Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Gitter der Arrest-Zelle sind noch heute sichtbar

Hinter dem Entringer Rathaus versammelten sich am Mittwoch knapp 50 Interessierte zum ortskundlichen Spaziergang von Reinhold Bauer. Er erklärte gleich zu Beginn, dass er ein sportliches Programm vorgesehen habe, die Strecke aber auch für Teilnehmer mit Rollatoren geeignet sei.

Gitter der Arrest-Zelle sind noch heute sichtbar

Das ehemalige „Waaghäusle“ an der Hauptstraße bildete den Abschluss der Führung GB-Foto: Straub

Nach beinahe zwei Stunden endete die Führung am „Waaghäusle“ an der Hauptstraße, das von 1911 bis 2003 in Betrieb war. Dort soll künftig ein Verkaufsautomat für regionale Produkte neben den historischen Gegenständen untergebracht werden. Die Details stehen noch nicht fest. Für die Führungsteilnehmer gab es zu deren Freude frisch geerntete Weintrauben, die an Bauers Haus in der Gretchenstraße wachsen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Spaziergangs war die historische Wasserversorgung. Zum Brunnenhäuschen, das die drei Brunnen im Dorf derzeit versorgt, reichte es allerdings nicht mehr. Am Ende der Badgasse befand sich laut Bauer im Mittelalter eine gut besuchte Badstube. „Da konnten sich die Leute auch Haare und Bart schneiden, Zähne ziehen und Wunden versorgen lassen“, sagte Bauer. Ab 1700 sei der Badgarten im Besitz mehrerer Pfarrer gewesen, später war dort ein Jugendheim. 1969 wurde es abgebrochen, jetzt lebt am früheren Standort der Bad-stube eine Familie.

Durch große Brände wurden in der Badgasse viele Gebäude zerstört. Heute ist sie geprägt von modernen Häusern, neue, große Wohngebäude entstehen gerade. Weil die Badquelle Gips führte und das Wasser nicht sauber genug war, sei die Langenhaldenquelle gefasst und in den Ort geleitet worden. Dieses weiche Wasser aus Sandstein musste allerdings durch lange Holzleitungen. „Das war kostspielig und es gab große Wasserverluste“, sagte Bauer. In Quellen fand er immer wieder Hinweise auf den „Mangel an sauberem Wasser“ im Ort. 1830 schließlich sei die Langenhaldenquelle zugunsten des heutigen Brunnenhäuschens aufgegeben worden.

Rund um das Rathaus erklärte Bauer die frühere Nutzung der Gebäude. Dort gab es neben zahlreichen Kneipen beispielsweise einen Kolonialwaren- und einen Tante-Emma-Laden und neben der heutigen Sparkasse eine Molke. Unterhaltsam berichtete Bauer von einem mündlich überlieferten Streit unter Studenten im Jahr 1931. Anwohner hätten bei der lautstarken Auseinandersetzung zugesehen und sogar noch zusätzliche Hölzer zum Prügeln angeboten. Gegenüber vom Rathaus wurden im 18. und 19. Jahrhundert Feuerwehrspritzen gelagert. Beim Brunnen befand sich eine Tankstelle. „Die Gitter der Arrest-Zelle im Rathaus sind noch heute sichtbar“, berichtete Bauer. Auf dessen Dach befindet sich eine Glocke, die Elemente des Entringer Wappens wie die Wasserwellen und eine schwimmende Ente aufgreift. Das „Friedensglöckchen“ läutet von Montag bis Freitag jeweils um 9 Uhr. „Da ist es Zeit, zum Vesper aufzuwachen“, scherzte Bauer. Der Marktplatz sei immer ein Schnittpunkt wichtiger Wege und Straßen. Die Hauptstraße wurde 1806 als Staatsstraße gebaut. Erst 200 Jahre später sei sie ausgebaut und begrünt worden.

Mostfass angeblich verantwortlich
für eingebrochenen Boden

Bauer führte die Gruppe am Mittwoch zügig durch den Ort und über einige Brücken. Eher einem Schleichweg gleicht der Scheurenweg, ein schmaler Pfad vom Ortsrand Richtung Breitenholz zur Hauptstraße. Aus heutiger Sicht mittendrin stand einmal ein Bauernhaus. Als die Straße verbreitert wurde, sei der Keller aufgefüllt worden. Angeblich ist ein vergessenes Mostfass dafür verantwortlich, dass der Boden unter der späteren Bushaltestelle einbrach. „Zu Schaden gekommen ist dabei aber niemand“, so Bauer.

Er zeigte auch mehrere Hausinschriften, die er teils mühsam entschlüsselt hat. In der Paulinenstraße 5 sind beispielsweise Johann Conrad Wittel und das Baujahr 1743 verewigt. Die Buchstaben „USH“ bedeuten laut Bauer „und seine Hausfrau“. Ähnlich ist das an anderen Entringer Gebäuden zu finden.

Der vierte und in diesen Sommerferien letzte ortskundliche Spaziergang ist am heutigen Mittwoch, 21. August. Treffpunkt ist um 19 Uhr vor der Zehntscheuer. Unter dem Motto „Vom Flecka uff da Berg“ befasst sich Reinhold Bauer mit Begebenheiten und Gegebenheiten auf den Gassen und Wegen des Dorfes. Den Abschluss bildet die Besichtigung eines großen, bunkerartigen Kellers.

Zum Artikel

Erstellt:
21. August 2019, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2019, 00:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.