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Der Bürgermeister steht in der Kritik

Der Schock sitzt tief. Im Juni starb ein Mitglied der Mötzinger Feuerwehr bei einer Motorradausfahrt mit seinen Kameraden. Den 43 Aktiven fällt es schwer, den Todesfall zu verarbeiten, die Emotionen kochen immer wieder hoch.Und Bürgermeister Marcel Hagenlocher steht dabei im Brennpunkt.

„Er war beliebt“, sagt Stefan Thoma, Kommandant der Mötzinger Wehr über den Kameraden. „Sein Tod hat eine große Lücke gerissen.“ Im Alter von 35 Jahren verunglückte der Mitstreiter bei einer Motorradausfahrt, die er gemeinsam unter anderem mit Thoma und dessen Stellvertreter Holger Haarer unternahm. Die emotionale Betroffenheit ist bei beiden Feuerwehrleuten daher sehr hoch, wie sie im „Gäubote“-Gespräch immer wieder zum Ausdruck bringen. „Sein Tod ist für alle schwer zu verstehen“, berichtet Thoma. „Vielen wird jetzt erst bewusst, was sie alles noch mit ihm machen wollten und dass er nicht mehr da ist.“ Durch dessen Aufgabe als Gerätewart habe es sehr viele Berührungspunkte gegeben. „Wir haben über den Tod gesprochen, so gut es geht. Das hat auch viel geholfen“, erzählt der Kommandant vom Vorfeld der Beerdigung, die Ende Juni stattfand. Einen Abschluss konnte die Verarbeitung dieses Verlusts indes noch nicht finden. Wegen der Beerdigung.

Vor allem Holger Haarer nimmt daran Anstoß. Daran, dass Bürgermeister Marcel Hagenlocher dem Kameraden nicht die letzte Ehrerweisung zuteilwerden ließ. „Ich habe mit vielen Mitgliedern der Wehren aus umliegenden Gemeinden gesprochen“, sagt Haarer gegenüber dem „Gäubote“. „Sie sind alle vom Glauben abgefallen.“ Er sei von anderen Mitgliedern und vielen Mötzingern verwundert auf Hagenlochers Abwesenheit angesprochen worden.

Stefan Thoma versuchte daraufhin, die Wogen zu glätten, und suchte das Gespräch mit dem Bürgermeister. Durch Besuche bei den ehrenamtlichen Rettern sollte Ruhe einkehren. Sie üben montags, rotierend in zwei Zügen. Am kommenden Montag steht das zweite Gespräch an, das erste war in diese Woche.

Dem „Gäubote“ gegenüber berichtet Marcel Hagenlocher, wie er den Feuerwehrleuten am Montag versuchte, seine Situation zu erklären. Demnach hatte er schon neun Monate lang für das Wochenende, auf das die Beerdigung fiel, den Abschluss mit den Gemeinderäten geplant. Für 15 Personen hatte er einen zweitägigen Ausflug nach Würzburg organisiert: Busfahrt, Hotel, Führungen und vieles mehr. Die Ausfahrt finanzieren die Räte übrigens über das Sitzungsgeld, das sie für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Entschädigung erhalten. Vor Ort war Hagenlocher als Reiseleiter vorgesehen, der, während die Gruppe einen Stadtbummel macht, alle Tickets besorgt. „Ich habe lange überlegt, ob sich beides verbinden oder der Ausflug verschieben lässt“, sagt der Bürgermeister. „Doch das wäre schwierig gewesen, die Gruppe wäre ohne Reiseleitung gewesen. Wäre ich ein normaler Mitreisender gewesen, wäre ich zur Beerdigung gekommen.“

Lob und Zuspruch wirken
auf Haarer wie Sonntagsreden

Holger Haarer verstand nach der Beerdigung nicht, dass zwar Thomas Trefz, ein Feuerwehrmann und Gemeinderat, erst nach der Beerdigung zum Ausflug ging, der Bürgermeister diesem Beispiel aber nicht folgte. Hagenlochers Erklärung, als Reiseleiter fungiert zu haben, möchte der stellvertretende Kommandant, der sich ohne Mandat seiner Kollegen an den „Gäubote“ gewandt hat, nicht gelten lassen. „Bei jeder Jahreshauptversammlung und bei vielen anderen Veranstaltungen bekommen wir zu hören, wie wichtig unser Ehrenamt ist und wie wichtig die Feuerwehr für die Gemeinde ist. Seit der Trauerfeier frage ich mich, ob das alles Sonntagsreden sind.“ Dabei übernähmen die Feuerwehrleute doch ehrenamtlich eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.

Hagenlocher „kann sehr gut verstehen, dass da Emotionalität drin ist, da ich in meiner Familie selber eine ähnliche Situation erlebt habe, als jemand mit dem Motorrad zu Tode kam“, so der Bürgermeister. „Zumal Haarer beim Unfall dabei war.“ Das Gemeindeoberhaupt möchte nun auch beim zweiten Zug der 43 Köpfe starken Mötzinger Wehr seine Gründe darlegen. Ob er dabei anders vorgehen werde, müsse er noch überlegen. „Es tut mir leid, dass das zu Missstimmung geführt hat“, bekennt Bürgermeister Marcel Hagenlocher, „aber ich kann es nicht mehr ändern.“

Die Kritik entzündet sich an Marcel Hagenlocher im Zusammenhang mit Trauerfällen nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren kam eine fünfköpfige Schausteller-Familie aus Mötzingen auf tragische Weise ums Leben, als ein Mülllaster umkippte und ihr Auto unter sich begrub (der „Gäubote“ berichtete). In der Folge davon befand sich die Gemeinde in einem Ausnahmezustand – sowohl emotional als auch aufgrund des bundesweiten Medieninteresses. Auch hier wurde der Mötzinger Bürgermeister, der im Urlaub weilte, von vielen vermisst.

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Erstellt:
11. Juli 2019, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juli 2019, 00:00 Uhr

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