkraft: OB und Ratsfraktionen formulieren Resolution an die Politik

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Windkraft: OB und Ratsfraktionen formulieren Resolution an die Politik

Nach dem Rückzug des Projektierers Prokon aus dem geplanten Windpark im Spitalwald fordert die Stadt Herrenberg bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie in Süddeutschland. Gemeinderat und Oberbürgermeister haben dazu eine Resolution an die Politik verabschiedet.Der Gemeinderat der Stadt Herrenberg sieht die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit großer Sorge. Die Stadt verfolgt das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden und zugleich eine verlässliche Energieversorgung sicherzustellen. Der Windenergie komme dabei eine zentrale Bedeutung zu.In einem breiten Beteiligungsprozess war ein Windpark auf städtischen Waldflächen vorbereitet worden. Ein Bürgerentscheid bestätigte das Vorhaben der Prokon eG mit deutlicher Mehrheit und erteilte damit einen klaren Auftrag zur Umsetzung. Nach dem Bürgerentscheid und den entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen war der Nutzungsvertrag mit dem Unternehmen bereits unterschriftsreif. Am 30. September 2026 zog sich Prokon jedoch als Projektierer zurück. Gestiegene Kosten und Zinsen sowie sinkende EEG-Vergütungen hätten das Vorhaben wirtschaftlich unrentabel gemacht.Nach Einschätzung der Stadtverwaltung steht Herrenberg beispielhaft für die schwierigen Rahmenbedingungen der Windenergie in Süddeutschland. Auch Projekte in Jettingen, am Lindenrain und in Balingen-Ostdorf seien gefährdet. Bereits im Frühjahr 2026 hätten 22 Projektierer vor einem faktischen Stillstand des Windenergieausbaus in Baden-Württemberg gewarnt.Als wesentliche Ursache sieht die Stadt die bundesweiten EEG-Ausschreibungen, die süddeutsche Standorte aufgrund der geringeren Windstärken benachteiligten. Das bestehende Referenzertragsmodell gleiche diese Nachteile nicht ausreichend aus. Zusätzliche Belastungen durch das Netzanschlusspaket und die geplante Netzentgeltreform könnten die Wirtschaftlichkeit der Projekte weiter verschlechtern. Die Stadt fordert deshalb eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit Strom stärker dort erzeugt werden kann, wo er auch benötigt wird.Kritisch bewertet der Gemeinderat zudem die Verzögerungen beim Teilregionalplan Windenergie der Region Stuttgart. Das Verfahren müsse beschleunigt und rechtssicher abgeschlossen werden.In ihrer Resolution fordern Gemeinderat und Oberbürgermeister insbesondere eine stärkere Berücksichtigung süddeutscher Windenergiestandorte bei den EEG-Ausschreibungen. Dazu gehören eine verbindliche Südquote, eine Verbesserung des Referenzertragsmodells sowie verlässliche Übergangsregelungen für Projekte, die bereits weit fortgeschritten sind. Außerdem dürften mögliche Begrenzungen von Pachtzahlungen die Beteiligung der Kommunen an der Wertschöpfung nicht gefährden. Auch kommunale und bürgerschaftliche Projekte sollten durch bessere Förder- und Vermarktungsbedingungen gestärkt werden.Die Forderungen richten sich an die Bundes- und Landesregierung, die Abgeordneten aus der Region sowie den Verband Region Stuttgart. Dieser soll insbesondere an der vorgesehenen Vorrangfläche BB-07 festhalten und das Regionalplanverfahren vorantreiben. Auch der Landkreis Böblingen und die Nachbarkommunen werden gebeten, die Resolution zu unterstützen.Der Gemeinderat verweist dabei auf die Bedeutung der Windenergie für die regionale Wirtschaft. Gerade im wirtschafts- und industriestarken Landkreis Böblingen seien die Unternehmen auf eine verlässliche und klimafreundliche Energieversorgung angewiesen. Windenergie vor Ort könne die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern, lange Stromtrassen vermeiden und zur Begrenzung der Netzkosten beitragen. Aus Sicht der Stadt steht deshalb mehr auf dem Spiel als das Windparkprojekt im Spitalwald: Scheitere ein Vorhaben trotz Bürgerentscheid, kommunaler Unterstützung und bereits weit fortgeschrittener Planung an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, seien auch die Klima- und Ausbauziele von Bund und Land gefährdet.

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Erstellt:
06.11.2026, 10:26 Uhr