Die Pläne landen für ein Jahr in der Schublade

Nach der Absage der für Mitte Juni geplanten deutschen Radsport-Straßenmeisterschaft in Stuttgart und der Region ist nun klar: Die Veranstaltung wird nicht in diesem Jahr nachgeholt. Vorgesehen ist eine Verschiebung auf das kommende Jahr. Die Wettbewerbe im Zeitfahren sollen auch 2021 wie geplant rund um Öschelbronn ausgetragen werden.

Auf Stars wie Tony Martin (hier noch im Trikot von Katusha Alpecin) müssen die Fans im Gäu bis ins kommende Jahr warten GB-Foto (Archiv): Weiss/Eibner

Auf Stars wie Tony Martin (hier noch im Trikot von Katusha Alpecin) müssen die Fans im Gäu bis ins kommende Jahr warten GB-Foto (Archiv): Weiss/Eibner

Dass die deutsche Meisterschaft im Straßenradsport nicht wie geplant vom 19. bis zum 21. Juni in Stuttgart und der Region stattfinden kann, war spätestens klar, als Großveranstaltungen für einen Zeitraum bis zum 31. August bundesweit verboten worden sind. Daher hatten sich alle Beteiligten vor zwei Wochen auf eine Absage des ursprünglichen Termins geeinigt (wir berichteten). Im Hintergrund schwebte allerdings die Hoffnung, die Rennen im weiteren Verlauf des Jahres doch noch austragen zu können. Daraus wird nun nichts. „Der Ausrichter hat sich in Abstimmung mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für eine Verschiebung in das Jahr 2021 ausgesprochen. Darüber finden derzeit Gespräche mit allen beteiligten Partnern statt“, heißt es in einer Pressemitteilung des BDR und der veranstaltenden Freunde Eventagentur aus Sindelfingen.

Zu groß seien die Unwägbarkeiten gewesen. „Da Großveranstaltungen bundes- und landesweit bis mindestens 31. August 2020 zu unterbleiben haben und Prognosen über dieses Datum hinaus unsicher sind, sah das Organisationsteam keine Möglichkeit, die deutschen Straßenradmeisterschaften risikolos in Stuttgart und in den anderen Kommunen in der Region Stuttgart durchzuführen“, heißt es weiter. Vorgesehen ist nun, die Veranstaltung für Ende Juni 2021 neu zu terminieren. Das genaue Datum wird sich auch am internationalen Radsportkalender für das kommende Jahr orientieren, der zurzeit noch nicht bis ins letzte Detail bekannt ist.

Rund um Öschelbronn hätten am 19. Juni die Wettbewerbe im Zeitfahren stattfinden sollen. Start und Ziel waren am Radstadion des RSV Öschelbronn vorgesehen. Mötzingen, Unterjettingen, Nebringen, Sindlingen und Haslach sind von der geplanten Strecke tangiert. Und an der soll sich auch bei einer Verlegung in das Jahr 2021 nichts ändern. „Es ist geplant, das Event wie geplant durchzuführen“, sagt Timo Dreher von der Freunde Eventagentur. „Jede Kommune prüft gerade, was bei ihr 2021 ansteht.“ Geplante Baumaßnahmen könnten zum Beispiel eine Änderung des Streckenverlaufs notwendig machen. „Wir haben mit den Kommunen gesprochen und sehen nach den ersten Rückmeldungen keine Hürden“, so Dreher.

Das gilt auch für Gäufelden. „Bisher spricht nichts dagegen“, sagt Bürgermeister Benjamin Schmid. „Mir sind zurzeit keine größeren Baumaßnahmen bekannt, die das Event behindern könnten“, sagt der Schultes. Er findet es allerdings schade, dass die DM nicht in diesem Jahr stattfinden kann. „Aber das ist nachvollziehbar und wir freuen uns auch im kommenden Jahr darüber.“ 2021 wird auch das 50-jährige Bestehen der Gemeinde Gäufelden gefeiert. Allerdings erst im Juli. Die DM im Juni würde mit dieser Veranstaltung also nicht kollidieren.

Stefan Halanke hält die Verschiebung für die richtige Maßnahme. „Wir wären flexibel gewesen. Aber für den Radsport wäre es in diesem Jahr nach hinten raus viel zu eng geworden. Ab Ende August soll dann ja auch noch die verschobene Tour de France stattfinden“, sagt der Vorsitzende des RSV Öschelbronn. Er vermutet, dass die Radteams andere Sorgen haben werden und für sie nicht die deutsche Meisterschaft im Vordergrund stehe. „Das ist für jeden ein schlechtes Jahr. Da muss man eben mal auf die DM verzichten“, findet Halanke. Ein wirtschaftlicher Schaden entsteht dem RSV Öschelbronn durch Absage und Verschiebung nicht. Das Organisationsteam hatte seine Planungen auf Eis gelegt, als Veranstaltungen bis Mitte Juni untersagt worden waren. Der RSV hat längst auch seine für den 20. Juni im Radstadion geplante 100-Jahr-Feier abgesagt (wir berichteten). Gut möglich, dass diese erst im kommenden Jahr nachgeholt wird.

Die deutsche Straßenmeisterschaft 2021 hätte im Sauerland stattfinden sollen. Doch die Stadt Winterberg und die weiteren beteiligten Kommunen sowie Sponsoren haben einer Verschiebung der bereits zugesagten DM von 2021 ins Jahr 2022 zugestimmt. „Im Sinne des Radsports mussten wir nicht lange überlegen und tragen das selbstverständlich mit. Wenn wir dann 2021 in Stuttgart für unsere Tourismusregion und die nächsten Titelkämpfe werben können, hilft uns das sicher auch“, so Jörg Scherf, Heiko Volkert und Michael Beckmann vom Organisationsteam Sauerland. „Diese Solidarität im Sport ist einmalig“, sagt Albrecht Röder, Organisationschef der DM in Stuttgart. „Dieses Gemeinschaftsgefühl unter den Veranstaltern und die vertrauensvolle Partnerschaft mit der Landeshauptstadt Stuttgart sowie dem Verband Region Stuttgart ermutigt uns weiterhin, die Zukunft des Radsports in Deutschland zu entwickeln und zu sichern“, ist Röder überzeugt.

Im Rahmen der deutschen Meisterschaft hätte auch ein Jedermann-Rennen stattgefunden. Die bereits angemeldeten Teilnehmer des Brezel Race will der Ausrichter so schnell wie möglich per E-Mail und per Newsletter informieren. Die wichtigsten Fragen wollen die Veranstalter online unter www.brezelrace.de beantworten.

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Erstellt:
30. April 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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