„Wir stehen unter Druck“

Fußball: Für den Landesligisten FC Gärtringen sind die Auswirkungen der Alarmstufe II eventuell verheerend. Reicht ein PCR-Test zum Erlangen der Spielberechtigung für die ungeimpften Akteure noch aus?

Thomas Oberdorfer

Kemmler ist um seinen Trainerjob beim FCG nicht zu beneiden.GB-Foto (Archiv): Holom

Kemmler ist um seinen Trainerjob beim FCG nicht zu beneiden.GB-Foto (Archiv): Holom

Das Land Baden-Württemberg zieht die Zügel in der Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter an: Gestern trat die Alarmstufe II in Kraft, diese hat auch Auswirkungen auf den Sport. Laut der neuen Verordnung gilt auch bei Vereins- oder Sportveranstaltungen die 2-G-plus-Regelung. „Genesene und geimpfte Personen müssen zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen.“ So steht es in der Verordnung des Landes Baden-Württemberg von Mittwoch.

Was nicht darin steht: Auf welche Personengruppe bezieht sich diese Passage konkret? Auf die Besucher und Zuschauer, auf die Sportler und Trainer, auf Kassier und Ordner oder auf alle genannten Gruppierungen? Der Württembergische Fußballverband (WFV) war gestern nicht in der Lage, diesbezüglich eine Pressemitteilung zu veröffentlichen, der Hintergrund: Dem Verband lag die vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg zu erarbeitende Corona-Verordnung Sport noch nicht vor. In dieser sollen die in der Alarmstufe II genannten Maßnahmen präzisiert werden. Und ohne dieses Papier ist der WFV schlicht nicht in der Lage, Informationen an die Presse und die Vereine weiterzugeben. Laut Benedikt Reinhard, Pressesprecher des Kultusministeriums, soll die neue Corona-Verordnung Sport heute oder morgen veröffentlichet werden.

Auf der Internet-Seite des Landes befindet sich an einer Stelle der Corona-Verordnung ein Link zu einer Datei, die mit „Corona-Regeln ab 24. November 2021“ überschrieben ist. Auf Seite acht dieses Dokuments steht unter der Rubrik „Sport in Sportstätten und Sportanlagen“, dass in der Alarmstufe II im Freien die 3-G-Regel gilt. Sprich, Spieler müssen entweder geimpft oder genesen sein oder aber einen negativen PCR-Test vorlegen, um an den Trainingseinheiten und den Spielen teilnehmen zu können. Auf diesen Passus bezieht sich auch Frank Rasch, Vorstandsmitglied des FC Gärtringen, wenn er sagt: „Ich gehe davon aus, dass dies auch weiterhin gilt.“

Am vergangenen Wochenende war diese Regelung gültig, die Spieler des Landesligisten wurden darüber im Vorfeld von Frank Rasch informiert. Dennoch musste Gärtringens Trainer Hanjo Kemmler auf sechs Akteure verzichten, sie sind nicht geimpft oder genesen und sie haben es versäumt, einen PCR-Test vorzunehmen. Für Kemmler hatten die Ausfälle von wichtigen Akteuren weitreichende Konsequenzen, denn er musste auf etliche Spieler der zweiten Mannschaft zurückgreifen und sein Team zudem gewaltig umbauen. Der FC Gärtringen II ist derzeit Tabellenführer in der B5, einige der Spieler „haben durchaus Potenzial“, so Kemmler. Aber: Der Sprung von der Kreisliga B hoch zur Landesliga ist enorm. Und wenn Gärtringen dann noch bei einem heimstarken Gegner wie dem SV Zimmern antreten muss, der einen ausgefuchsten Stürmer wie Damian Kaminski in seinen Reihen hat, wird die Aufgabe doppelt schwer, am Samstag bei der 0:4-Niederlage war sie letztlich unlösbar. Kemmler: „Die Jungs aus der zweiten Mannschaft haben ihre Sache gut gemacht. Ich kann aber nicht verlangen, dass sie plötzlich in der Landesliga für Furore sorgen, ich kann keine Wunderdinge erwarten.“ Vor der Partie am kommenden Sonntag zu Hause gegen den GSV Maichingen (14.30 Uhr) stehen die Gärtringer vor demselben Problem, sofern die Lesart von Frank Rasch stimmt und weiterhin die 3-G-Regel für die Spieler stimmt: Die Spieler müssen mittels eines negativen PCR-Tests belegen, dass die spiel- und trainingsberechtigt sind.

Je nach Trainingsplan und Zeitpunkt der Testergebnisse sind bis zu drei Tests pro Woche nötig, um an sämtlichen Terminen des Teams teilnehmen zu können. Die Preise dieser Tests sind unterschiedlich, sie kosten jeweils wenigstens 60 Euro, können aber auch deutlich teurer sein. Generell gilt: Je schneller das Ergebnis vorliegen soll, desto kostspieliger wird es. Hier stellen sich Fragen: Wer übernimmt diesen Betrag? Ein Spieler alleine, der Verein alleine, beide Seiten jeweils zur Hälfte? Oder etwa niemand, so dass die Akteure bis auf Weiteres nicht zum Einsatz kommen würden. Auf diese Fragen ist der FCG nicht konkret eingegangen, als Antwort schreibt Frank Rasch: „Für die Öffentlichkeit interessant ist, dass wir uns selbstverständlich an die jeweils aktuellen Auflagen halten. Wie wir intern damit umgehen, bleibt intern.“

Sollten die Gärtringer Spieler umdenken und sich impfen lassen, sofern sie überhaupt zeitnah Termine bekommen, so würden sie dennoch in diesem Kalenderjahr ohne PCR-Test nicht mehr zum Einsatz kommen: Besteht der volle und dann anerkannte Impfschutz, befinden sich die Landesliga-Kicker längst in der Winterpause. Das gilt auch für den – nur mal konstruierten – Fall, sollte sich ein Spieler mit dem Virus infizieren und genesen. Die daraus resultierende und der Verordnung nach akzeptierte Immunität würde erst nach Beginn der Winterpause eintreten.

Hanjo Kemmler ist um seinen Posten derzeit jedenfalls nicht zu beneiden. Er steckt mit der Mannschaft im Abstiegskampf, der Vorsprung vor dem unteren Relegationsplatz beträgt nur drei Zähler. „Wir müssen vor der Winterpause schon noch den einen oder anderen Punkt holen, um nicht komplett nach hinten zu rutschen. Wir stehen unter Druck“, sagt Kemmler, der deutlich wird: „Als Trainer ist das eine schwierige Situation.“

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Erstellt:
25. November 2021, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 31sec

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