Eins sein mit den anderen

Mit einem Gottesdienst im Kirchgarten feierte die Kirchengemeinde Nufringen zusammen mit den benachbarten Kirchengemeinden Gärtringen, Rohrau und Hildrizhausen Christi Himmelfahrt. Pfarrerin Heidi Fuchs ging in ihrem letzten Distriktgottesdienst vor ihrem Ruhestand auf das Thema Einheit der Christen ein. „Nur gemeinsam sind wir stark und können etwas bewegen.“

Für 100 Besucher wurde im Nufringer Kirchgarten aufgestuhlt – mehr ging wegen Corona nicht GB-Foto: Schmidt

Für 100 Besucher wurde im Nufringer Kirchgarten aufgestuhlt – mehr ging wegen Corona nicht GB-Foto: Schmidt

Für 100 Besucher standen im Kirchgarten weiße Gartenstühle bereit. Wer zusammengehörte, dufte selbstverständlich auch nebeneinandersitzen – die anderen saßen im geforderten Sicherheitsabstand. Zwei Desinfektionsstationen an Stelen standen parat, auf jedem Stuhl lag ein grüner Zettel, um seinen Namen und seine Telefonnummer zu hinterlassen. „Wir feiern heute auch, dass wir nach neun Wochen wieder zusammen als lebendige Menschen Gottesdienst feiern dürfen“, sagte Heidi Fuchs. Beim Distriktgottesdienst waren neben den Nufringern auch Besucher aus Rohrau, Hildrizhausen und Gärtringen mit dabei, manche als aktiver Teil des Gottesdienstes. Elisabeth Büchner aus Hildrizhausen etwa übernahm den Gesang – gemeinsames Singen ist wegen Corona nicht erlaubt –, Sibylle, Anne, Lilli Vogelmann und Andreas Fritz begleiteten auf Instrumenten, Pfarrer Andreas Roß aus Hildrizhausen stimmte das Glaubensbekenntnis an.

Wunsch nach Einheit
unter den Christen

„Wie gut, dass Jesus bei seinem Abschied nicht ’Tschüss’ gesagt hat. Ihr wisst jetzt, wie es geht.“ An Himmelfahrt sei quasi die Erde dem „Regierungsbezirk Himmel angeschlossen“ worden, sagte Fuchs. Im Mittelpunkt ihrer Predigt standen die Bibelverse Johannes 17, 20 bis 26, sozusagen der letzte Wille Jesu. Um das Thema Einheit geht es in den Versen. Auch in der Corona-Zeit bleibe Jesus König. „Das macht uns dankbar und zuversichtlich. Zeige, was Dir wichtig ist, und bringe Angst und Zweifel zur Ruh’.“ Der Vers helfe, ein „vertiefendes Verständnis von Einheit und Ökumene zu bekommen, der Wunsch nach Einheit unter den Christen“. Einheit wisse um die Unterschiede – aber auch, dass es etwas gibt, das tief miteinander verbindet.

„Klaffende Wunde,
wenn sich Christen separieren“

Im Distrikt wachse man gut zusammen, zu katholischen Geschwistern habe man gute Beziehungen, in der eigenen Gemeinde müsse aber so manches Mal um Einheit gerungen werden. Ob es um den richtigen Gelbton in einem Untergeschoss-Zimmer gehe oder der Lobpreis woanders „cooler“ sei: „In Jesu Auge ist es eine klaffende Wunde, wenn sich Christen separieren, sich trennen, einander den Glauben absprechen.“ Die Mitgliederzahlen der Kirchen schwänden, Hauskreise seien sich manchmal selbst genug, manche gingen dahin, „wo es abgeht“, schilderte Fuchs die Situation.

„Bei mir menschelt es auch. Ich habe nicht nur positive Gedanken, wenn Menschen uns verlassen.“ Wenn sie Jesus richtig verstehe, sei Einheit unter Christen „nicht nur Kür, sondern Pflichtprogramm“. Aber wie könne Einheit gehen? Einheit, lautete ihre Antwort, sei ein geistliches Geschehen: „Alles beginnt mit der Einheit von Vater und Sohn, mit der Liebe, die sie verbindet – davon sollen wir einen Anteil bekommen.“

Nicht die Vorliebe für einen Gottesdienst-Stil, für eine bestimmte Musik, die gleiche politische Einstellung seien entscheidend, sondern die Verbundenheit von Jesus und seinem Vater „ist die Grundlage der Einheit, die Jesus meint. Darum ist es umso schmerzlicher, wenn sich Menschen trotzdem absondern, wenn wir es trotzdem nicht miteinander können.“ Die Herausforderung bleibe im Großen und Kleinen, mit den anderen eins zu sein, auch mit „denen, die anders, seltsam oder schwierig sind. Das bin ja ich vielleicht auch.“

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Erstellt:
22. Mai 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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