Der WFV beschließt eine 75-Prozent-Regelung

Jetzt ist es amtlich: Der Beirat des Württembergischen Fußballverbands (WFV) hat auf seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dass in den Amateurligen ab der Verbandsliga nur noch die Hinrunde absolviert wird. Spätestens am Sonntag, 9. Mai, muss die unterbrochene Saison fortgesetzt werden.

Thomas Oberdorfer

Verwaistes Leder auf dem Kunstrasenplatz in Bondorf: Ob der Fußball noch mal seinen Spielbetrieb im Mai aufnehmen kann, hängt auch von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab GB-Foto (Archiv): Holom

Verwaistes Leder auf dem Kunstrasenplatz in Bondorf: Ob der Fußball noch mal seinen Spielbetrieb im Mai aufnehmen kann, hängt auch von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab GB-Foto (Archiv): Holom

Ist das bis zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, wird die Saison annulliert. Gewertet wird die Saison hingegen auch dann, wenn mindestens 75 Prozent der Mannschaften einer Liga ihre Hinrunde absolviert haben, die Quotienten-Regelung käme zum Tragen.

Am Mittwoch vergangener Woche hatte der Verbandsspielausschuss des WFV mit den Bezirksspielleitern und Bezirksvorsitzenden online eine Besprechung veranstaltet (wir berichteten). Dabei wurden Szenarien erarbeitet, wie die aktuell unterbrochene Saison in den Amateurligen ab der Verbandsliga abwärts fortgeführt werden könne. Zu diesen Vorschlägen konnten die Vereine Stellung nehmen, gestern nun hat der WFV-Beirat aus den Ideen Beschlüsse gemacht.

Ein entscheidendes Datum ist der 9. Mai: An jenem Sonntag muss die unterbrochene Spielzeit zwingend fortgesetzt werden. Wird der am 29. Oktober des vergangenen Jahres abgebrochene Spielbetrieb nicht bis zum 9. Mai fortgesetzt, werden die Meisterschaftsrunden annulliert. Fest steht auch, dass die Saison am 20. Juni beendet wird, daran schließen sich noch die Begegnungen der Aufstiegs- und Abstiegsrelegation an.

Eine weitere Regelung hat der WFV-Beirat beschlossen, von der zumindest nach außen hin vergangene Woche noch überhaupt nicht die Rede war: Wenn in den jeweiligen Staffeln bis zum 20. Juni die Hinrunde nicht vollständig abgeschlossen werden konnte, mindestens 75 Prozent der Mannschaften einer Spielklasse aber alle ihre Spiele der Hinserie durchgeführt haben, wird die Abschlusstabelle nach der Quotienten-Regel festgelegt und anhand derer werden die Aufsteiger, Absteiger und Teilnehmer an den Relegationen ermittelt. Für die Verbandsliga und die Landesliga (jeweils 20 Mannschaften) bedeutet das: Haben je 15 Teams alle Hinrundenspiele durchgeführt, wird die Saison gewertet. In der Bezirksliga (17) sind das aufgerundet 13 Teams, in der Kreisliga A2 (16) sind es zwölf Teams, ebenso in der Klasse B4 (16) und B5 (15). In der Staffel B2 (17) sind es 13 Mannschaften, die komplett die Hinrunde gespielt haben müssen. Diese Regelung ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass aufgrund weiter herrschender Corona-Verhältnisse die eine oder andere Mannschaft in Quarantäne geraten und so eventuell bis zum 20. Juni die erforderlichen Punktspiele nicht mehr ableisten könnte.

„Dem Beiratsbeschluss vorausgegangen war eine Anhörung der 1594 am Spielbetrieb teilnehmenden Vereine, von denen 265 Stellungnahmen eingingen. Dabei haben sich etwa 45 Prozent der Vereine für den Vorschlag einer Fortsetzung der Saison 2020/21 zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber zum 9. Mai, mit Abschluss der Vorrunden und anschließender Relegation ausgesprochen“, steht in einer Pressemeldung des WFV, die am gestrigen frühen Freitagabend verschickt wurde. Ein Anteil von rund 35 Prozent der Vereine möchte die Saison nicht fortsetzen, sondern sofort abbrechen und annullieren mit der Folge, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt. Wenig überraschend handelt es sich dabei vor allem um Clubs, deren erste Herrenmannschaften Gefahr laufen, abzusteigen.

Der WFV will weiterhin den Vereinen eine Vorbereitungszeit von mindestens drei Wochen ermöglichen. Wichtig: Dieser Punkt ist nicht Inhalt des Beschlusses. Der WFV erntete allerdings schon im Vorfeld seitens der Vereine und Mannschaftsverantwortlichen erhebliche Kritik an dieser Überlegung: Die Verletzungsgefahr sei zu groß, eine dreiwöchige Vorbereitungszeit nach einer monatelangen Pause deutlich zu kurz. Sicher ist der verschärfte Abstieg, so werden beispielsweise aus der Landesliga-Staffel 3 sechs Teams in die Bezirksliga absteigen müssen.

„Unsere zentrale Aufgabe als Interessenvertreter unserer Vereine ist es, den sportlichen Wettbewerb bestmöglich zu organisieren. Mit dem gefassten Beschluss haben wir die Grundlage für eine sportliche Entscheidung in der laufenden Saison geschaffen. Fußball ist eine Freiluft-Sportart und wir sehen gute Chancen dafür, mit steigenden Temperaturen wieder Fußball spielen zu können. Nach zwischenzeitlich dreieinhalb Monaten Pause ist es auch für unsere Vereine wichtig, wieder einen Trainingsbetrieb anzubieten; insbesondere im Kinder- und Jugendfußball. Ich bin sehr froh darüber, dass uns eine Mehrheit unserer Vereine in dieser Vorgehensweise unterstützt. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die die heutige Beschlussfassung sehr intensiv und im Dialog mit den verschiedenen Ebenen auf einer fundierten Basis vorbereitet haben“, äußerte sich WFV-Präsident Matthias Schöck in besagter Pressemitteilung.

Zum Artikel

Erstellt:
20. Februar 2021, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.