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Sogar eigenes Butterbrotpapier produziert

Auf den Spuren von Umbrüchen und mit dem Blick auf die Moderne waren etwa 45 Interessierte durch Sulz am Eck unterwegs. Die heimatgeschichtlich bewanderten Führer Heide Dittus und Timo Roller ließen die Teilnehmer an ihrem reichen Wissensschatz teilhaben. In den etwa zweieinhalb Stunden legte die Gruppe eine ordentliche Strecke mit einigen Stationen zurück.

Sogar eigenes Butterbrotpapier produziert

Heide Dittus machte mit den Teilnehmern auch im Bereich „Im Pflaster“ Station GB-Foto: Geisel

Schon nahe dem Treffpunkt, der Sulzer Gemeindehalle, wartete allerlei Geschichte der letzten etwa 150 Jahre auf die Teilnehmer. Im Bereich von Rathaus und Schule erzählte Heide Dittus von der früheren Straßenführung, den matschigen Wegen und dem daraus resultierenden Ortsspitznamen „Sulz im Dreck“. So mancher musste da unweigerlich lachen oder zumindest schmunzeln. Der Ort, das stellte Dittus an mehreren Stationen fest, war eben sehr lange sehr ländlich geprägt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite deutet ein kleines, altes Schild auf ein Stück Geschichte. Es weist eines der Häuser als ehemalige Bürgermeisterwohnung aus. Erst als 1847 das jetzige Rathaus gebaut wurde, wie Heide Dittus berichtete, sei der Schultes dorthin umgezogen. Schon zuvor gab es ein Rathaus im Ort, allerdings an anderer Stelle. Es brannte unter anderem zusammen mit der früheren Schule ab. Nach einer Übergangslösung wurde schließlich das heutige Bauwerk erstellt – „als Zeichen der Gemeinsamkeit“ zwischen Ober- und Untersulz, erzählte Dittus. Zunächst waren die Schulräume in der Ortsverwaltung mit untergebracht. Auch Wohnungen für Bürgermeister und Lehrer befanden sich dort.

Erst 1878 baute man gleich nebenan die heutige Schule. Einst erhielten hier die Klassen 1 bis 8 Unterricht, heute handelt es sich um eine Grundschule. Die Musikschule nutzt die Räumlichkeiten mit. Es gibt ein Ganztagsangebot und Mittagessen für die Schüler, erklärte Dittus. „Recht gut ausgebaut“ sei die Schule also. 1968 folgte eine Erweiterung, ein Jahr nachdem der Sitzungssaal ans Rathaus angebaut wurde.

Umbrüche und Veränderungen
durch Sanierung aufgezeigt

Weiter ging es von dort zum ehemaligen Standort der Molkerei. Diese wurde 1892 erbaut, sogar eigenes Butterbrotpapier wurde hier produziert. 1979 wurde das Gebäude an die Stadt verkauft, Anfang der 1980er folgte der Abriss. Heute sind hier Stellplätze. Nach einem kurzen Blick auf die 1957 errichtete Gemeindehalle – damals noch mit öffentlichen Bädern und Duschen – ging es über „Im Pflaster“, wo tatsächlich noch ein Abschnitt mit dem Originalpflaster des Wegs erhalten ist, zur frisch renovierten Straße „Im Kloster“. Mit einigen Bildern zeigte Dittus hier deutlich die Umbrüche durch die Sanierung auf, die Veränderungen, die die Modernisierung mit sich brachte. Solche Gegenüberstellungen sorgten auch an den anderen Stationen für Staunen bei den Teilnehmern.

Die Route führte vorbei am Backhaus, das 1866 inklusive Waschraum erbaut wurde. „Ein großer Fortschritt damals“, meinte Heide Dittus. Von dort ging es bergauf zur Burghalde und vorbei am evangelischen Gemeindehaus. Wo das heute steht, stand früher ein einzelner Glockenturm, das „Glöckle“. Es diente sozusagen als Verstärker der Kirchenglocken, damit die Obersulzer wussten, wann diese läuteten.

Am Grenzsteingarten beim Friedhof sind seit kurzem gut erreich- und sichtbar Grenzsteine ausgestellt. Es handelt sich um verschiedene Arten, beispielsweise Gemarkungsgrenzsteine und jene, die hoheitliche Grenzen absteckten. Als nächstes machte sich die Gruppe auf zur Michaelskirche.

Für 2020 ist hier eine Renovierung geplant, wie Timo Roller erzählte. Diesmal jedoch befassten sich die Besucher eher mit der Chorsakristei und dem Sakramentshäuschen aus vorreformatorischen Zeiten. Erst vor kurzem wurde in der Kirche ein über 500 Jahre altes Hostienkästchen entdeckt, das in das Sakramentshäuschen gehört. Vorbei an der ehemaligen Mühle ging es schließlich zur letzten Station: dem Gemeinschaftshaus. Im Gebäude selbst waren unter anderem Funde zu sehen, die Roller bei der Erweiterung des Steinbruchs entdeckt hat. An die 1000 Jahre alt dürften die Scherben sein. Sie werden derzeit genauer untersucht.

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Erstellt:
11. September 2019, 00:00 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 00:00 Uhr

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