Impfstoff-Engpasss: Eindringlicher Appell an den Minister

Herrenberg - Die Landräte des Landkreises Böblingen und des Rems-Murr-Kreises machen in einem Brief an Minister Manfred Lucha auf die Herausforderungen bevölkerungsreicher Kreise mit nur einem Impfzentrum bei der aktuellen Impfstoffknappheit aufmerksam und bitten um Abhilfe

Die Corona-Impfungen haben schleppend begonnenGB-Foto: Vecsey

Die Corona-Impfungen haben schleppend begonnen GB-Foto: Vecsey

Nachdem sich der Start der Kreisimpfzentren (KIZ) auf den 22. Januar verschiebt und die ersten Impfdosen erst am 20./21. Januar geliefert werden können, machen sich die Landräte des Landkreises Böblingen und des Rems-Murr-Kreises, Roland Bernhard und Dr. Richard Sigel, ernsthaft Sorgen, wie vor allem die älteren Bürger sowie das medizinische Personal der ersten Priorität schnellstmöglich „durchgeimpft“ werden können. Die Impfstoffknappheit erschwert dies enorm, gerade in bevölkerungsreichen Landkreisen.

In einem Brief an Minister Manfred Lucha appellieren sie, ausreichend Impfstoff für bevölkerungsreiche Landkreise zur Verfügung zu stellen. Impfdosen sollten innerhalb Baden-Württembergs nach der Einwohnerzahl eines Landkreises verteilt werden, so die Landräte. Der Impfstoffmangel war so bei der Planung und Verteilung der KIZ im Land Anfang Dezember 2020 nicht absehbar. Aktuell erhält jedoch jedes KIZ gleich viele Impfdosen, unabhängig davon, wie viele Menschen im Landkreis wohnen. Lediglich die sechs bevölkerungsreichsten Stadt- und Landkreise haben zwei KIZ zugebilligt bekommen und damit steht dort nun die doppelte Menge Impfstoff zur Verfügung. So entsteht gerade in der Anfangsphase ein Ungleichgewicht beim schnellen Erreichen des Schutzes für die besonders gefährdeten Personengruppen. Auch wenn ausreichend Impfstoff vorhanden wäre und die KIZ unter Volllast fahren könnten, wären Landkreise wie der Rems-Murr-Kreis und der Landkreis Böblingen angesichts ihrer Bevölkerungszahlen das Schlusslicht in der Region Stuttgart bei den Impfungen der Personengruppe mit der höchsten Priorität. Es ist gerade in der Anfangsphase nur begrenzt damit zu rechnen, dass die Zielgruppe der älteren Menschen über 80 in großer Zahl die zentralen Impfzentren aufsuchen wird.

Daher bitten Dr. Richard Sigel und Roland Bernhard eindringlich, die Einwohnerzahl bei der Zuteilung von Impfstoff an die KIZ stärker zu berücksichtigen – zumindest, bis in den bevölkerungsreichen Landkreisen alle Alten- und Pflegeheime durchgeimpft sind. Alternativ könnten die Mobilen Impfteams der Zentralen Impfzentren, die bereits in der Region Stuttgart unterwegs sind, verstärkt in diesen beiden bevölkerungsstarken, aber nur mit einem KIZ ausgestatteten Landkreisen eingesetzt werden – und im Idealfall alle Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen komplett impfen.

Auch ein „Sonderkontingent“ an Impfstoff zur Ausstattung der mobilen Impfteams der KIZ wäre eine mögliche Lösung, um alle Alten- und Pflegeeinrichtungen ebenso schnell impfen zu können wie in anderen Landkreisen, die eine geringere Einwohnerzahl haben und damit eine andere Aufteilung der Impfdosen zwischen KIZ und den mobilen Teams vornehmen können.

Der Impfstoff sei aktuell ein rares Gut ist und es könne keine absolute Gerechtigkeit bei der der landesweit gleichmäßigen Verteilung geben, so die beiden Landräte. Jedoch hoffe man auf eine flexible und praktikable Lösung.

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Erstellt:
8. Januar 2021, 16:08 Uhr
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