Streetart-Porträt überrascht Qianhong Gotsch

Qianhong Gotsch freut sich darüber, dass sie in die Straßengalerie aufgenommen worden ist GB-Foto: Holzapfel

Qianhong Gotsch freut sich darüber, dass sie in die Straßengalerie aufgenommen worden ist GB-Foto: Holzapfel

Schau mal, Mama, das hier bist doch du!“ Hannah Gotsch, Tochter von Tischtennis-Ass Qianhong Gotsch, hielt verdutzt inne, als sie mit ihrer Mutter mit dem Fahrrad in Böblingen unterwegs war. In der Tat, das was die beiden hier als Graffiti-Kunst an der Unterführung in der Herrenberger Straße erspähten, glich doch ziemlich dem Konterfei der Böblinger Bundesliga-Ikone.

„Ich habe zwar noch nie mit einem grünen Schlägerbelag gespielt und irgendwie sieht es aus, als würde ich einen Spiegel vor mein Gesicht halten, aber das Bild ist trotzdem supergut gelungen“, zeigt sich die 52-jährige Gärtringerin begeistert von dem Kunstwerk, das nun das Gemäuer der Schönbuchbahn-Unterführung auf der Ebene der Fußgänger und Radfahrer schmückt. Qianhong Gotsch, von allen nur „Hongi“ genannt, zeigt sich durchaus überrascht. Wohl wusste sie, dass ein Porträtband mit prägenden Köpfen aus dem Landkreis Böblingen vor der Veröffentlichung stand. Mit der Abbildung an den Böblinger „Walls of Fame“ hatte sie indes nicht gerechnet – und wurde im Vorfeld auch nicht darüber informiert.

Überhaupt ist das dynamische Bild der langjährigen Abwehrspielerin kaum zu übersehen. Im Vergleich zu zahlreichen anderen Porträts auf der neu gestalteten, zwei Mal 230 Meter langen Böblinger Betonwand kommt das farbenfrohe Aktionsbild von Gotsch – auch aufgrund der Größe – doch deutlich lebendiger rüber. „Das Bild ist echt mega, nur die Schlägerhaltung ist etwas ausbaufähig“, zeigte sich auch Gotschs 18-jährige Teamkollegin Alexandra Kaufmann begeistert vom Kunstwerk, das die einst schmucklose Betonwand mit Form und Farbe erfüllt.

Beim Böblinger Straßenkunstprojekt „Walls of Fame“, das kürzlich offiziell eingeweiht wurde, haben die Künstler Henrieke Ribbe, Jim Avignon und Jeroo alias Christoph Ganter den Teil der Herrenberger Straße gestaltet. Zu sehen sind dort aktuell 36 Menschen, die entscheidend auf Böblingen eingewirkt haben oder mit dieser Stadt auch heute noch verbunden sind. Luftfahrtpionier Hanns Klemm wird dabei genauso gewürdigt wie Bierbrauer Carl Gottfried Dinkelacker, Bürgermeister Stefan Belz – oder eben Sportler wie Qianhong Gotsch, die vom Berliner Pop-Art-Künstler Jim Avignon originell in Szene gesetzt wurde.

Bei der Auswahl der mit den Porträts dargestellten Persönlichkeiten arbeiteten Galerieleiterin Corinna Steimel und die Künstler mit der Bürgerschaft zusammen: 20 Teilnehmer reichten rund 100 Vorschläge ein und nahmen dadurch an einer Verlosung teil, um selbst in der Unterführung verewigt zu werden. „Ohnehin sei das Projekt noch nicht abgeschlossen“, so Corinna Steimel, bis Sommer nächsten Jahres sollen mindestens fünf weitere Porträts entstehen. Qianhong Gotsch ist jedenfalls begeistert, dass sie für die „Walls of Fame“ ausgewählt wurde. „Ich hoffe, dass das Bild noch lange in dieser Schönheit erstrahlt“, sagt Gotsch, die regelmäßig mit dem Pedelec in Böblingen unterwegs ist. „Wenn ich an dieser Stelle vorbeifahre, ist das jetzt natürlich immer ein besonderes Gefühl.“

Bundesliga-Dino gegen Newcomer: Qianhong Gotsch und die Bundesliga-Frauen der SV Böblingen treten am Sonntag (14 Uhr, Turnhalle Leopoldschule) bei Aufsteiger ESV Weil an. Damit kommt es nach dem Rückzug des langjährigen baden-württembergischen Vertreters TV Busenbach zu einem neuen Derby im „Ländle“. Der Eisenbahner Turn- und Sportverein aus Südbaden kassierte zum Saisonauftakt eine 2:6-Niederlage gegen den TSV Langstadt, hat aber im Pokal für Aufsehen gesorgt, als man nach einem Erfolg über den höher eingeschätzten Bundesligisten TTG Bingen/Münster-Sarmsheim das deutsche Final Four erreichte.

Coronabedingt werden
keine Doppel gespielt

Gespannt darf man auf das Aufeinandertreffen der Youngster beider Vereine sein. Sophia Klee vom ESV ist deutsche Jugendmeisterin und mit ihren 17 Jahren drei Jahre älter als Annett Kaufmann, die am vergangenen Wochenende mit dem Gewinn des „Europe Youth Top 10“-Turniers ihren bislang größten Erfolg auf internationaler Ebene feierte. SVB-Ikone „Hongi“ Gotsch bekommt es am Spitzenpaarkreuz mit der ukrainischen Meisterin Ievgeniia Sozoniuk und der bulgarischen Titelträgerin Polina Trifonova zu tun. Platz sechs ist das Saisonziel der Böblinger um Manager Frank Tartsch, was die Teilnahme an den Play-offs zur Folge hätte. Coronabedingt werden in der Bundesliga keine Doppel mehr gespielt, dafür alle acht Einzel. Eine Partie ist also nicht wie bisher üblich beim Siegpunkt, in diesem Fall dem fünften, beendet. Von 8:0 bis 4:4 ist somit alles möglich, wobei gegen Weil eher von einem knappen Ergebnis ausgegangen werden kann. THOMAS HOLZAPFEL

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Erstellt:
15. Oktober 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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